Roland Tichy: Konservativer Kämpfer gegen die politisch-mediale Einheitsfront / Oppositionelle Medien haben in Deutschland nur eine untergeordnete Bedeutung

Von Hans-Georg Münster

In Deutschland existiert eine mediale Einheitsfront von öffentlich-rechtlichen Sendern bis zu den privaten Verlagshäusern. Dieses Fazit zog Ende März 2023 der Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ), Erik Guyer. Erstmals machte Guyer den deutschen publizistischen Einheitsbrei während der Flüchtlingswelle 2015 aus. Wer angesichts der endlosen Flüchtlingstrecks Zweifel an der Aufnahmefähigkeit der Bundesrepublik äußerte, habe als „rechts oder gleich als rechtsradikal“ gegolten, bilanzierte Guyer. Er bescheinigt den deutschen Medien, ihre Funktion als vierte Gewalt im Staat verloren zu haben und sich statt dessen selbst als Elite zusammen mit den Regierenden zu empfinden. Deutsche Journalisten wollten das Volk erziehen und machten sich damit zu Komplizen der Regierung. Abweichende Meinungen hätten Seltenheitswert. Es gibt jedoch ein paar Stimmen in der deutschen Medienlandschaft, nur noch leise vernehmbar, aber wer sie finden will, findet sie. Eine dieser Stimmen ist Roland Tichy, Betreiber des Internetportals „Tichys Einblick“ (1) und einer gleichnamigen Zeitschrift.

Der 1955 geborene Tichy ist kein Kritiker des Systems der ersten Stunde. Man sah ihn nach einem Journalistikstudium jahrzehntelang bei verschiedenen Medien wie der Zeitschrift Capital oder des Magazins Impulse sowie des Handelsblatts in leitenden Positionen. Etwa 2015, Tichy war bereits durch zwei kritische Bücher zur Einwanderungspolitik und zum Demographieproblem aufgefallen, trennte sich die Verlagsgruppe Dieter von Holtzbrinck von Tichy, der zuletzt Chefredakteur der Wirtschaftswoche gewesen war.

Daraufhin nahm Tichy mächtig Fahrt auf, als sei er von den Fesseln seiner früheren Arbeitgeber befreit worden. Er machte sich selbstständig, begründete sein Internetportal Tichys Einblick, einen YouTube-Kanal sowie eine monatliche Zeitschrift, die etwa 20.000 Exemplare verkauft. Wesentlich höhere Verbreitung haben der You-Tube-Kanal mit über 100.000 Abonnenten und auch seine Internetseite. Während sich Tichys frühere Zeitschrift Wirtschaftswoche publizistisch und wirtschaftlich auf dem absteigenden Ast befindet, geht es für ihn wirtschaftlich bergauf. Man kann heute feststellen, dass Tichy unter den deutschen oppositionellen Internet-Medien neben der „Achse des Guten“ (2) sicher den führenden Platz einnimmt und die islamkritischen „PI-News“ (Politically Incorrect) (3) sowie die Junge Freiheit (4) hinter sich gelassen hat. Der vom Springer-Konzern wegen seiner regierungskritischen Haltung geschasste BILD-Chefredakteur Julian Reichelt wird mit seinem You-Tube-Kanal (5) zwar immer stärker. Er greift aber verbal zu viel schärferen Schwertern als Tichy, der als Meister des Floretts anzusehen ist. Das Problem der wenigen Konservativen ist allerdings ihre Unfähigkeit zur Vernetzung. Als Individualisten kämpfen sie allein und werden somit von der linken Medienmeute leicht „erledigt“. Viele Jäger waren schon immer des Hasen Tod, weiß der deutsche Volksmund. 

Daher muss Tichy mit dem zunehmenden Sperrfeuer der publizistischen Einheitsfront allein klarkommen. Er befindet sich inzwischen auf allen schwarzen Listen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und kommt auch als Autor außerhalb seiner eigenen Publikationen so gut wie nicht mehr zum Zuge. Die taz, ein Leitmedium in der publizistischen Einheitsfront, hatte schon 2020 festgestellt, die Artikel in Tichys Einblick bestehen zumeist aus „Merkel-Bashing, Panikmache bezüglich Geflüchteter und Hass auf Linke. Das Magazin ist inhaltlich nicht liberal-konservativ, wie es sich selbst bezeichnet, sondern rechts.“ So eine Kritik kommt in der heutigen deutschen Medienlandschaft einem Todesurteil gleich.

Die publizistische Einheitsfront findet ihre Fortsetzung in der Politik, wo in zentralen Fragen des deutschen Volkes alle Parteien mit Ausnahme der AfD inzwischen einen geschlossenen Block bilden. Bei inhaltlichen Diskussionen über die Flüchtlingskrise und ungesteuerte Zuwanderung, den Klimaschutz, die militärischen Auseinandersetzung in der Ukraine sowie eine angebliche Gefahr von rechts ist praktisch nur eine Meinung zugelassen.

Auch CDU und CSU haben inzwischen die letzten konservativen Positionen über Bord geworfen und sich der linken Einheitsfront angeschlossen beziehungsweise untergeordnet. Tichy bekam dies 2020 zu spüren, als er einen Gastbeitrag in seinem Magazin veröffentlichte, der angeblich sexistische Aussagen über die Berliner SPD-Staatssekretärin Sawsan Chebli enthielt. Daraufhin verlor er aufgrund des Drucks von CDU- und CSU-Politikern seine letzte Verankerung im bürgerlichen Milieu. Die damalige Digitalisierungsministerin Dorothee Bär (CSU) erklärte empört ihren Austritt aus der Ludwig-Erhard-Stiftung, die seit 2015 unter Tichys Vorsitz stand. Bär unterstellte Tichy „eine gesellschaftspolitische Geisteshaltung, die ich nicht akzeptiere“. Zusammen mit Bär verließen auch der ehemalige Bundesminister Jens Spahn (CDU) sowie der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Carsten Linnemann und der frühere Bundesbankpräsident Jens Weidmann die Stiftung, die sich der sozialen Marktwirtschaft verpflichtet fühlt. Tichy verzichtete daraufhin auf eine Kandidatur bei der anstehenden Neuwahl des Stiftungsvorstands. Der staatliche Deutschlandfunk höhnte damals, es sei doch erstaunlich, wie lange es gedauert habe, bis Tichys Unterstützer gemerkt hätten, wen sie zum Vorsitzenden der Stiftung gewählt hätten. Tichy musste erleben, was es heißt, ganz allein zu stehen, als zum Beispiel eine Kampagne losgetreten wurde, um Druck auf Unternehmen auszuüben und diese zum Verzicht auf Werbung bei Tichy zu zwingen. 

Doch Aufgeben ist die Sache von Tichy nicht. Unermüdlich geht er gegen die Gesellschafts- und Staatsveränderung der rot-grün-gelben Berliner Koalition vor. Das kürzlich beschlossene neue Wahlrecht beschrieb er als das, was es ist: Durch komplizierte Regelungen solle die bayerische Oppositionspartei CSU ebenso aus dem Bundestag gedrängt werden wie die linke Oppositionspartei Die Linke. Tichy schrieb: „Man stelle sich vor, in Ungarn oder Polen würden auf diese Weise zwei Oppositionsparteien einfach beseitigt. Sofort wäre von einem kalten Staatsstreich die Rede, und insbesondere Ungarns Regierungschef Viktor Orbán müsste mit einer sofortigen Bestrafung durch Ursula von der Leyen persönlich rechnen. Alle EU-Mittel würden sofort gesperrt, ja Ungarn müsste mit dem Ausschluss aus der EU rechnen. In Deutschland geht es glatt durch.“ Tichy beschreibt diese Entwicklung als eine große Transformation: „Mit wuchtigen Schlägen treibt die Ampel Deutschland in die große Transformation: Deindustrialisierung, Verarmung sowie Abbau sozialer und demokratischer Errungenschaften werden mit apokalyptischen Begründungen erzwungen, die immer extremere und fast totalitäre Züge annehmen. Sie können das Land zerstören."

Als von deutschen Medien im Dezember 2022 eine von den Sicherheitsbehörden entdeckte Gruppe älterer Herrschaften mit Messern und Jagdgewehren aus der Reichsbürgerszene zu einer einen Staatsstreich planenden Terroristentruppe aufgeblasen wurde und große Aufregung herrschte, schrieb Tichy völlig zurecht von einem „Operettenputsch“, der nur zeige, wie geschwächt die Demokratie in Deutschland sei und nannte die Razzia eine mediengerechte Inszenierung durch Innenministerin Nancy Faeser (SPD). Da mehrere Journalisten und Rundfunkanstalten schon Tage vorher über die bevorstehende Razzia informiert waren und ihre Übertragungswagen schon in Stellung bringen konnten, liegt der Verdacht nahe, dass es sich bei dem vermeintlichen Reichsbürger-Putsch um eine von staatlichen Stellen betriebene Inszenierung gehandelt hat. Damit sollte wohl vom eigentlich wichtigen Datum, dem einjährigen Bestehen der rot-grün-gelben Koalition, abgelenkt werden. Bei ihrer miserablen innen-, außen- und wirtschaftspolitischen Bilanz hätte die Regierung selbst von der unkritischen deutschen Presse keine Lobeshymnen mehr erwarten können. So fiel die Bilanz aus, die Medien stürzten sich begeistert auf einen angeblichen Putschversuch einer Rentner-Vereinigung und konnten ihre Kampf-gegen-rechts-Reflexe tagelang austoben. 

Immer wieder schlägt Tichy mit seinem Florett einen Weg durch den Dschungel staatlicher Propaganda, öffentlich-rechtlicher Fake-News sowie einer abenteuerlichen und realitätsfernen Presseberichterstattung. Damit hätte Tichy in einem Land, in dem es noch normal zu gehen würde, den Preis der Bundespressekonferenz verdient, der auf dem nächsten Bundespresseball für „an Tatsachen orientierte faire Vermittlung von politischen Informationen, Aussagen und Positionen“ verliehen wird. Der Preis geht aber an den Online-Journalisten Thomas Wiegold, der sich auf Verteidigungs- und Sicherheitsthemen spezialisiert hat. Wiegold ist mit seinem Online-Portal „Augen geradeaus!“ als „Journalist 197“ auf der kürzlich bekannt gewordenen Liste der von der Bundesregierung für diverse Aktivitäten bezahlten Journalisten (6) zu finden. Die journalistische Einheitsfront ist auch noch korrupt.

(1) https://www.tichyseinblick.de/

(2) https://www.achgut.com/

(3) https://www.pi-news.net/

(4) https://jungefreiheit.de/

(5) https://www.youtube.com/c/AchtungReichelt/videos

(6) https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/bundesregierung-und-bnd-bezahlen-journalisten-selbst-fuer-interview-mit-kanzler-scholz-fliesst-geld/

Bilder: depositphotos / wikipedia
Die Meinung des Autors/Ansprechpartners kann von der Meinung der Redaktion abweichen. Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1 und 3 (1) „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“