@depositphotos

„Willkommen, Mister Präsident!“ - sucht „Dallas“ ein Schulbuchdepot?

Über einen langen Zeitraum, bis hin zu seinem gewaltsamen Tod, betrieben die Medien eine regelrechte Hetze gegen Kennedy, unter anderem auch, wegen seiner Bestrebungen die Beziehungen zu der UdSSR zu verbessern. Viel Zeit ist seitdem vergangen. Die UdSSR gibt es nun seit fast 30 Jahren nicht mehr. Nach JFK gab es neun gewählte amerikanische Präsidenten, der 45. - Donald John Trump - steht bereits in den Startlöchern. Auch der Kalte Krieg 1.0 ist lange vorbei und Cold War 2.0 auf dem Vormarsch. 

Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Journalist, Chefredakteur World Economy

Aber gegen den gewählten Präsidenten - wie fast ein halbes Jahrhundert zuvor - wird wieder gehetzt. Und das u.a. wegen seiner Äußerung - es könnte eine mögliche Verbesserung der Beziehungen mit Russland geben, der politischen Nachfolgerin der UdSSR.

Auch, wenn man keine schlechte Stimmung verbreiten möchte, so muss man doch einsehen, dass sich die Situationen in Amerika durchaus ähneln. In ihrer Schärfe, ihrer Spannung und auch weiterer beunruhigender „Zufälle“. 

Ist es möglich, dass in den USA das alte „Dallas-Szenario“ wiederbelebt wird?

JFK

22. November 1963. Dallas. Der 35. Präsident der USA, John F. Kennedy, wurde durch einen Schuss getötet, der aus dem letzten Stockwerk eines Schulbuchdepots abgegeben wurde. Einige Tage vor seiner Ankunft veröffentlichte eine der Regionalzeitungen eine Anzeige im Trauerrahmen: „Willkommen, Mister Präsident!“. 

Der damals jüngste Präsident der USA hat es in den drei Jahren seiner Präsidentschaft geschafft, sich eine Menge Feinde zu machen. Einerseits brachten ihm die unglücklichen Militäroperationen auf Kuba, die Berliner Mauer und, schließlich, die Karibikkrise den Ruf eines eher schwachen Militärstrategen ein. Andererseits, half sein direkter Einfluß auf internationale Prozesse wenigstens die Gefahr eines Atomaren Krieges zwischen den Supermächten in eine gewisse Ferne zu rücken.

Am 5. August 1963 haben die USA, UdSSR und Großbritannien den Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser unterzeichnet. Und kurz vor dem Tod des amerikanischen Präsidenten stimmten die USA und die UdSSR zusammen für eine UN-Resolution, die mit Kernwaffen bestückte Satelliten in den Orbit zu schießen verbat.

Es gibt mehrere Theorien darüber, wer und warum für den Tod des 35. Präsidenten der USA verantwortlich war. Von einer kubanischen Verschwörung bis hin zu Moskaus langer Hand.

Die Warren-Kommission hat, wie weitläufig bekannt, die Möglichkeit einer Verschwörung und/oder Auftragsmordes bestritten. Nach dessen Schlussfolgerungen war der Schütze, ein Amerikaner Namens Lee Harvey Oswald, ein Einzeltäter. Auch, wenn er schlussendlich nicht vor Gericht gestellt werden konnte, wird er in den Ergebnissen der Kommission als der Mörder benannt. Er selbst wurde ebenfalls auf höchst mysteriöse Weise ermordet und nahm sein Geheimnis mit ins Grab. Damit ist das Resultat der Kommission endgültig. 

Ob man dem nun Glauben schenken will oder nicht, bleibt immer noch jedem selbst überlassen. 

Eine „Kleinigkeit“ gibt es noch, die man aber unmöglich unbeachtet lassen kann. Kaum war Oswald verhaftet, tauchte eine „Spur nach Moskau“ auf, die „lange Hand Moskaus“ und die Suche nach Auftraggebern für den Mord im Kreml. 

Die amerikanischen Medien widmeten sich ausgiebig den Details. Wie sich heraus stellte, lebte Oswald eine Zeit lang in der UdSSR und seine Ehefrau - Marina - ist gar eine Russin gewesen. Auch, wenn die Warren-Kommission darauf beharrte, dass Oswald ein Einzeltäter war und es keine Verschwörung gab, war der durch die Medien angeheizten Öffentlichkeit bereits alles klar: „Lange Hand Moskaus“. 

Also, kann man annehmen, dass die Russen sich in die amerikanische Politik einmischten, in innere amerikanische Angelegenheiten und diese in eine für sich genehme Richtung beeinflußen wollten. 

So berichtet es die Medienwelt in der USA, so wird es auf den Kongressfluren geraunt und es interessiert schon keinen mehr, was die Warren-Kommission da verfasst hat. 

DJT

Zurück zum Mord am Präsidenten. Der 35. Präsident der USA wird mit allen Ehren bestattet, der Vizepräsident Lyndon B. Johnson bezieht das Oval Office. Die Beziehungsverbesserung zu Moskau wird erfolgreich vergessen, dafür beginnt der Vietnamkrieg.

Es ist heute fast wie damals, nur in spiegelverkehrter Reihenfolge. 

Damals war der Präsident ein Demokrat, heute - Republikaner. Kennedy beendete seine Amtszeit mit dem Versuch die Beziehungen zu Russland zu normalisieren, Trump wird seinen Dienst wohl damit beginnen. Aber es gibt auch weitaus seltsamere Zufälle. Kennedy wurde von der Presse gemobbt und auch Trump wird in den Medien „vernichtet“. Kennedy besetzte die wichtigsten Posten in seinem Kabinett mit Familienmitgliedern, inklusive seines Bruders Robert. Auch Trump bevorzugt die Familienbande. 

Kommt ihnen das irgendwie bekannt vor?

Doch ist die „Hand Moskaus“ - vor allem, wenn man amerikanische und deutsche Medien konsumiert - bei Trump ganz besonders lang. Lange bevor er mit großem Vorsprung die Wahl gewonnen hat, begann in der Presse eine Diskreditierungskampagne des damaligen Kandidaten Trump. Es fing an mit der Veröffentlichung des Schriftverkehrs des Wahlstabs der Demokraten, allen voran der Kandidatin Clinton. Die Empörung der Presse, der Politiker und Wähler der Demokraten über „Moskaus Hand“, die Trump geholfen hat, war grenzenlos. Aber das lag nicht am Inhalt, der schwarz auf weiß eine parteiinterne Mauschelei zur Beseitigung des eigenen Parteifreundes Berny Sanders aufdeckte. Das hat wohl weder Presse noch Politik ernsthaft gestört. Der Aufschrei ging durch die Reihen, weil die Emails angeblich von „russischen Hackern“ gestohlen und an Wikileaks übergeben worden sind. 

„Russische Hacker“ steht hier in Anführungszeichen, weil weder damals noch heute irgendwelche auch nur ansatzweise handfesten Beweise für Cyberattacken der „russischen Hand“ auf Washington präsentiert werden konnten. Es kann doch nicht ernsthaft als Beweis gelten, dass in den Quellcodes der Programme einige kyrillisch geschriebene Worte auftauchen? Den Höhepunkt erreichte die Hetzjagd auf Trump jedoch mit der Publikation der Geheimdienstberichte über die „russische“ Beteiligung an Cyberangriffen auf amerikanische Wahlkomputer und auch über ein angebliches „Druckmittel“ Moskaus auf den President-elect. 

Das Druckmittel beinhaltet ein Komplettpaket aus dem Schlapphut-Arsenal: Prostituierte in einem Hotel in Moskau, die Trump von den „Tschekisten“ untergeschoben wurden, Übernahme kleiner Rechnungen und sonstiger Quatsch aus einem billigen Spionagekrimi. 

„Hand aus dem Osten“

Übrigens übernahm die deutsche Presse folgsam den Tenor der amerikanischen Berichterstattung und manche Politiker begannen bereits über die Gefahren der „Hand aus dem Osten“ für die schon bald statt findende Bundestagswahl zu sprechen. Bezeichnenderweise, sagte Trump, der den geheimen Teil der Geheimdienstberichte lesen konnte, in einem seiner Tweets, das alles sei ein „fake“ und verglich die Tatsache, dass die falschen Informationen veröffentlicht wurden, mit den Zuständen in Nazideutschland. Für den Moment ist das wohl der eindrucksvollste Zug des künftigen 45. Präsidenten der USA. Er gab klar zu verstehen, dass er den skandalträchtigen Leak einer Falschinformation nicht ungesühnt bleiben lassen wird, schnibbte der amerikanischen Presse auf die Nase, zeigte seine Einstellung gegenüber dem medialen Begleitchorus aus Deutschland. Man könnte meinen, der Vergleich mit dem Dritten Reich fiel nicht einfach so und war für das Berliner Publikum bestimmt. 

Aus dieser schmutzigen und unehrlichen Geschichte kann man leider nur einen Schluss ziehen - der zukünftige 45. Präsident lebt gefährlich. Und auch der riesige Leibwächterstab kann für nichts garantieren. Wie wir bereits aus der amerikanischen Geschichte gelernt haben.

Und, am Schluss, eine Prise Fatalismus:

25. Präsident der USA - William McKinley. Erschossen von einem Einzelgänger

35. Präsident der USA - John F. Kennedy. Erschossen von einem Einzelgänger

45. Präsident der USA - Donald Trump…?

Die Meinung des Autors kann von der Meinung der Redaktion abweichen. Die Redaktion räumt dem Autor gemäß Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes das Recht ein, seine Meinung frei zu äußern

Bilder: @depositphotos