Von Prof. Dr. Martik Gasparyan
Das Fehlen einer theoretisch-ökonomischen Basis bei der Bewertung des kulturellen Erbes machte es notwendig, eine auf Qualimetrie basierende Methodik zu entwickeln, die es ermöglicht, sowohl das kulturelle Erbe als auch die Schäden, die an diesem entstanden sind, zu bewerten.
Armenien ist die Erbin und Bewahrerin vieler zivilisatorischer Werte. Dabei wird unter "Armenien" das gesamte armenische Hochland verstanden.
Das armenische Volk musste das schlimmste Verbrechen der Menschheit durchmachen - einen Genozid. Die Weltgemeinschaft schaffte es erst im 20. Jahrhundert diesen Völkermord als ein Verbrechen anzuerkennen. Dazu gehört natürlich auch die Zerstörung der Kultur, des Wertesystems und der Errungenschaften, die im Laufe der Jahrhunderte erzielt und von Generation zu Generation weitergegeben wurden. Die Zerstörung von Kulturmarkern, der Erinnerung und deren Stätten kann in dieser Hinsicht als ein Element des "kulturellen" Völkermords angesehen werden. Es ist wichtig und notwendig, diesen Prozess als einen untrennbaren Teil des Völkermords gegen ein bestimmtes Volk zu betrachten und nicht als einen Teil des fortschreitenden Weges der Weiterentwicklung der Menschheit.
Die Bestimmung eines Kulturozids, sowie die Umsetzung der Prozesse zur Erhaltung und Wiederherstellung von Kulturstätten ist jedoch nur ein Teil des Problems.
Die Entschädigung für die tatsächlichen Schäden, die am Objekt des archäologischen Erbes entstanden sind, nimmt einen wichtigen Platz in der Struktur der Bürgerrechte ein. Die völkerrechtliche Verantwortung ist die Verpflichtung eines Subjekts der Völkerrechtsordnung, den durch einen Verstoß gegen eine völkerrechtliche Verpflichtung verursachten Schaden an einem anderen Völkerrechtssubjekt zu beseitigen.
Es gibt zwei Arten der Staatsverantwortung:
- materiell;
- nicht materiell.
Letzteres wird gelegentlich als politische Verantwortung bezeichnet. Tatsache ist, dass die internationale rechtliche Verantwortung aufgrund der Besonderheiten dieses Rechtssystems immer in einer politischen Form auftritt. Die Aufteilung der Verantwortung in materiell und nicht materiell, wird konventionell umgesetzt und eher zu Bildungszwecken durchgeführt.
Die Haftung, die materielle Form, wird durch Rückerstattungen und Wiedergutmachungen ausgedrückt.
Reparationen bedeuten den Ersatz von materiellen Schäden in Geld, Waren und Dienstleistungen.
Höhe und Art der Reparationen werden in der Regel auf der Grundlage internationaler Verträge angewandt. Die Höhe der Wiedergutmachung ist in der Regel deutlich geringer als der durch den Krieg verursachte Schaden.
Restitutionen sind die Wiederherstellungen einer Situation, die vor der Begehung der rechtsschädigenden Handlung bestand.
Eine der Formen der Restitution ist die Rückgabe von Eigentum, welches vom dem Kriegführenden Staat illegal im Land des Gegners enteignet und exportiert wurde.
Die Kompensation. Der Staat, der für die rechtswidrige Handlung verantwortlich ist, ist verpflichtet, den durch eine solche Handlung verursachten Schaden zu ersetzen, da dieser Schaden nicht durch Restitutionen kompensiert wird. Unter den verschiedenen Formen der Entschädigung ist die Kompensation die häufigste. Die Kompensation ist in der Regel eine Geldzahlung. Die Zahlung muss der Höhe des Schadens entsprechen, den der betroffene Staat infolge der Straftat erlitten hat.
Sanktionen sind Zwangsmaßnahmen, die Gegenüber dem Angreiferstaat verhängt werden.
Sie können von internationalen Organisationen (weltweite und regionale Organisationen) wie die UN, der ICAO, der OAU, einer Gruppe von Staaten oder einzelnen Organisationen angewendet werden. Der Umfang und die Art der Sanktionen hängen von der Schwere der Straftat und dem verursachten Schaden ab. Beispielsweise können die folgenden Zwangsmaßnahmen auf den Aggressor-Staat angewendet werden: zeitweilige Einschränkung der Souveränität; Ablehnung eines Teils des Territoriums; Nachkriegsbesetzung.
Gleichzeitig erfordert die Bestimmung des Schadens und der Höhe der Haftung gut entwickelte Prozesse für die Bewertung des kulturellen Erbes. Die Bewertung der Kulturerbstätten und der an ihnen verursachten Schäden hat bislang keine theoretisch-ökonomische Grundlage. Aus diesem Grund bestand die dringende Notwendigkeit, die qualimetrische (qualitative) Methode anzuwenden.
Die Qualimetrie (aus dem Lateinischen "Qualis" - Qualität und dem griechischen "Metreo" - messen) ist eine Wissenschaft, die die Methoden zur Einschätzung und die Quantifizierung der Qualität von Objekten untersucht.
Es handelt sich um eine qualimetrische Bewertung, die es ermöglicht, den Wert von Stätten des Kulturerbes und die Schäden an diesen Stätten zu bestimmen.
Die durchgeführten Studien bilden somit die methodologische Grundlage für eine umfassende Bewertung von Objekten und Schäden an dem Kulturerbe. Das erlaubt, auch dem armenischen Volk, das Recht auf eigenes Kulturerbe auszuüben und Reparationen und Restitutionen zu erhalten.
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