West urges Iran to take chance of nuclear deal. Foto: GEORG HOCHMUTH / dpa

Wenn das Atom-Abkommen klappt: Was passiert danach?

Wien (dpa) - Der Iran und die 5+1-Gruppe (die 5 UN-Vetomächte USA,
Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland)
wollen nach jahrelangen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm
endlich ein Ergebnis finden. Sollte jetzt in Wien ein Abkommen
ausgehandelt werden, würden die Karten neu gemischt.

Welche Schritte folgen auf eine Einigung?

Kommt eine Einigung bis zum 9. Juli zustande, hätte der US-Kongress
30 Tage Zeit, das Dokument unter die Lupe zu nehmen. Bei einer
späteren Einigung würde sich die Prüfphase auf 60 Tage verdoppeln.
Allerdings können die Abgeordneten das Abkommen praktisch nicht
stoppen. Auch die Vereinten Nationen müssen das Dokument
entgegennehmen (indossieren). Im Auftrag der UN hatte die 5+1-Gruppe
die Gespräche geführt.

Der Iran müsste in den Wochen nach der Einigung seine Bestände
niedrig angereicherten Urans drastisch reduzieren. Auch viele
Zentrifugen zur Urananreicherung müssten abgebaut werden.

Was passiert dann mit den Sanktionen?

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA in Wien muss die
Vertragstreue des Irans überwachen. Die Details dieser Verifikation
sind einer der Knackpunkte in den Verhandlungen. Sobald die IAEA die
Vertragstreue bestätigt, werden Finanzsanktionen und das Öl-Embargo
aufgehoben. Der Iran, der die Einkünfte aus den Exporten dringend für
die Belebung der Wirtschaft braucht, möchte eine schnelle Aufhebung
aller Sanktionen. Doch die Umsetzung dürfte schrittweise erfolgen und
könnte einige Zeit dauern; wie lange, ist noch unklar.

Welche Folgen hätte ein Vertragsbruch?

Würde der Iran das Abkommen nicht einhalten, würden Mechanismen in
Gang gesetzt, um die Sanktionen wieder einzusetzen. Um diese
Mechanismen wurde noch in der Schlussphase der Gespräche gestritten.

Welche Auswirkungen hätte ein Abkommen auf die Region?

Ein Abkommen könnte Teheran den Weg aus der internationalen
Isolierung ebnen und seine Wirtschafts- und Finanzkraft stärken und
ihm Mittel zur militärischen Aufrüstung geben. Das würde den
schiitischen Iran als Regionalmacht stärken, zumal der Westen seine
Rolle bei der Bekämpfung der sunnitischen Terrormiliz Islamischer
Staat im Irak und in Syrien schätzt.

Vor allem die sunnitischen Golfländer wie Saudi-Arabien betrachten
dies aber mit Sorge, denn sie sehen im Iran einen gefährlichen auch
religiösen Rivalen. Teheran steht zudem der syrischen Regierung unter
Präsident Baschar al-Assad und den Huthi-Rebellen im Jemen zur Seite,
deren Entmachtung die Sunnitenmonarchien anstreben. Auch Israel
fürchtet eine Stärkung des Irans, weil Teheran israelfeindliche
Organisationen wie die Hamas im Gaza-Streifen und die Hisbollah im
Libanon fördert.

Hätte das Abkommen Auswirkungen auf den Ölpreis?

Schätzungen der US-Energiestatistikbehörde EIA vom April zufolge
könnte der Ölpreis im Jahr nach dem Wegfall der Sanktionen um 5 bis
15 Dollar pro Barrel fallen, weil der Iran mehr Öl auf den Markt
werfen könnte. Größere Verschiebungen sind nach Ansicht von Experten
weniger wahrscheinlich. Zudem muss der Iran seine veraltete
Öl-Infrastruktur erneuern.