A picture dated 20 July 2014 shows a cameraman filming a detail of the empennage tail debris at the main crash site of Boeing 777 Malaysia Airlines flight MH17 in the eastern Ukraine region near Grabovo, some 100 Km east from Donetsk, Ukraine. Photo: EPA/ROBERT GHEMENT/dpa

Was geschah mit Flug MH17? - Ermittler verfolgen verschiedene Spuren Von Ulf Mauder und Annette Birschel, dpa

Moskau/Amsterdam (dpa) - Ein Jahr nach dem Abschuss des
Passagierflugs MH17 im ukrainischen Konfliktgebiet Donbass sind die
Umstände immer noch nicht eindeutig geklärt. Alle 298 Menschen an
Bord starben am 17. Juli 2014. Am meisten verbreitet ist die Version,
wonach eine Rakete von dem bodengestützten Luftabwehrsystem Buk
die Boeing traf. Russland wiederum will auch Hinweise auf den
Abschuss durch ein ukrainisches Militärflugzeug haben. Zum Stand der
Ermittlungen einige Fragen und Antworten:

Was ist gesichertes Wissen zum MH17-Absturz und was nicht?

Unumstritten ist, dass die Passagiermaschine über dem Kriegsgebiet
abgeschossen wurde. Die Untersuchungen konzentrieren sich auf eine
Rakete, die von einem bodengestützten Luftabwehrsystem des Typs Buk
abgefeuert wurde. Gestritten wird aber darüber, wer das Geschoss
abgefeuert hat. Die Ukraine geht davon aus, dass Russland das
Buk-System in das von Separatisten kontrollierte Kriegsgebiet
lieferte. Russland weist dies zurück.

Wie ist der offizielle Stand der Ermittlungen?

Der niederländische Sicherheitsrat schloss in seinem ersten
Zwischenbericht zur Ursache im September 2014 technisches und
menschliches Versagen sowie einen Terroranschlag aus. Der
Abschlussbericht soll im Herbst vorliegen. Die Ermittlungen der
niederländischen Staatsanwaltschaft weisen in Richtung eines
Abschusses durch eine Abwehrrakete.

Gibt es Beweise für eine Schuld Russlands oder der Separatisten?

Das internationale Ermittlerteam unter Leitung der Niederlande hat
Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten
veröffentlicht. Die deuten daraufhin, dass diese über ein Buk-System
verfügten und eine Rakete zum fraglichen Zeitpunkt abgefeuert hatten.
Der russische Hersteller des Buk-Systems erklärte, dass die Ukraine
eine Vielzahl solcher Waffen besitze. Die Firma geht nach
eigenen Recherchen davon aus, dass die Rakete von ukrainisch
kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen wurde.

Wie reagiert Russland auf die Schuldvorwürfe?

Die russische Führung verlangt unvoreingenommene Ermittlungen durch
die internationalen Ermittler und den Sicherheitsrat in den
Niederlanden. Das Land leitet die strafrechtlichen Ermittlungen sowie
die Suche nach der Ursache, weil die meisten der 298 Opfer von dort
stammten. Kremlchef Wladimir Putin hatte der Ukraine die Schuld an
der Tragödie gegeben, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum
über dem Kriegsgebiet nicht komplett für die zivile Luftfahrt
gesperrt hatte. Separatisten hatten vor dem Absturz der MH17 mehrere
Militärflugzeuge abgeschossen.

Wie ist der Stand der Ermittlungen in Russland?

Von Anfang an erhoben die Russen den Verdacht, dass ein anderes
Flugzeug die Passagiermaschine abgeschossen haben könnte. Später
präsentierte die oberste Ermittlungsbehörde dazu auch einen
mutmaßlichen Zeugen, einen ehemaligen ukrainischen
Militärangehörigen, der sich nach Russland abgesetzt hatte. Der
22-Jährige belastete einen Kampfpiloten aus seiner Einheit, der den
Flug MH17 von einem Suchoi-Bomber Su-25 abgeschossen haben soll. Die
Ukraine hatte dies zurückgewiesen. Die Behörden in Moskau gehen aber
nach eigenen Angaben auch anderen Hinweisen nach. Kremlchef Wladimir
Putin hatte zuletzt im Gespräch der Deutschen Presse-Agentur gesagt,
dass er einen Bericht auf seinem Tisch habe, nach dem die Maschine
von einer Buk-Rakete von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus
abgeschossen wurde.

Gibt es Beweise durch Satellitenbilder?

In den USA gab es Berichte über eigene Satellitenbilder, die die
Schuld der prorussischen Rebellen beweisen sollen. Sie wurden aber
nicht veröffentlicht. Russland präsentierte kurz nach dem Abschuss
Satellitenbilder, nach denen ukrainische Truppen ein Buk-System nahe
der Absturzstelle stationiert hatten. Experten streiten aber darüber,
ob die Bilder echt sind.