Von Andreas Hoenig und Bernd Röder, dpa
Berlin (dpa) - Für Ronald Pofalla geht es bei der Bahn schnell
aufwärts. Erst seit Jahresbeginn ist der frühere Leiter des
Kanzleramts Cheflobbyist des Staatskonzerns, nun rückt er aller
Voraussicht nach bereits zum August in den Bahn-Vorstand auf - viel
früher als geplant. Auch im Bahntower, der Unternehmenszentrale am
Potsdamer Platz in Berlin, geht es für Pofalla laut Medienberichten
nach oben: vom 15. Stockwerk in ein Vorstandsbüro in der 22. Etage.
Bislang ist der 56-Jährige Generalbevollmächtigter für politische und
internationale Beziehungen. In der Öffentlichkeit hat er sich auf dem
Posten bisher rargemacht. Seine Hauptaufgaben spielen auch im
Hintergrund: Er soll die Kontakte zu den Bahnexperten im
Bundesverkehrsministerium und im Bundestag pflegen und in Brüssel
Einfluss auf die Entscheidungsträger der Europäischen Union nehmen,
wenn es etwa um Wettbewerbsfragen geht. Zuletzt wehrten sich Bund und
Bahn erfolgreich gegen das Bestreben der EU-Kommission, den
Zugbetrieb organisatorisch vom Gleisnetz der Bahn zu trennen.
Diese Aufgaben behält Pofalla als Vorstand, soll aber dem Anschein
nach außerdem für Recht, Datenschutz, Regeltreue und
Konzernsicherheit zuständig sein. Längst wird er in Medienberichten
als einer der möglichen «Kronprinzen» von Bahnchef Rüdiger Grube
gehandelt.
Sein Abschied aus der ersten Reihe der Politik Ende 2013 kam
überraschend. Der Wechsel Pofallas zur Bahn, der schnell
bekanntwurde, war umstritten und eine pikante Personalie, sofort gab
es breite Kritik. «Er stand bereits früher als Regierungsmitglied im
Dienst der Bahn AG», schimpfte etwa Grünen-Fraktionschef Anton
Hofreiter. «Dafür erhält er jetzt einen sehr, sehr guten Posten als
Prämie.» Grube aber setzte Pofalla gegen den Widerstand durch.
In der Politik war der Rheinländer, der Sozialpädagogik und
anschließend Rechtswissenschaft studierte, schon vor seiner Zeit als
Kanzleramtschef ein wichtiger Vertrauter von CDU-Chefin Angela
Merkel. Von 2005 bis 2009 arbeitete er als CDU-Generalsekretär. Immer
wieder war er auch Merkels Mann fürs Grobe. «Ich kann deine Fresse
nicht mehr sehen», schleuderte er dem CDU-Bundestagsabgeordneten
Wolfgang Bosbach entgegen, der sich von seinem Nein zu einem
neuerlichen Griechenland-Hilfspaket nicht abbringen ließ.
Zuletzt erregte Pofalla Anfang Juli Aufsehen mit einem Auftritt vor
dem Untersuchungsausschuss des Bundestags für die Geheimdienste-
Spionageaffäre. Immer wieder gerieten die Abgeordneten und Pofalla
während der stundenlangen Befragung aneinander. Die Opposition warf
ihm hinterher Arroganz vor.
