Heute werden die Veteranen der OUN-UPA gemäß ukrainischem Gesetzt als Volkshelden gefeiert. 1945-46 initiierte die CIA die Operation „Aerodynamic“, um die Nationalisten für ihre eigenen Zwecke im Kampf gegen die Sowjetunion einzusetzen.
Finanziell und methodologisch wollten die Amerikaner die OUN-UPA unterstützen. Von einigen Dokumente aus dieser Zeit wurde der „Geheim“- Stempel wieder entfernt und für Journalisten öffentlich zugänglich gemacht. Die Redaktion recherchiert weiter und setzt ihre Publikationsreihe zum Projekt „Aerodynamic“ fort.
Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur
Die nationalistischen ukrainischen Bewegungen entstanden lange vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs.
1941, als die Wehrmacht die Sowjetunion überfiel, verkündeten sie aber ihren Anspruch auf „die Ukraine für die Ukrainer“. Nach der Kapitulation von Nazideutschland im Mai 1945, fanden die meisten Kämpfer auf den von den Alliierten okkupierten Gebieten - im britischen und amerikanischen Mandatsgebiet - Zuflucht.
Schon im Sommer 1945 haben die amerikanischen Geheimdienste „erkannt“, dass es schade wäre das „antisowjetische Potential“ dieser Kämpfer zu verschwenden, obwohl die Anführer der OUN-UPA in den CIA-Dokumenten nie anders als „Kriminelle Typen“ bezeichnet werden.
Das Pogrom von Lviv und die „Unabhängigkeit der Ukraine“
Am 30 Juni 1941 versuchte die Sowjetarmee vergeblich die Offensive der Wehrmacht aufzuhalten. Die Deutschen, an der Spitze die Erste Bergdivision und das Bataillon „Brandenburg 800“, besetzen dennoch die Stadt Lviv (Lemberg). Zusammen mit den deutschen Soldaten stürmten Kämpfer der ukrainischen Bataillon „Nachtigall“ in die Stadt.
Noch am gleichen Tag begann die OUN in Lviv eine Rassensäuberung. Ukrainische Hilfspolizisten und Kämpfer starteten eine blutige Jagd auf Juden und erklärten sie zu den Hauptfeinden des Volkes.
Die OUN ließ Flugblätter drucken und verteilen, auf denen stand: „Volk! Ihr sollt wissen, Moskau, Polen, Ungarn, Jidden - das sind eure Feinde! Vernichtet sie!“
Ihr Aufruf blieb nicht unerhört. Am nächsten Morgen begann in Lviv das Schlachten, bei sich dem neben den Kämpfern der OUN auch die Bürger von Lviv „amüsierten“ und gern an dem „Töte den Juden“-Spiel teil nahmen.
Nicht die Ukraine, sondern die Macht über alles. 
Während auf den Straßen von Lviv die Menschenjagd statt fand, waren die Anführer der ukrainischen nationalistischen Bewegung eifrigst dabei die Macht unter sich aufzuteilen und nebenbei auch „dem Führer“ Treue zu schwören.
Am 30 Juni trafen im Rathaus der Stadt Lviv Gleichgesinnte von Stepan Bandera ein - dem Anführer der OUN-UPA.
Es kamen Jaroslav Stezko, Iwan Ravlik - der im Namen des Kommandeurs der „Nachtigall“ Roman Schuchewitsch anwesend war, der Kommandeur Iwan Grinjoch und viele andere. Dem Treffen gingen einige Hinterzimmergespräche voraus, bei denen sie bereits versucht hatten, die Macht unter sich aufzuteilen. Sie waren sich ganz sicher, dass die deutschen Befehlshaber der Postenvergabe in der „Unabhängigen Ukraine“ nicht im Wege stehen würden. Diese Sicherheit basierte auf ihren hervorragenden Beziehungen zur deutschen Abwehr. Nach Angaben aus verschiedenen Quellen, hatten fast alle Anführer der ukrainischen Nationalisten Offiziersposten bei der Abwehr inne.
Der Hauptbefehlshaber der UPA, Roman Schuchewitsch - Hauptmann, Hauptsturmführer der SS. Mitglied des Hauptstabs der UPA , Iwan Grinjoch - Hauptmann. Leiter des Sicherheitsdienstes der UPA , Nikolaj Lebed - Leutnant der Abwehr usw.
Später wird sich allerdings heraus stellen, dass man bei der deutschen Führung nicht besonders begeistert von so viel Eigenmächtigkeit Stepan Banderas war - schließlich sollte Niemand außer den Machthabern des Dritten Reichs Ansprüche auf die Ukraine erheben. Aber zu diesem Zeitpunkt interessierten die Anführer der OUN-UPA nur die Macht- und Postvergabe.
Aus den von der CIA freigegebenen Dokumenten wird klar, dass sie sich nicht davor scheuten sich in innerparteilichen Streitereien die Hände schmutzig zu machen. Die gegenseitige Denunziation stand bei ihnen hoch im Kurs.
Bei ihrer Versammlung im Rathaus nahmen die Teilnehmer den „Akt der Ausrufung des Ukrainischen Staates“ an.
Die Nationalistische Zeitung „Zboriwski Wisti“ druckte am 31 Juli den vollen Text des Aktes ab. Besonders interessant ist der Punkt drei, dort heisst es wortgenau:
„Der neugegründete Ukrainische Staat wird eng mit dem Nationalsozialistischen Großen Deutschland zusammen arbeiten, dessen Führer Adolf Hitler gerade eine neue Ordnung in Europa und der Welt erschafft und dem ukrainischen Volke dabei hilft, sich von der Moskauer Besatzung zu befreien.“
Viele heutige ukrainische Experten und Historiker versuchen dieses Thema so weit wie es nur geht zu umschiffen. Sie stellen OUN, UPA, Stepan Bandera als Kämpfer gegen Moskau dar und vergessen dabei den Treueschwur an den Führer und die Morde an den Juden.
Man sollte noch anmerken, dass sich die Kollaborateure - um ihrer Versammlung eine gewisse Legitimität zu verleihen - die Unterstützung der ukrainischen Kirche eingeholt haben. Der zukünftige Leiter der „neuen Ukraine“ Jaroslav Stezko besuchte am Vortag der Versammlung den Metropoliten Scheptizkij, der der OUN einen Segen „für alles“ gab.
Generaloberst Franz Halder - an den Führer
Am 10 Juli 1941, also zehn Tage nach der Bekanntgabe des Aktes, schrieb der Befehlshaber des Generalstabs, der Generaloberst Franz Halder in sein Notizbuch: „Den Führer informieren - Unabhängigkeit der Westukraine“.
Einerseits war die Reichsleitung mit der Schaffung einer Fünften Kolonne zufrieden. Andererseits, gehörte die volle ukrainische Unabhängigkeit nicht zu den Plänen der Reichskommandeure. Halder schreibt weiter: „Künftiges Staatenbild: Nordrußland gehört zu Finnland. Protektorate Ostseeländer, Ukraine, Weißrußland.“ Unabhängigkeit? Aber nein, ein Protektorat! Kein Wort über eine unabhängige Ukraine: „..Die neuen Staaten müssen sozialistische Staaten sein, aber ohne eigene Intelligenz. Es muß verhindert werden, daß eine neue Intelligenz sich bildet. Hier genügt eine primitive sozialistische Intelligenz“.
Ein Protektorat ohne eigene Intelligenz und primitiver Sozialismus! Das war in etwa die Zukunft, die der Ukraine blühte und mit dieser Zukunft erklärten sich die zufrieden gestellten Anführer der OUN-UPA schweigend einverstanden und schworen auch noch Hitler die Treue.
Ehemalige Schläger sind die neuen Helden
Im Jahr 2010 unterschrieb der damalige Präsident der Ukraine Viktor Juschtschenko einen Erlass, mit dem Stepan Bandera - seit 1940 Anführer der OUN - posthum der Titel eines Helden der Ukraine verliehen wurde.
2015 erklärte der ukrainische Präsident Petro Poroschenko per Erlass, dass die ukrainischen Nationalisten der OUN-UPA nur für die Unabhängigkeit gekämpft hätten. Die Pogrome und Menschenjagden erwähnte er nicht. Jeder, der über ihre Verbrechen spricht, wird strafrechtlich verfolgt.
Das erste Denkmal für Stepan Bandera, der die ukrainischen Nationalisten über Jahre angeführt hat, wurde ausgerechnet in Lviv aufgestellt. Genau dort wo im Juli 1941 der Akt über die Unabhängigkeit der Ukraine unterzeichnet wurde. In den drei Pogrom-Tagen, die am Tag der Versammlung der Nationalisten in Lviv begonnen hatten, wurden nach verschiedenen Angaben zwischen vier und sieben tausend Juden der Stadt bestialisch ermordet.
Fortsetzung folgt.
Quelle :
- scisne.net/a-1331
- Jacobsen, Hans-Adolf, Der Weg zur Teilung der Welt, Koblenz/Bonn, 1977, S.108f
- www.ns-archiv.de/krieg/1941/halder-tagebuch.php
- Організація Українських Націоналістів - Газета "Зборівські вісті", 31 липня 1941 року <link https: commons.wikimedia.org w>commons.wikimedia.org/w/index.php
- <link http: www.lviv4you.com ru>www.lviv4you.com/ru/досуг-во-львове/архив/657-акт-востановления-украинского-государства-30-июня-1941-г-во-львове.html
- <link http: www.lechaim.ru arhiv roman.htm>www.lechaim.ru/ARHIV/191/roman.htm
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