Roland R. Ropers, Kolumnist WORLD ECONOMY , Sprach- & Kulturphilosoph, Begründer der ETYMOSOPHIE
In Erinnerung bleiben sein unermüdlicher Kampf um Abrüstung und das engagierte Festhalten am Vitamin C als Allheilmittel. Seine wissenschaftliche Akribie ging so weit, dass sie am Ende seines Lebens sogar zum Bruch mit Freunden und Kollegen führte. Denn Linus Pauling begann mit 65 Jahren, sich plötzlich noch intensiv mit Vitaminen zu beschäftigen. Er wollte nicht mehr von der Vorstellung lassen, Vitamine sollten in hohen Dosen eingenommen werden, dann würden sie gegen Krankheiten schützen. 
Um seine Theorie zu stützen, nahm er selbst eine Zeitlang täglich 18 Gramm Vitamin C ein, das 300-fache der von der US-Gesundheitsbehörde empfoh- lenen Menge. Er meinte, damit so gut wie alle Krankheiten von Krebs über Grippe bis hin zu Schizophrenie und Schnupfen heilen zu können. Nachdem er diese umstrittene und heute längst widerlegte Theorie 1970 in einem Buch veröffentlichte, waren die Vitamin-Präparate in vielen Apotheken ein Verkaufsrenner.
In den 1930er-Jahren schrieb Pauling Aufsätze über die Struktur von chemischen Bindungen, die 1939 in seinem berühmten Buch "Die Natur der chemischen Bindung" (Originaltitel: "The Nature of the Chemical Bond") veröffentlicht wurden. Vor allem für seine Arbeiten über die atomaren Bindungskräfte in Eiweißmolekülen erhielt er 1954 den Nobelpreis für Chemie.
Es war das erste Mal, dass er wieder ins Ausland reisen durfte, nachdem die US-Regierung ihm rund zwei Jahre vorher ein Visum für London verweigert hatte. Der Grund dafür war ein Engagement Paulings, das ihm heute große Anerkennung bringt.
Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 machten aus dem bislang unpolitischen Chemiker einen leidenschaftlichen Pazifisten und Kämpfer für den Frieden.
1958 übergaben Pauling und seine Frau Ava Helen Miller (1903 – 1981) der US-Regierung eine Petition der Vereinten Nationen, die von mehr als 11.000 Wissenschaftlern unterzeichnet wurde und ein Ende der Atomtests verlangte. Kurz darauf erschien sein Buch "No More War", das zum Bestseller wurde. Der darauf folgende öffentliche Druck führte zu einem Moratorium und einem Testverbot, das John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow im Juni 1963 in Wien unterschrieben.
Das Wiener Moratorium trat am 10. Dezember 1963 in Kraft – an jenem Tag wurde Linus Pauling in Oslo mit einem Jahr Verspätung offiziell der Friedensnobelpreis überreicht.
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