Selahattin Demirtas ist einer der wenigen, die sich trauen ihre Meinung frei zu äußern und den türkischen Präsidenten offen zu kritisieren. Unzufriedenheit rief bei der türkischen Regierung auch hervor, dass Demirtas nach Moskau gefahren ist und ein Gespräch mit Sergey Lavrov geführt hat.
Eine ganze Reihe kurdischer Quellen berichtete, dass diese Reise schon für den Oktober geplant war, aber verschoben wurde, weil der russische Außenminister zu dem Zeitpunkt nicht persönlich mit Demirtas sprechen konnte. Am 23. Dezember fand das Treffen nun in Moskau statt und wurde zum point of no return für den Beginn eines neuen geopolitischen Prozesses. Moskau knüpfte direkte Kontakte zu dem Anführer der syrischen Kurden, Lavrov bestätigte sogar, dass Moskau nicht nur den syrischen und irakischen Regierungen Hilfe leistet, sondern auch „mittels einer Absprache mit Bagdad auch den irakischen Kurden“.
Das kann Erdogan, der sich wegen dem abgeschossenen russischen Flugzeug in einem Epizentrum eines Konflikts mit Moskau befindet, unmöglich kalt lassen und er betrachtet die Russlandreise von Demirtas als eine persönliche Beleidigung. Der türkische Präsident scheint zu vergessen, dass die Verfolgung Andersdenkender nicht mit den in Europa geltenden westlichen Werten zu vereinbaren ist.
Während aber in Europa vor den Menschenrechtsverletzungen in der Türkei die Augen verschlossen werden, nahm die türkische Justiz Ermittlungen gegen den Politiker Demirtas auf. Im Fall eines „Erfolges“, könnte der Vorsitzende der Partei HDP für die gesamte Regierungszeit Erdogans hinter Gittern landen.
