Unter Präsident Reagan verkaufte die USA an den Iran Waffen. Die Erlöse wurden verwendet, um in Nicaragua die Contras, also Guerillas gegen die dortige linksgerichtete Regierung, zu unterstützen. Diese Aktion wurde durchgeführt, obwohl die USA dem Iran verfeindet war. Der Iran brauchte die Waffen in seinem damaligen Krieg gegen den Irak. In diesem Krieg unterstützen die USA aber den Irak unter seinem damaligen Diktator Saddam Hussein.
Von Dr. Menno Aden
Wenige Jahre später wurde dieser von den USA in den Kuwaitkrieg gelockt und dann unter der erlogenen Behauptung, er stelle Massenvernichtungswaffen her, zum Hauptfeind von Demokratie und Völkerrecht ausgeschrieen. Mit Duldung des CIA hatten die Contras zur Geldbeschaffung auch mehrere Tonnen Kokain in die USA exportiert. All das war, wie niemand bestreitet, illegal. Präsident Reagen und Vizepräsident Busch (Vater) konnten sich aber an nichts erinnern. Die Akteure wurden von US- Gerichten verurteilt - aber kaum verurteilt, auch schon begnadigt ( Q: Wikipedia Mai 2018: Iran – Contra Affäre) .
Wiedergewinnung der iranischen Souveränität
Am 1. Mai 1975 hatten die USA unter schmählichen Umständen den Vietnamkrieg verloren. Der Koreakrieg war schon 20 Jahre zuvor verloren gegangen. Die am 1. April 1979 proklamierte Islamische Republik Iran beendete die vermittels des Schahs ausgeübte amerikanische Fremdherrschaft im Iran. Das war nun der dritte und strategisch schwerste Verlust, den die USA in Asien hinnehmen mussten. Er dürfte in Washington keine freundlichen Gefühle ausgelöst haben. In einem weiteren Sinne bedeutete diese Proklamation aber auch die Wiedergewinnung der Iranischen Souveränität nach fast 1500 Jahren Fremdbestimmung.
Europäischer Aspekt
Man kann sich dann vorstellen, welches Maß an ohnmächtiger Wut und Hass sich im Iran, wie allerdings im ganzen Nahen Osten, gegen die USA aufgebaut hat. Für uns Europäer, die wir zwar auch zunehmend auf Distanz zur USA gehen, aber als Teil des so genannten Westens Gefahr laufen, mit diesen in einen Topf geworfen und denselben Hassgfühlen ausgesetzt zu werden, ist es sinnvoll, einmal außerhalb der von Trump angezettelten Kriegsdiskussion den Iran, seine Gesschichte und seine Kultur zu betrachten. Als die USA gegründet wurden, konnte Persien immerhin auf eine zum Teil sehr ruhmvolle Geschichte von fast 3000 Jahren zurückblicken.Perseien war schon eine Hochkultur, als es nicht einmal Rom, geschweige denn das Abendland gab. Perser/Iraner gehören aber irgendwie zu unserer Geschichte, nicht nur weil sie als Indogermanen zu derselben Sprachfamilie gehören wie wir .

Persische Geschichte im Zeitraffer
Hauptquelle der frühen Geschichte Persiens ist immer noch Herodot ( um 450 v. Chr.). Dieser beschrieb das von ihm bewunderte Großreich, das sich zu seiner Zeit vom Bosporus bis zum Indus erstreckte. Dieses erste Großreich im modernen Sinne wurde zum Vorbild aller künftigen Großreiche. Seine Verwaltung war vorbildlich, die Post mit festen gut abgemessenen Relaisstationen war erheblich verlässlicher als unsere Post im Mittelalter. Das (erste) Perserreich ging mit der Schlacht bei Issos (333 v. Chr.) in die Hände Alexanders d. Großen über. Dessen Reich zerfiel mit seinem Tode in die Diadochen- Staaten. Der Osten mit dem Iran fiel an die Seleukiden. Das Seleukidenreich an der Mittelmeerküste (Syrien, Palästina) wurde bald Beute der Römer. Im Osten aber erneuerte sich das iranische Volk zum Reich der Parther ( 250 v. – 225 n. Chr.). Die Parther wurden im Osten für Rom so gefährlich wie die Germanen im Westen. Aus diesem entstand das ( zweite ) persische Großreich, das der Sassaniden. Unter Chosrau II (reg. 590- 628) , also etwas vor unserem Reich Karls des Großen, erlebte Persien eine kulturelle Hochblüte, welche weit in den islamischen Raum ausstrahlte. Ab 650 wurde der Iran Beute der Araber und des Islam. Die auf Zarathustra zurückgeführte iranische Religion (Avesta), aber auch die weit verbreiteten christlichen Gemeinden (Nestorianer ) wurden vernichtet oder aufgesogen; die kümmerlichen Reste werden heute vor unseren Augen zerstört.
Damit war Persien unter eine Fremdherrschaft geraten , die genau genommen erst mit der Proklamation vom 1. April 1979 endete. Arabische, türkische, mongolische und afghanische Dynastien lösten einander in wechselnden Herrschaftsbereichen ab. 1722 eroberte Russland, Peter d. Große, Baku und den Rand des Kaspischen Meeres. Ab 1850, nach der endgültigen Unterwerfung des indischen Subkontinents (1830) wurde Persien auch im Osten bedrängt. Die aus Indien vorstoßenden Briten wollten Persien nicht in russische Hände fallen lassen. Bei nomineller Selbständigkeit, wurde Persien faktisch ein britisch- russisches Protektorat. In der Geschichte läuft das unter dem Namen Great Game. Dieses Doppelprotektorat ging nach dem 2. Weltkrieg in ein faktisches Protektorat der USA über, das letztlich zu den heutigen Verwerfungen führte. 2003 schrieb Die Zeit: Die Amerikaner errichteten im Iran das Paradebeispiel eines korrupten und brutalen Marionettenregimes (Q: Wikipedia Iran – Geschichte). 1979 wurde der Iran nach fast 1500 Jahren wieder souverän.
Unser iranisches Erbe. Monotheismus
Wir Europäer und damit auch die Amerikaner haben von den Iranern die wesentlichen Elemente unserer christliche Religion geerbt. Der Monotheismus ist keine jüdische Entdeckung. Jede größere Stadt hatte einen eigenen Gott. Der jüdische Jahwe war einer davon. Der Monotheismus war als solcher überhaupt keine Sache, an der Israel ein besonderes Interesse genommen hätte … Die reichlich vorkommenden Belege, die sehr unbefangen von der Existenz anderer Götter reden, reichen bis in die Königszeit. Die Existenz vieler Götter war den Juden selbstverständlich, vgl. 2. Mose 15,11; 5. Mose 32,17 und oft. Die Hoheit Jahwes zeigt sich gerade darin, dass er anderen Göttern, die dann ja doch existent sein mussten, überlegen war. Psalm 95,2: Der Herr ist ein großer König über alle Götter. Auch das 1. Gebot gibt eigentlich nur einen Sinn, wenn die Existenz anderer Götter, die man neben Jahwe haben könnte, an sich anerkannt wird. Der Monotheismus ist im Iran entstanden und hat während des Exils der Juden auf deren Glauben ausgestrahlt. Erst Deutero-Jesaja (um 550 v. Chr.) findet Worte, die einen dezidierten Monotheismus aufweisen. In dieser Tradition stehen Jesus von Nazareth und seine Zeit.
Auf die oft diskutierte Frage, wann Zarathustra lebte und ob dieser überhaupt eine historische Person war, kommt es nicht an. Zarathustra ist, ähnlich wie Jesus oder Mohammed, vermutlich nur ein Name, zwar mit einen historischen Kern, um den sich aber wie bei diesen so viele Schichten mythischer Erzählungen gelegt haben, dass es nicht mehr möglich ist, belastbare historische Tatsachen herauszuschälen. Unstreitig ist nur, dass man um 600 v. Chr. im Iran an einen Gott glaubte, der zum Vorbild des jüdischen , dann christlichen und damit auch des slamischen Gottes wurde. In dieser Zeit befand sich die jüdische Elite im sogenannten Exil, in der Babylonischen Gefangenschaft, in welche die siegreichen Assyrer das jüdische Vok zersprengt hatten. Hier kamen die jüdischen Eliten mit einer Religion in Kontakt, die über Deuterojesaja die nachexilische Religion des Judentums prägte.
Die persische Religion, wer oder was sie auch gestiftet haben mag, hat mit der christlichen alle wesentlichen Elemente gemeinsam. Der iranische Gott liebt das Gerechte und Gute, weil es gerecht und gut ist. An formaler Gesetzestreue hat er keine Freude. Er schaut nur auf das Herz. Kern beider Religionen ist das nahe bevorstehenden Weltgericht. In diesem müssen die Menschen sich verantworten, aber ein von Gott gesandter Paraklet wird die Seinen als Anwalt verteidigen. Die Guten kommen in das Paradies (ein persisches Wort) die Bösen an einen Ort ewigen Leides, und für diejenigen, bei denen sich gute und böse Taten die Waage halten, ist ein Zwischenreich, ein Fegefeuer, vorbereitet.
Die Offenbarung des Neuen Testaments als iranisches Erbe
Die Apokalypse will offenbar zeigen: Was die neupersische Mithras-Religion, die etwa 100 n. Chr zur bedrohlichen Konkurrenz des jungen Christentums wurde, lehrt, das gilt für uns Christen schon lange. Es besteht also kein Grund, sich vom Christus loszusagen und dieser zu folgen. Alle Elemente der persischen Religion finden sich in der Offenbarung. Hauptthema der persischen Religion ist der Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gott und Satan. Wenige nur bleiben standhaft. Nur 12mal 12tausend werden gerettet und versammeln sich um das wahre Lamm auf dem Berge Zion, 14,1. Vor diesen Erwählten, 14,4, spielt sich jetzt das Drama der Endzeit ab. Christus ist der Held, der als weißer Ritter mit einer mythischen Schar von Gefolgsleuten auf weißen Pferden, den apokalyptischen Reitern, 19,11, den Antichrist besiegt, 19,21.
Unser iranisches religiöses Erbe müsste ausreichen, mit dem Iran und seiner uralten Kultur behutsamer umgehen, als es geschieht. Dem heutigen Mullah- System Im Iran muss man aus europäischer Sicht zwar eine Reihe von Vorhaltungen machen. In einer gesamtgeschichtlichen Sicht allerdings ist es sehr verständlich, wenn der Iran nach einer langen von Fremden dominierten Geschichte nach seiner Stellung in der Welt sucht unddabei Fehler begeht. Die USA mit ihren zahlreichen Kriegen, insbesondere dem blutigen Sezessionskrieg, haben wenig Grund, dem Iran derlei vorzuhalten.
Fehlentwicklungen sollten wir nicht hinnehmen, sie aber erst recht nicht provozieren. Verständnis und Beratung wären wohl angebrachter, als mit Drohungen und Embargos die Entwicklung des Iran zum modernen Staat zu behindern.
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