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The Day the Fish Came Out

In meiner Jugendzeit gab es einen stylischen und sehr markanten amerikanischen Film „The Day the Fish Came Out“. Es ging darum, dass im Vorfeld kommender globaler Erschütterungen und Veränderungen Fische aus den Tiefen der Gewässer an die Oberfläche kamen. Vor großen Erschütterungen kommt grundsätzlich immer etwas an die Oberfläche. Inzwischen weiß ich genau, dass, zum Beispiel, in den letzten 50 Jahren bei allen großen geopolitischen Erschütterungen meine beiden Politologen-Kollegen Henry Kissinger und Zbigniew Brzeziński aufgetaucht sind. Ich kenne beide persönlich. Den letzteren jedoch etwas besser. Sein Sohn Ian schrieb bei mir seine Doktorarbeit. Darüber hinaus war ich für die Organisation seines Alltags verantwortlich und traf dabei natürlich auf seinen Vater. Ian war ein gescheiter Doktorand und ein gut erzogener junger Mann.

Ich lehrte ihn behutsam mit Fakten umzugehen (Amerikaner pflegen für Gewöhnlich das Denken, dass sie sturer sind als jegliche Fakten). Und er lehrte mich schonend mit ihm selbst umzugehen. Als ich ihn beispielsweise mal gebeten habe ein Paar Kopien zu machen, entgegengehe er, dass Sekretärinnen für das Kopieren zuständig seien, die Doktoranden dagegen für das Schreiben. Und schon damals, Anfang der 90er habe ich verstanden, worin die Größe Amerikas besteht: sie haben die Kreativität für sich selbst reserviert, während die anderen für das Kopieren zuständig sind. 

Prof. Dr. Dmitry Vydrin. Politologe, Philosoph

Mehr noch als ich von Ian gelernt habe, lernte ich bei persönlichen Treffen mit seinem berühmten Vater. Die wichtigste Lehre: Experten von Format flirren nicht die ganze Zeit auf der Oberfläche herum, sie kommen nur gelegentlich aus der Tiefe an die Oberfläche und das auch nur zu ausschließlich grandiosen Anlässen. Ja, Zbig flackerte nicht die ganze Zeit über den Bildschirm, wie das bei den heutigen Experten üblich ist. Aber, wenn er auftauchte, dann wussten alle - es wird etwas Großes passieren. Und es passierte: Ein- und Ausmarsch der Sowjets in Afghanistan, die Perestroika, der Zerfall der UDSSR, der Verfall des liberalen Russlands. 

Eine Zeitlang habe ich gedacht, dass er hinter der Technologie dieser Prozesse steht (er denkt das immer noch). Und dann habe ich verstanden, dass er, wie sein Alter Ego Kissinger, einfach mit der Gabe gesegnet ist, große Erschütterungen schon im Vorfeld zu spüren. Wie Katzen in der Lage sind Erdbeben zu erahnen - sie hervorrufen können sie jedoch nicht. Das soll jedoch weder die Fähigkeiten der Katzen noch der genannten Politologen schmälern. Ich begann nach den Ursprüngen dieser Gabe zu suchen. Ehrlich gesagt - bis auf den Grund konnte ich die Tiefe nicht durchdringen, obwohl ich einige wichtige Signale empfangen habe. So weiß, zum Beispiel, niemand so genau wo Zbig geboren wurde. Nach der einen Version in Warschau, nach einer anderen in Charkiw. Auch die offensichtlichen und die verdeckten Antipathien meines Idols waren interessant. Ich hatte damals das Gefühl, dass er in seinem inneren Deutschland nicht besonders gern hat, aber Russland offensichtlich hasst. Und ich habe mir gemerkt: verstecke deine Antipathie vor den Reichen, zeige sie deutlich den Armen. Auch seine Fähigkeit momentane Niederlagen zu verkraften, war beeindruckend. In einer Nacht waren wir in einer ehemaligen Parteischule unterwegs. Im Foyer stand ein Denkmal für den inzwischen nieder gerungenen Anführer der Weltweiten Revolution. Zbig kam plötzlich auf die Idee, sich auf dem Podium fotografieren zu lassen. „So gesehen, habe ich ihn zu Fall gebracht“,- sagte er leise, schaffte es aber nicht auf den Sockel zu klettern. Augenscheinlich gibt es Sockel, die unsere Ambitionen übersteigen. Er ließ sich davon nicht aus der Fassung bringen und schrieb stattdessen „Das große Schachbrett“. Damals habe ich verstanden, dass man selbst kleine Niederlagen in große Siege umwandeln können muss.

Zu der Zeit prägte der große Politologe auch seinen berühmten Ausspruch: „Ohne die Ukraine kann Russland niemals ein Imperium werden“.

Ich habe viele Jahre lang versucht diesen Satz zu entziffern, aber seine sakrale Bedeutung wird mir erst jetzt nach und nach klar. Für gewöhnlich wird er so gedeutet: Russland muss sich die Ukraine einverleiben, denn ohne ihre Reichtümer, ohne ihr Territorium, kann Russland kein vollwertiges Imperium sein. Nach dem der Große Zbig kürzlich bei der Nobelpreisverleihung „aufgetaucht“ ist, sieht es etwas anders aus. Zum einen stellte sich heraus, dass er das Wort „Imperium“ eher positiv als negativ besetzt. Und zum anderen, früher hat er nur die USA für ein vollwertiges Imperium gehalten. 

Ein vollwertiges Imperium muss nach seiner Auffassung zu folgenden Dingen in der Lage sein:Keine Konsolidierung der Vasallen gegen sich selbst zulassen. In der Lage sein, sie immer wieder davon zu überzeugen, dass sie ohne seine Schutzmacht in Gefahr wären

  1. Dafür zu sorgen, dass die eigenen Feinde untereinander stets zerstritten bleiben. Beherrscht man diese Künste, muss man auch niemanden mehr besiegen. Alle werden auch so darum betteln unter die Imperial-Fittiche schlüpfen zu dürfen. Früher waren nur die USA zu so etwas in der Lage. Aus dieser Sicht, kann der Satz über die nicht-Imperialität Russlands ohne die Ukraine anders gedeutet werden. Dann ist die Ukraine kein Objekt der Einverleibung, sondern eine Art Qualitätscheck - sie wollte nicht unter die russischen Fittiche schlüpfen, dass heißt, dass es dem Russischen Imperium an etwas fehlt. Und plötzlich, ein „Auftauchen“! Er verkündet, dass nur drei Staaten, dem Sinn nach drei Imperien, zusammen die Welt verbessern könnten: die USA, Russland und China. Um es gerade aus zu sagen: für die USA bedeutet das den Traum von dem Monopol auf die Weltführung aufgeben zu müssen. Für China - die Erfüllung eines Traums, über den sie noch nichtmal gesprochen hat. 

Für Russland - das, wovon es immer wieder gesprochen, aber nie zu träumen gewagt hat. Spürt der Große Zbig bereits die Erschütterungen der kommenden Umbrüche? 

Quellen:

<link https: youtu.be zqns3viysfi>youtu.be/zqns3ViYsfI САММАРИ The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geostrategic Imperatives

<link https: youtu.be yjfipebpw-s>youtu.be/yJFIpebpW-s

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