Dass Terroristen „Meister der Geldbeschaffung“ sind, wusste schon Peter Scholl-Latour zu berichten. Dabei können sie sich einer ganzen Bandbreite von „Einkommensquellen“ bedienen: Schmuggel, Drogenhandel, Entführungen, Erpressungen und Schutzgeldzahlungen gehören dabei zu den klassischen Methoden. Im Fall ideologischer Terrorgruppen wird dies gewöhnlich durch Spenden eines ideologisch ähnlichen Unterstützerumfelds ergänzt. Dies gilt beileibe nicht nur für islamistische Gruppen – auch Staaten können hier zu den Unterstützern zählen. In diesem Zusammenhang sei an die Iran-Contra-Affäre der 1980er Jahre erinnert. 
Dr. Gabriel Burho, Politologe, Autor bei World Economy
Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Journalist
Der Islamische Staat hat durch seine Fähigkeit territoriale Kontrolle auszuüben noch die Möglichkeiten des Antiquitätenraubs und des lukrativen Erdölgeschäftes dazu gewonnen. Darüber hinaus handelt es sich beim Islamischen Staat um eine Beuteökonomie – in weiten Teilen vergleichbar mit dem entstehenden islamischen Imperium im 7. Jahrhundert – welches in erster Linie von Eroberungen und Raubzügen lebt und sich nach innen, gegenüber seinen Anhängern, als perfekter Wohlfahrtsstaat generiert. Gerade die Kontrolle über bzw. die Gefährdung von Förderstätten jeglicher Bodenschätze führt dazu, dass auch Unternehmen, die ihr Geschäft bedroht sehen, bereit sein können ihr Geschäft durch Schutzgeldzahlungen zu sichern.Es wäre ein großer Fehler zu denken, dass der kürzlich bekannt gewordene Skandal um die Firma „Lafarge“, die dem IS Schutzgelder bezahlt hat, ein Einzelfall sei. Es ist eher ein Anlass darüber nachzudenken, wie der IS und andere terroristische Organisationen Millionen, wenn nicht gar Milliarden an Summen für den eigenen Unterhalt zusammen bekommen.
Es geht dabei schließlich nicht um Staaten mit klar gezeichneten geographischen Grenzen und mit einer als Bürger definierten Bevölkerung. Der IS - ist eine Art amorphe, zerfließende Materie, basierend auf einem strengen islamistischen Fundamentalismus, er besitzt weder geographische noch wirtschaftliche Grenzen.Allerdings hat diese Organisation, die sich selbst als Staat versteht, durchaus Territorien inne, selbst wenn diese nur temporär erobert wurden. Auch gibt es eine vertikale Machtstruktur, ein Staatsetat, ausführende, überwachende und wirtschaftliche Organe, eine Armee, Polizei usw. Die Erpressung von Schutzgeld kann so den gefälligeren Namen „Steuern“ erhalten.
Wie bereits Eingangs erwähnt sind staatliche oder pseudostaatliche Strukturen mitnichten eine Notwendigkeit einer sicheren Terrorfinanzierung. Auch die Vorgängerin und heutige Hauptkonkurrentin des IS – obwohl lediglich ein Netzwerk und mit weit in die Zukunft verschobenen Absichten das Kalifat wieder zu errichten – hatte nie Probleme mit ihrem Budget. Und dies lag nicht an der Legende des Terrorfinaziers bin Laden. Die ganzen Ammenmärchen um den sagenhaft reichen bin Laden, der die Idee eines fundamentalen Islams auf eigene Kosten voranbrachte, sind in keiner Zeitung mehr zu finden.
Osama bin Laden schuf eine ganze Armee von Anhängern, nach verschiedenen Schätzungen, von etwa drei bis zu achttausend Mann stark. Die USA verbreiteten oft und gerne, dass er alle Ausgaben dafür aus der eigenen Tasche bezahlt hat. Als erster hat Frank J. Cilluffo, einer der Leiter des Zentrums für strategische und internationale Studien auf der George Washington University, diese Version verbreitet. Er sagte: „Ich sehe bin Laden als den Hauptsponsor einer breiten Koalition von Radikalen. Das ist keine monolithische, hierarchisch aufgebaute Organisation, aber er hält die ganzen Splittergruppen durch Geld, Ausbildung und Unterstützung zusammen.“
Weiter rechnete der Experte vor, bin Laden würde dafür seine Erbschaft (etwa 42 Mio. Pfund) verwenden, ebenso wie den Erlös aus dem Heroinhandel in Afghanistan. Diese These hält indes einer sachlichen Überprüfung nicht stand. Selbst wenn man davon ausginge, dass er seinen Kämpfern 50 Dollar pro Monat bezahlt hat, wäre die Erbschaft in spätestens zwei-drei Jahren aufgebraucht. Aber das Netzwerk wuchs unaufhaltsam weiter und besteht auch nach seinem Tod weiter fort – auch wenn die irakische Splittergruppe, der heutige IS, inzwischen deutlich erfolgreicher ist – sowohl medial als auch was die Einnahmen angeht.
Heute ist bekannt, dass die USA und Saudi Arabien im Kontext des afghanisch-sowjetischen Krieges Milliarden zur Unterstützung sunnitisch-islamistischer Widerstandsgruppen aufbrachten. Hierzu gibt das Buch bzw. der Film „Der Krieg des Charlie Wilson“ einen schönen Überblick. Noch kürzer und eindringlicher zeigt es auch die ZDF Sendung „Die Anstalt“ am 23.09.2014. „Uthoff [als USA]: Radikale Islamisten aufrüsten. Super! Aber Moment, bekämpfe ich die im Iran nicht als das Böse? Von Wagner: „Ja, aber gegen die SEHR bösen Russen... Uthoff: ... sind die WENIGER böse!“
Die Mähr vom alleiniger Terrorfinazier bin Laden erfüllte indes einen Zweck: Osama bin Laden bei vielen Muslimen zu einer Art modernem Robin Hood zu machen, der aus dem golden Palast seiner Familie in die Höhlen des Hindukush zieht, sein privates Vermögen opfert und das Unrecht bekämpft. Damit ist er zudem ein schönes Vorbild für das globale Unterstützerumfeld, welches seine Spenden auf Koran Sure 2, Vers 195 stützt: “Und spendet (für den Krieg) um Gottes willen! Und stürzt euch nicht ins Verderben! Und seid rechtschaffen! Gott liebt die Rechtschaffenen”. 
Die Zahlen über den Sold der IS-Kämpfer heute gehen auseinander. Nachstehende Zahlen sind konservative Schätzungen: 2,5 Dollar für die Verpflegung pro Tag und 40 Dollar für persönliche Ausgaben pro Monat. Darüber hinaus, erhält jeder, der ein eigenes Auto besitzt, zusätzliches Geld für die Anschaffung von 35 Liter Benzin. Hat der Kämpfer eine Ehefrau - kommen 50 Dollar dazu, ein minderjähriges Kind - 35 Dollar pro Monat. Als ISIS noch erfolgreich auf dem Vormarsch war, irakische Banken plündern und bei vertriebenen und getöteten Minderheiten Beute machen konnte, war der Sold sogar (angeblich) höher als bei den Soldaten das irakischen Armee. Zudem waren Kindergärten, Schulen, Universitäten und medizinische Versorgung für die Bürger des Kalifats kostenlos. Mit dem militärischen Niedergang sind allerdings auch die wohlfahrtsstaatlichen Elemente weggefallen und entsprechend groß ist der Unmut unter den „Bürgen“ und Kämpfern.
Woher kommt also das Geld?
Zunächst kamen die Einnahmen aus illegalem Verkauf von Rohöl. Nach den Zählungen von Foreign Policy fördert der IS ca. 44 Tausend Barrel in Syrien und vier Tausend im Irak. Sie werden an verschiedene Transporteure für etwa 20-35 Dollar pro Barrel verkauft.

(Even with those fields operating below capacity due to a lack of technology and personnel, ISIS is estimated to be producing about 44,000 barrels a day in Syria and 4,000 barrels a day in Iraq. ISIS sells crude at a discount (around $20–$35 per barrel) to either truckers or middlemen. <link http: www.foreignaffairs.com articles louise-shelley blood-money>www.foreignaffairs.com/articles/142403/louise-shelley/blood-money).
Am Akashat-Vorkommen werden fast 3,5 Mio Tonnen Phosphate gefördert. Eine Tonne bringt ca. 50 Dollar. Die Kämpfer haben nicht nur die Förderung von Mineralen „zum Laufen“ gebracht, sondern betreiben damit auch aktiven Handel. Die Betriebe zur Herstellung von Schwefel- und Phosphorsäure arbeiten weiterhin und in Raqqa läuft eine große Zementfabrik, die 1,5 Mio Tonnen Zement pro Jahr produziert. Und hier kommt auch Lafarge ins Spiel. Die Firmenleitung bezahlte den IS dafür, dass dieser einen ununterbrochenen Betrieb in den Lafarge-Fabriken sicher stellt. Es soll auch eine Verbindung zwischen dieser Firma und der Ex-Präsidentschaftskandidatin Clinton geben. Wie aus einer Reihe von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten klar wurde, erhielt die Clinton-Stiftung von Lafarge Spenden in Höhe von 100.000 Dollar. 
(<link https: de.news-front.info wikileaks-enthullt-die-beziehungen-zwischen-hillary-clinton-und-isis-forderer-von-christian-lehmann>de.news-front.info/2016/08/02/wikileaks-enthullt-die-beziehungen-zwischen-hillary-clinton-und-isis-forderer-von-christian-lehmann/)
Hillary Clinton bestreit dies zwar, aber die Presse greift das Thema immer wieder gerne auf: „Hillary Clinton financée par la cimenterie Lafarge qui travaillait avec l’Etat Islamique : une bombe dans la campagne présidentielle américaine?“ l(<link http: www.medias-presse.info hillary-clinton-financee-par-la-cimenterie-lafarge-qui-travaillait-avec-letat-islamique-une-bombe-dans-la-campagne-presidentielle-americaine>www.medias-presse.info/hillary-clinton-financee-par-la-cimenterie-lafarge-qui-travaillait-avec-letat-islamique-une-bombe-dans-la-campagne-presidentielle-americaine/59109/ )
Den größten Einnahmentopf bilden aber immer noch die Spenden aus dem globalen Unterstützerumfeld und vor allem aus den reichen Ölmonarchien. Hier hatte der Islamische Staat als erfolgreichstes dschihadistisches Projekt in den letzten Jahren die Nase beim Rennen um die Spenden der Geber vorn. Jetzt, in Zeiten des Niedergangs mag sich das ändern. Sicherer wird die Welt dadurch nicht – im Gegenteil. Im Kontext der palästinensischen Kampfgruppen der 1970er und 1980er Jahre wurde die sogenannte „outbiding“ These entwickelt. Auf der Suche nach Anhängern und Finanziers mussten sich die vielen Gruppen und Splitterorganisationen immer wieder etwas neues einfallen lassen, um sich von ihren „Mitbewerbern“ abzusetzen. Hatte die ein Gruppe einen jungen islamischen Theologen als Selbstmordattentäter gewinnen können, brachte die nächste Gruppe eine Schülerin. Eine weitere Gruppe hielt mit einer jungen Mutter dagegen, was durch den Anschlag eines frisch verheirateten Paares getoppt wurde usw.
Ein militärischer Sieg wird ISIS die territoriale Kontrolle über die Gebiete in Syrien und Irak nehmen, aber gleichzeitig Personal, das dort gebunden ist, für globale Einsätze frei stellen. Auch werden der Organisation beträchtliche Finanzmittel weg brechen, aber diese waren auch nur notwendig um quasi-staatliche Strukturen zu unterhalten. Terrorismus ist nicht teuer. Schätzungen gehen von 10.000 Dollar für einen durchschnittlichen Sprengstoffanschlag aus – das ist allemal aus Spenden zu bekommen.
Sollte das Outbiding auch in den Bereich das transnationalen Dschihadismus Eingang finden und andere Gruppen mit einem geschwächten Islamischen Staat um die „Fleischtöpfe“ der Spender kämpfen, werden die Anschläge, wie zuletzt in Manchester, zunehmen und leider auch „kreativer“ werden.
Bilder: @depositphotos
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