Von Catrina Stewart, dpa
In Kenia schießen neue High-Tech-Unternehmen wie Pilze aus dem Boden.
Die Regierung will das Land zu einem neuen Silicon Valley machen.
Aber vielen Jungunternehmern fehlt das Geld.
Nairobi (dpa) - In einem Großraumbüro in Nairobi sitzen Dutzende
junge Kenianer über ihre Laptops gebeugt, zur Ablenkung steht
Tischfußball. Viele von ihnen arbeiten an neuen Apps fürs Smartphone
- sie sollen bei der Haussuche helfen oder Rettungsdienste
alarmieren. Schon mehr als 16 000 virtuelle Mitglieder sind über die
High-Tech-Brutstätte «iHub» organisiert. «Wie jedes andere
Entwicklungsland müssen wir viele Probleme lösen. Da gibt es viele
Möglichkeiten für Start-Up-Unternehmen,» sagt Sheilah Birgen. Sie
betreut den «Pivot East»-Talentwettbewerb, an dem jedes Jahr Hunderte
neue High-Tech-Unternehmen teilnehmen.
Nach dem Erfolg des mobilen Geldübermittlungssystems «Mpesa» und der
«Ushahidi»-App, die bei den Aufständen nach den Wahlen von 2007 die
Krisenherde anzeigte, hat das ostafrikanische Land in den vergangenen
fünf Jahren immer mehr Neugründungen erlebt. Jetzt will es Südafrika
als führendem Technologieland des Kontinents Konkurrenz machen. In
Anlehnung an das Silicon Valley im US-Staat Kalifornien reden einige
von einem «Silicon Savannah».
Die kenianische Regierung hofft, dass die Informations- und
Kommunikationstechnologie bis 2017 zehn Prozent zum
Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Derzeit sind es rund drei Prozent. Das
«iHub» ist mit der Hilfe von internationalen Unternehmen wie Google
und Oracle eingerichtet worden und bietet Software-Entwicklern
kostenloses Internet und einen Treffpunkt zum Brainstorming.
Seit ein Glasfaserkabel unter dem Meeresboden 2009 das
Hochgeschwindigkeitsinternet nach Kenia brachte, hat das Land viele
bekannte Investoren der Technikwelt angezogen. Das
US-Softwareunternehmen IBM eröffnete sein erstes Forschungszentrum in
Nairobi mit Zuschüssen der Regierung.
Die führenden Universitäten der Hauptstadt haben Technologielabore,
und die Regierung will 1,3 Millionen Laptops für Schulen
bereitstellen. Zudem plant sie, jedes Jahr 50 neue Start-Ups zu
finanzieren und ausländische Investoren mit Steuervergünstigungen
anzulocken. Gleichzeitig investiert das Land 13 Milliarden Euro in
das Vorzeigeprojekt «Konza Techno City», eine hochtechnisierte Stadt,
die in der Nähe von Nairobi entstehen und Zehntausende Arbeitsplätze
schaffen soll.
Im «iHub» will Awil Osman (24) eine Webseite namens «Sumuni» («Fünf
Cent») einrichten, über die man alles leihen kann, was man nur selten
braucht, wie etwa Bohrer, Zelte oder sogar Räumlichkeiten. «Manchmal
versucht man, ein Problem für sich selbst zu lösen und merkt dabei,
dass alle anderen dasselbe Problem haben», sagt Osman. Seine Idee
entstand bei dem Versuch, einen Staubsauger auszuleihen.
Zum Erfolg der Start-Ups tragen auch Unternehmen wie «Nailab» bei,
das jedes Jahr eine Reihe von Neugründungen mit Geld, Räumen und
technischer Betreuung unterstützt und dafür im Gegenzug einen
zehnprozentigen Kapitalanteil erhält. Sein Mitbegründer Joshua Mutua
(23) hat die App «Kejahunt» entwickelt, die seit Januar über 1800
Häuser und Wohnungen an Niedrigverdiener vermittelt hat.
«Kejahunt» ist inzwischen so gefragt, dass Mutua den Dienst nun auch
in anderen Städten wie Mombasa und Kisumu anbieten will. Aber ihm
fehlen die dafür nötigen 46 000 Euro. In einem Entwicklungsland, in
dem High-Tech noch relativ neu ist, könne man die Investoren an einer
Hand abzählen, sagt Mutua.
Eine Erfolgsgeschichte ist auch das Start-Up-Unternehmen
«Totohealth». Als Produkt des Technologiezentrums «m:lab» hilft der
SMS-Dienst jungen und werdenden Müttern bei Gesundheitsfragen.
Finanziert wird er von den regionalen Behörden und von
Nichtregierungsorganisationen. Außerdem können die Mütter über den
Dienst Windeln und Sterilisierungszubehör für Babysachen kaufen -
Dinge, die auf dem Land nur schwer zu bekommen sind.
Die meisten Start-Ups sind für Risikokapitalanleger zu klein. Wer
Existenzgründer unterstützt, wolle dagegen schnelle und garantierte
Profite für sein Geld, erklärt Harry Hare, der Manager von DEMO
Africa, das Start-Ups mit Investoren in Kontakt bringt. Die meisten
Unternehmen müssten sich aber noch immer über ihre Nutzer
finanzieren, beklagt App-Erfinder Mutua.
