George Soros. Foto: Andreas Gebert/dpa

Spekulanten-Legende Soros wird 85

Von Hannes Breustedt, dpa.

New York (dpa) - George Soros ist eine der erfolgreichsten, aber auch
umstrittensten Größen der Finanzwelt. Als Hedgefonds-Manager
spekulierte er gegen ganze Volkswirtschaften, als Philanthrop spendet
er immense Summen für wohltätige Zwecke und als Möchtegern-Staatsmann
mischt er sich immer wieder in politische Diskussionen ein. Das
«Forbes»-Magazin schätzte Soros’ Vermögen zuletzt auf 24,2 Milliarden
Dollar (22,1 Mrd Euro), damit rangiert er auf Platz 29 in der Liste
der reichsten Superreichen der Welt. An diesem Mittwoch (12. August)
feiert Soros seinen 85. Geburtstag.

Der 1930 in Budapest geborene Starinvestor, der 1947 zunächst nach
Großbritannien und 1956 in die USA auswanderte, polarisierte mit
Vorschlägen, wie dem, dass Deutschland und nicht Griechenland zur
Euro-Rettung den Währungsraum verlassen solle. «Europa spart sich
kaputt, statt auch etwas fürs Wachstum zu tun», echauffierte sich
Soros 2012, als die Eurokrise auf eine neue Eskalationsstufe
zusteuerte. Schuld seien die «Bürokraten bei der Bundesbank» mit
ihrem Stabilitäts- und Ordnungsfimmel.

Doch selbst wenn die Stimme des New Yorker Multimilliardärs in der
Öffentlichkeit Gehör findet und seine Ratschläge hin und wieder
sinnvoll erscheinen - wirkliches Gewicht hat Soros’ Wort selten. Denn
ihm hängt stets sein Image als abgezockter Anlagestratege nach. Nie
weiß man, welcher Finanzwette seine «Ratschläge» und Meinungsbeiträge
gerade dienen. Angesichts der Coups, auf denen sein Ruf als
Investorenlegende beruht, ist das auch kein Wunder.

1992 spekulierte Soros erfolgreich gegen das britische Pfund. Er
machte ein Vermögen, als Großbritannien unter dem Druck der
Finanzmärkte nachgab und seine Währung aus dem europäischen System
fester Wechselkurse löste. Soros schrieb Finanzgeschichte, als «der
Mann, der die Bank von England knackte». Mit seinen Hedgefonds fuhr
Soros über Jahrzehnte traumhafte Renditen ein, bis heute gilt er als
einer der erfolgreichsten Anleger überhaupt.

Vor allem beim Thema Europa werden Soros’ Rollenkonflikte deutlich.
Da ist einerseits der Geschäftsmann, der stets auf der Jagd nach
Rendite ist. Und andererseits der altersweise Weltmann, der
Regierungen so gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen würde. Mal
stellt Soros lautstark Überlegungen an, in Griechenland oder
kriselnde Banken im Euroraum zu investieren. Dann tut er sich als
Bedenkenträger hervor, Europa könne an Einzelinteressen und
mangelnder Unterstützung für Schuldenstaaten zugrunde gehen.

Soros selbst beteuert indes immer wieder, der schnöde Mammon
interessiere ihn bestenfalls am Rande. Vielmehr sieht sich der
Geldguru der Philosophie verpflichtet und hat offenbar keinen
sehnlicheren Wunsch, als auf diesem Feld ernst genommen zu werden.
Doch das will nicht so recht gelingen. So viele Bücher mit Soros’
teilweise recht abstrakten Gedanken auch auf den Markt kommen - an
den Erfolg als Spekulant kommt er als Autor nicht ansatzweise heran.

Im Gegenteil wird beispielsweise Soros’ «Reflexivitätstheorie» mit
der er nicht weniger als die ganze Welt erklären zu können glaubt, in
Fachkreisen belächelt. Sein fieberhafter Versuch, sich als Philosoph
und großer Theoretiker einen Namen zu machen, brachte bislang wenig
Lorbeeren ein. Dafür ist der Großanleger, wie viele andere
Superreiche in den USA, für sein gönnerhaftes Spendertum bekannt.

Als US-Amerikaner mit ungarischer Herkunft legt Soros großen Wert auf
seine europäischen Wurzeln. Über Osteuropa schüttet der Philanthrop
schon seit Jahrzehnten ein Füllhorn aus - bereits Anfang der 1990er
Jahre entschied er sich, seinen Reichtum für humanitäre Zwecke im
ehemaligen Ostblock einzusetzen. Doch auch sonst kennt sein
Wohltätigkeitsfeldzug kaum Grenzen. Jahr für Jahr spendet Soros
Milliarden an diverse Einrichtungen und Organisationen.