So reagiert das Ausland auf Köln

Berlin (dpa) - Ausländische Medien stellen die Übergriffe der Kölner Silvesternacht in Zusammenhang mit derAsyldebatte - und sehen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Bedrängnis.Die sexuelle Gewalt gegen Frauen werde Folgen für die Bundeskanzlerin haben, kommentiert dieBELGISCHE Zeitung «De Standaard»: Die dramatischen Geschehnisse hätten die ohnehin schon prekäreAsylpolitik von Merkel noch weiter unterminiert. «Merkel und mit ihr alle europäischen Führer müsstenzähneknirschend zur Kenntnis nehmen, dass ihre populistischen Herausforderer mit jedem derartigen Vorkommnisstärker werden.»Die ITALIENISCHE Zeitung «Il Messaggero» berichtet von der Befürchtung in Deutschland, dass Rassistenund Flüchtlings-Gegner die Geschehnisse für ihre Zwecke ausnutzen könnten. Das ITALIENISCHE Blatt «LaRepubblica» holt sich den deutschen Historiker Michael Stürmer zum Interview, der mit Kritik an der Kanzlerinzitiert wird: «Es war unvermeidlich, dass all dies geschehen würde. Beim Thema Migranten hat Merkel Fehlergemacht.»Der BRITISCHE «The Guardian» schreibt: «Die Zwischenfälle unterstreichen die Spannungen in der deutschenGesellschaft nach Angela Merkels Politik der offenen Tür gegenüber Flüchtlingen, die zur Ankunft von über eineMillion Menschen in den letzten zwölf Monaten geführt haben sowie zu Tausenden, die jeden Tag eintreffen.» DieKritik an Polizei und Medien wird besprochen sowie der Versuch, «ausländerfeindliche Gefühle angesichts derFlüchtlingskrise zu verhindern».Die konservative BRITISCHE «Times» sieht nach den Angriffen eine «Gegenreaktion zur Aufnahme von 1,1Millionen Asylsuchender». Auch dieses Blatt sieht Merkel unter Druck: «Kanzlerin Angela Merkel wird vorgeworfen,Vergewaltiger ins Land zu lassen.»Den Kontext der Migrationsdebatte stellen auch Medien in den USA und RUSSLAND dar. In ISRAEL wurdenachrichtlich berichtet, in Leserkommentaren im Netz allerdings gab es Häme für die sogenannteWillkommenskultur in Deutschland.Die «Bemühungen um Integration» der Geflüchteten stehen neben einem «Rekord» der «ultrarechten Gewalt»,wie SPANIENS «El País» meint. Auch in den NIEDERLANDEN beobachtet «De Volkskrant» eine gespalteneGesellschaft.Die SCHWEIZER «Neue Zürcher Zeitung» stellt sich mit einem Kommentar gegen einen Generalverdacht gegenMigranten. Dort heißt es aber auch: «Aber es wäre gefährlich, wenn derart systematische Verhaltensmuster wie inKöln einfach aus politisch korrekter Beflissenheit ignoriert würden.» Die SCHWEIZER Boulevard-Zeitung «Blick»schreibt, in Deutschland würde nach den Sex-Attacken die Stimmung gegenüber Asylsuchenden kippen.