Luhansk/Moskau (dpa) - Nach internationaler Kritik an immer neuen
Gewaltexzessen haben die prorussischen Separatisten im Kriegsgebiet
Ostukraine den Abzug schwerer Waffen von der Frontlinie angekündigt.
In Abstimmung mit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa (OSZE) würden Waffen mit einem Kaliber auch von weniger als
100 Millimetern mindestens drei Kilometer von der Front abgezogen.
Der Prozess solle noch am Sonntag abgeschlossen werden, sagte der
Separatistenführer Wladislaw Dejnego in Luhansk der Agentur Interfax
zufolge. Auch die Region Donezk kündigte den Rückzug von Waffen an.
Russland forderte die Ukraine auf, sich gemäß dem Minsker
Friedensplan vom Februar ebenfalls von der Frontlinie zurückzuziehen.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko meinte hingegen, bisher
unternehme nur sein Land Schritte für den Frieden. Er forderte den
Abzug russischer Kämpfer und sowie die Schließung der Staatsgrenze
zum östlichen Nachbarn. Erst dann könne der Konflikt, bei dem bereits
mehr als 6000 Menschen umkamen, friedlich gelöst werden, sagte er.
Der ukrainische Generalstab teilte in Kiew mit, dass es bisher keinen
Befehl für einen Rückzug von Waffen und Soldaten gebe. Ukrainische
Behörden sprachen am Sonntag von fünf Toten im Donbass, darunter vier
Zivilisten und ein Soldat. Zudem seien sieben Militärangehörige
verletzt worden. Beide Seiten warfen sich gegenseitig den massiven
Beschuss ihrer Stellungen vor.
Die Aufständischen betonten, sie wollten nun den Anfang machen, um
keine neuen Gewaltexzesse zu provozieren. «Das ist unser einseitiger
Schritt Richtung Frieden. Wir zeigen der ganzen Welt, dass wir die
Vereinbarungen von Minsk erfüllen», sagte der Chef der Luhansker
«Volksmiliz», Sergej Koslow, lokalen Medien zufolge.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte die Ukraine am
Vorabend erneut aufgefordert, den im Februar in der weißrussischen
Hauptstadt vereinbarten Friedensplan umzusetzen. Bei einem Telefonat
rief er seinen ukrainischen Kollegen Pawel Klimkin auf, den seit
Wochen belagerten Ort Schyrokyne im Raum Donezk zu entmilitarisieren
- die Aufständischen hätten sich dort bereits entfernt.
Bei Gesprächen mit den Außenministern von Deutschland und den USA,
Frank-Walter Steinmeier und John Kerry, sagte Lawrow, dass nur ein
Dialog der Konfliktparteien aus der Krise führen könne. Deutlich
gemacht hatte dies nach Kremlangaben am Freitagabend auch Präsident
Wladimir Putin bei einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel, dem
französischen Präsidenten François Hollande und Poroschenko.
Russland und die Aufständischen kritisierten erneut die geplante
Verfassungsänderung der Ukraine, die den abtrünnigen Gebieten Donezk
und Luhansk zeitweilige Sonderrechte garantieren soll. Kiew täusche
eine Reform nur vor und habe die Aufständischen auch nicht an dem
Verfahren beteiligt, hieß es in Moskau und Donezk.
Der Krieg in der Ostukraine war im April vorigen Jahres ausgebrochen,
als die in die Nato und die EU strebende neue Führung in Kiew mit der
Armee gegen die schwer bewaffneten prorussische Separatisten vorging.
Eine vereinbarte Waffenruhe wird immer wieder gebrochen.
