Schweden hat wieder Angst?

Wer hat Angst vor wem oder wohin geht die Arktis?

Niklas Kharidis
Frödert Ulfsbörn
Schweden hat wieder Angst. Angst wovor? Schweden hat Angst vor den schrecklichen russischen U-Booten - anders ist die Erhöhung des Militäretats dieses Landes unmöglich zu erklären. Von 2021 bis 2025 wird Schweden 40% mehr für sein Militärbudget ausgeben, was 27.000.000.000 Kronen bedeutet - fast 3.000.000.000 €.
In den letzten 70 Jahren ist dies die größte Erhöhung des Militärbudgets und die Grundlage dafür ist die Furcht vor der russischen Aggression.
Verteidigungsminister Peter Hultqvist: „Hintergrund ist die russische Aggression gegen Georgien, die Annexion der Krim, der Konflikt in der Ukraine, die Aktivitäten in Belarus, die Aufrüstung des russischen Militärs, die sehr komplexen Übungen in der Ostsee und im Arktischen Ozean. Es gibt also eine neue Sicherheitsumgebung und sie sind bereit, das Militär zu politischen Zwecken einzusetzen.“[1]
Natürlich muss man die Worte des Verteidigungsministers korrekt einordnen - welche Angst kann Schweden schon vor den Problemen Georgiens oder der Ukraine haben? Der Minister verweist darauf, dass die sogenannte russische Aggression im Jahr 2008 und die „Annexion der Krim“, sowie die Wiederbewaffnung der russischen Armee Signale für Stockholm seien, die eigenen Militärausgaben zu erhöhen. Ist es so?
Schauen wir uns das Ende der Erklärung des Verteidigungsministers an - genau dort befindet sich die Antwort auf diese Frage. Georgien und Ukraine sind Schweden - natürlich - herzlich egal. Das einzige wichtige Thema, das Stockholms Entscheidung den Militäretat zu erhöhen wirklich beeinflusst hat, ist die Arktis. Schweden will bei der stattfindenden Erschließung der Arktis, bei der militärischen Präsenz dort, auf keinen Fall außen vor bleiben. Allein schon deshalb, um als ein großes, arktisches Land zu gelten.
Die Erschließung der Arktis ist ein wichtiger Punkt. Die Hauptsache dabei ist, dass die Arktis nicht zu einem militärischen Übungsplatz werden sollte. Und Schweden hat eben im Bereich der militärischen Komponente seine eigenen Absichten. Ein recht gefährlicher Trend bei der Entwicklung der Verteidigungsstrategie des schwedischen Königreichs.
Es sollte auch bedacht werden, dass das schwedische Parlament vor relativ kurzer Zeit eine engere Zusammenarbeit mit der NATO beschlossen hat. Dies bedeutet nicht, dass Schweden dringend dem Nordatlantik-Bündnis beitreten wird. Das Land versucht, seine Neutralität aufrechtzuerhalten, spricht jedoch zunehmend von engeren Kontakten mit der NATO. Unter einem anderen Gesichtspunkt bedeutet es, dass Schweden zur Konfrontation mit Russland bereit wäre. Abgesehen von der Aussage des Verteidigungsministers und den Informationen aus der schwedischen Presse, die oftmals eher gewöhnlichem Klatsch ähneln, gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass sich Russland gegenüber Schweden aggressiv verhält. Vielleicht möchte Stockholm das so präsentieren, damit es einen rechtlichen Grund gibt das Militärbudget zu erhöhen?
Leider verwandelt sich die Arktis zunehmend in ein Schlachtfeld für einen neuen und wahrlich Kalten Krieg. Schweden ist bis jetzt noch ein Bauernläufer in diesem Spiel, strebt aber danach, eine gewichtige Figur zu werden.
Es ist kein Zufall, dass der US-Außenminister Mike Pompeo ankündigte, es sei Zeit Amerikas neue Sicht auf die Arktis vorzustellen. In dieser neuen Perspektive auf die Arktis können natürlich viele der an die Region angrenzenden Länder - darunter Schweden - eine entscheidende Rolle spielen.
„Hiermit gibt Amerika bekannt, dass es sich künftig stärker auf die Arktis und deren Zukunft konzentrieren wird“ - verkündete Mike Pompeo.[2]
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Rolle und die Fähigkeiten des Arktischen Rates zu stärken, der nach einer friedlichen Entwicklung der Arktis streben sollte und nicht deren Militarisierung. Der Arktische Rat besteht aus acht an den Nordpol angrenzenden Ländern. Island, Norwegen, Schweden, Finnland, Russland, USA, Kanada und, natürlich, Dänemark. Jedes dieser Länder spielt eine wichtige Rolle bei den Aktivitäten des Arktischen Rates. Nicht erwähnt wurde allerdings China, welches sich jeden Tag mehr und mehr als ein Hauptakteur am Polarkreis behauptet.
Bisher hat China ausschließlich Interesse am Wirtschaftsfaktor der Erschließung der Arktis gezeigt. Zum Beispiel hat China bei Kanada die Erlaubnis beantragt, Ressourcen in der Nordwestregion zu nutzen, die zu kanadischen Küstenressourcen zählen. Die kanadische Regierung lehnte Chinas Anfrage unter Berufung auf Sicherheitsbedenken ab.
Wie das Handelsblatt schreibt: „Mit der Übernahme von TMAC Resources hätte Shandong eine Goldmine und einen Hafen in Hope Bay an der Nordwest-Passage, dem Schiffsweg durch Kanadas arktische Inseln, bekommen. Chinas Interesse an TMAC unterstreicht auch die wachsende globale strategische Bedeutung der Arktis“[3]
Inzwischen zeigt sogar Großbritannien immer mehr Interesse an der Arktis. Zusammen mit NATO-Partnern führt die britische Luftwaffe bereits Patrouilleneinsätze in Island durch, schreibt die italienische Zeitung Start Magazine.
Das britische Verteidigungsministerium hat außerdem beschlossen, 16 Milliarden Pfund bereitzustellen, um die Präsenz der Royal Navy in der norwegischen und Nordsee zu erhöhen", heißt es in dem Artikel.[4]
Eines ist klar. Wenn Länder mit Interesse an der Arktis ihre Angst voreinander hochschaukeln und beginnen sich zu bewaffnen, wenn die Arktis nicht friedlich erschlossen werden kann, dann könnte der Kalte Krieg sehr schnell zu einem heißen werden.
Bilder @depositphotos
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Quellen:

[1]https://de.euronews.com/2020/12/16/bedrohung-durch-russland-schweden-erhoht-verteidigungshaushalt

[2]https://www.deutschlandfunk.de/kampf-um-nordpolregion-die-arktis-als-beute-der-grossmaechte.724.de.html?dram:article_id=472291

[3]https://www.deutschlandfunk.de/kampf-um-nordpolregion-die-arktis-als-beute-der-grossmaechte.724.de.html?dram:article_id=472291

[4]https://www.startmag.it/mondo/artico/