Von Alexander Sosnowski, Schriftsteller, Journalist.
Um uns das Leben zur Hölle zu machen, braucht man nicht einmal eine Atombombe. Ein halbes Kilo Explosivstoff, eine Ampulle mit Milzbranderregern, eine Rauchdose mit Giftgas, können innerhalb von Minuten, manchmal Sekunden dutzende, hunderte Menschen töten, verkrüppeln, eine Massenpanik auslösen und das Leben ganzer Städte komplett zum Stillstand bringen. Wir haben es jüngst am tragischen Beispiel von Paris am 13. November gesehen. Was darauf folgt, ist noch schlimmer, nur hat man das noch nicht wahrgenommen. Geschlossene Grenzen, Ausnahmezustand, politische Absichtserklärungen, die Ohnmacht der Polizei und der Nachrichtendienste. Und die lähmende Angst der Menschen.
Würde sich Paris nun in London, Rom, Berlin oder Moskau wiederholen, versänke die Welt im Terrorchaos und der allumfassenden Furcht. Nicht nur Flüge nach Ägypten würden dann verboten werden. Es ist durchaus möglich, dass die führenden Weltmächte den gesamten Flugverkehr in Länder einschränken würden, in denen sie auch den geringsten Anlass hätten einen Terroranschlag zu befürchten. Sportwettkämpfe, Theateraufführungen würden abgesagt werden, die Kinosäle blieben geschlossen. Die Polizei bekäme das Recht schon bei kleinstem Verdacht tödliche Schüsse abzugeben.

Foto:Deutschland - Niederlande abgesagt/dpa
Und was wenn die Anschläge anhielten? Wenn es nicht vereinzelte Attacken blieben und die Menschen nach einer gewissen Zeit verdrängen und zum Alltag zurückkehren könnten?
In den Städten begännen Bezirke sich nach Religionszugehörigkeit aufzuteilen. Die lokalen Machthaber würden mit dem Aufbau einer Freiwilligengarde beginnen, die in den Straßen patrouillieren soll. Nach Anbruch der Dunkelheit käme das Leben in den Großstädten zum Stillstand. Urlaubsparadiese würden eines nach dem anderen verwahrlosen, die Lebensmittelpreise würden steigen, weil die Leuten anfangen zu hamstern. Möglicherweise würden die betroffenen Staaten dann kleinbeigeben und die Terroristen im Ausland gewähren lassen. Das Beispiel der Anschläge von Madrid 2004 hat deutlich gezeigt das ein Anschlag genügen kann eine Regierung zu Fall zu bringen und das französische Engagement im Irak sofort zu beenden. Die betroffenen Nationen könnten glauben das Appeasement gegenüber den Terroristen sie vor Angriffen schützen könnte – derselbe Denkfehler der gegenüber Nazi-Deutschland auch schon prominent war. Was wäre die Folge?
Die Autoindustrie schriebe riesige Verluste, weil die Ölquellen von terroristischen Banden kontrolliert würden und auch, weil keiner mehr Autos kauft, denn jede Fahrt weiter als bis zum eigenen Gartentor könnte lebensgefährlich werden. Nach etwa einem halben Jahr würde die Weltwirtschaft ins Stocken geraten, eine Lawine von Kürzungen und Kündigungen bräche über uns herein. Die Arbeitslosigkeit würde massiv ansteigen und die einheimische Bevölkerung fände schnell die Schuldigen - die Millionen von Flüchtlingen, die sich bis dahin in den europäischen Ländern verteilt haben würden. Deren Zahl würde sogar noch weiter wachsen wenn wir die Länder aus denen sie fliehen den gewalttätigsten und skrupellosesten überließen.
Die Unzufriedenheit würde in Auseinandersetzungen münden, diese gehen in Massenschlägereien über, auch unter Anwendung von Waffen. Es würde Opfer geben.
Möglicherweise würden religiöse Identitäten wieder wichtiger werden.

Foto: Salafisten verteilen Korane / dpa
Das Christentum sähe sich gezwungen dem Islam gegenüber eine unerbittliche Position einzunehmen und würde versuchen die Regierungen der EU-Länder dazu zu bewegen, gegen Islamisten und auch gegen alle moslemischen Prediger Härte zu zeigen. Es würden politische und Sicherheitsstrukturen geschaffen, um ein Gegenwicht zum Islam und seinen Gläubigen zu bilden. Die Phase der offenen Auseinandersetzung des Christentums mit der islamischen Welt bräche herein. Der Wunsch der dschihadistischen Terroristen würde Wirklichkeit. Man hätte erreicht, wovor der deutsche Terrorismusexperte Juergensmeyer bereits 2004 warnte „Terroranschläge sind sowohl theatralische Aufführungen mit symbolischer Aussage als auch ein performativer Akt [...] Mit einem gewaltigen Spektakel wollten sie die Menschheit dazu zwingen, die Welt mit anderen Augen zu sehen.“ Der Gegner, also wir, würde die Weltsicht von einem ständigen Kampf Gut gegen Böse – wobei sich jede Seite auf der Seite des Guten sähe – teilen und damit auch moderate, moderne oder gar säkulare Muslime dezu zwingen Position zu beziehen.
Israel würde als erstes angegriffen werden und sähe sich aus Gründen der Selbstverteidigung gezwungen, seine Atomwaffen einzusetzen.
Ich möchte nicht den Weg von Nostradamus gehen und den weiteren Verlauf der Geschichte beschreiben.
Die Tragik liegt unterdessen darin, dass sich die Sicherheitsstrukturen der EU-Länder erst dann mit dem Bösen auseinander zu setzen beginnen, wenn der Terroranschlag schon passiert ist. Die ganzen Behauptungen der Geheimdienste, dass sie über alles Bescheid wüssten, dass sie überall ihre Agenten hätten und jederzeit bereit wären Kontra zu geben, wurden durch die Ereignisse am 13. November beiseite gefegt.
Foto: Sprengstofffunde an US-Flughüfen/dpa
Die Europäischen Geheimdienste sind nicht bereit, ihre Möglichkeiten sind begrenzt, weil sie sich auf die Methoden eines „regulären Krieges“ verlassen. Die Wahrheit, die sich die Führer der westlichen Nationen scheuen auszusprechen, lautet: Gegen Terrorismus kann man sich nur sehr begrenzt schützen und jedes bisschen Schutz geht auf Kosten der Werte die man schützen möchte.
Den Terminus „Hybridkrieg“ benutzt man nur, um seine politischen Opponenten dessen zu beschuldigen, mit besonderer Vorliebe Russland. Allerdings führt der IS eindeutig einen Hybridkrieg - ohne Regeln, unter dem Deckmantel seiner angeblich hoheitlichen Ideologie, mit konzentriertem Propagandaeinsatz und Gehirnwäsche. Wenn die eigenen Bürger erschossen, vergiftet, geköpft und ihre Kinder ermordet werden, ist es obsolet von Menschlichkeit und Demokratie zu sprechen. Es ist unmöglich gegen Leute, die alle Regeln missachten, nach den Regeln weiter zu spielen. Es ist höchste Zeit für Ehrlichkeit seitens der Politik und einen breiten Diskurs darüber was wir bereit sind zu ertragen und wieviel Freiheit wir bereit sind aufzugeben.
Zudem muss man sich darüber klar werden, wo der nächste Anschlag sein und was dabei passieren könnte und diese Erkenntnisse auch mit der Bevölkerung teilen. Und man sollte auch keine Furcht davor haben es offen anzusprechen. Es ist eine alte Lebensweisheit - Wer gewarnt ist, ist gewappnet.
Geiseln
Um einen Staat zu besiegen, braucht man Armeen, Raketen, Bomben… Oder einige dutzend Geiseln. Oder einige hundert. Je mehr, desto gruseliger und das heisst, ausgehend von der Logik der Terroristen - effektiver. Diese furchtbaren Bilder aus dem Theater in Paris. Dabei sind sie nicht neu - Russland hat diese schrecklichen Erfahrungen schon vor 20 Jahren gemacht.
1995
14. Juni. Budjonowsk. Eine Kämpfergruppe von Schamil Basaew (Tschetschenischer Terrorist) greift ein städtisches Krankenhaus an. Etwa zwei Tausend Geiseln. 130 Zivilisten sterben, 18 Polizisten, 18 Soldaten. Mehr als 400 Verwundete.
1996
09. Januar. Kizljar. Eine Kämpfergruppe von Salman Radujew (Tschetschenischer Terrorist) greift ein städtisches Krankenhaus an. Etwa zwei Tausend Geiseln. 78 Tote, mehrere hundert Verletzte.
2002
23. Oktober. Moskau. Während der Aufführung des Musicals „Nord-Ost“ nehmen Wahhabitische Terroristen von der Gruppe Movsar Baraevs über 800 Menschen als Geiseln. 130 Tote.

Foto:"Das Tschetschenen-Syndrom", 2003. Mauer Verlag ISBN 3-937008-52-7
2004
01. September. Beslan. Eine Gruppe von Terroristen bringt eine Schule in ihre Gewalt. 1128 Geiseln. Insgesamt sterben, die Rettungskräfte innbegriffen, 333 Menschen, davon 186 Kinder. Über 800 werden verletzt.
Aus Sicht der psychologischen Wirkung ist das für die Terrorristen die wirksamste Waffe. Darauf zielte Osama bin Laden ab als er, nach dem Rückzug der Amerikaner aus Somalia 1992, von der Schwäche des Westens sprach. Er bekannte das ihn sehr verwundert habe das einige tote Soldaten gereicht hätten die mächtigen USA in die Flucht zu schlagen und das dies seine darauffolgende Strategie nachhaltig beeinflusst habe. „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod. Deshalb werden wir gewinnen.“ war seine Botschaft an die Welt.
Nimmt man etwa 100 Menschen als Geiseln, multipliziert sich die Wirkung durch Verwandte, Freunde und zieht immer größere Betroffenenkreise. Die Tatsache, dass ein Verwandter als Geisel genommen wurde, wird sofort durch allen privaten Kanäle weiter gegeben und fügt damit, weit vom Ort der Geiselnahme entfernt, der gesamten Familie eine Wunde zu. Verschiedene betroffene Familien vereinen sich innerhalb kürzester Zeit in eine große, offene Gruppe, die dann schon aus tausenden von Menschen bestehen kann. Die Möglichkeiten der globalen Vernetzung erweitern den Betroffenenkreis über die ganze Welt und schließt auch Menschen ein, die selbst nicht direkt betroffen sind.
Diese Gruppe steht unter enormem psychologischen Druck - in ihrer Angst um das Leben ihrer Lieben verlieren sie die Möglichkeit die Situation realistisch einzuschätzen. Sie üben starken Druck auf Regierungen und Sicherheitsstrukturen aus und verlangen eine Erstürmung des Objekts, eine Lösegeldzahlung oder das Erfüllen der Forderungen der Geiselnehmer.
Die Posttraumatische Belastung von Menschen, die in einen solchen Betroffenenkreis geraten, kann über Monate oder gar Jahre dauern. Sie werden dann aus dem Instinkt heraus, ohne es selbst mitzukriegen, zum Propagandasprachrohr der Terroristen in der Gesellschaft. Sie tragen in sich gleichzeitig die Angst vor einer Wiederholung eines Terroranschlags und werden zu einer Art Fernsehmoderator, der vom Bildschirm aus immer den gleichen Satz wiederholt. Und zwar so lange, bis die Zuschauer, das heisst wir, die Angst vor dem Terror in uns eingesogen haben und gleichzeitig die Gefügigkeit vor den Terroristen und ihren Auftraggebern. Damit wären wir wieder bei dem zuvor beschriebenen Szenario.
Die Schmutzige Bombe
Der bekannte Sicherheitsexperte, Stellvertretender Wiss. Direktor und Leiter der IFAR, Götz Neuneck, meint, dass sich keine Atombombe in ihrer Effektivität mit einem selbstgebastelten Sprengsatz messen kann, der an einem öffentlichen, gut besuchten Platz gezündet wird. Bei der Explosion einer Atombombe bleibt, so zynisch das jetzt auch klingen mag, niemand mehr übrig, der sich fürchten kann. Terroristen wollen ein großes Publikum und nicht einen großen Friedhof.
Und ein zwei-drei Kilo Sprengsatz mitten in einem, sagen wir Stadion, kann schon eine Großstadt für Stunden, vielleicht sogar Tage lahm legen. Und was passiert, wenn es kein einfacher Sprengsatz ist, sondern eine so genannte „Schmutzige Bombe“?

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Klären wir zunächst einmal den Begriff. Es ist ein Sprengsatz, in dem neben dem Explosivstoff noch etwas anderes zu finden ist. Zum Beispiel, eine radioaktive Substanz. Bei der Explosion verteilt sich die radioaktive Substanz in der Luft. Alles, was auch nur mit der kleinsten Menge der Substanz in Berührung kommt, wird kontaminiert. Gehen wir also theoretisch davon aus, dass Terroristen im oder neben dem Stadion einen solchen Sprengsatz zünden würden, der übrigens von der Größe her in einen Rucksack passen könnte, würde das Ergebnis wie folgt aussehen.
Einige dutzend Menschen sterben unmittelbar an der Explosionswelle, den herumfliegenden Splittern und Verletzungen beim Aufprall auf den Boden. Die radioaktive Substanz wird durch die Druckwelle (wenn es windig ist, dann auch durch den Wind) im Laufe von einigen Minuten auf eine Fläche von mehreren Quadratkilometern verteilt. Menschen, die die Substanz abbekommen, werden verschiedene Grade der Verstrahlung erleiden. Für einige wird es sich mit Erbrechen und ein paar Geschwüren auf der Haut erledigt haben. Andere bluten aus dem Rachenraum und der Nase, sie bekommen Geschwüre am Mund und den Schleimhäuten und müssen sich einer langwierigen Behandlung unterziehen. Es wird aber auch welche geben, die von radioaktiver Asche bedeckt werden. Das ist eine schwerwiegende Vergiftung - Anfälle, Bewusstseinsausfälle, innere Blutungen. Bei den meisten geht die akute Vergiftung in die Strahlenkrankheit über - Leukämie.
Professor Neuneck meint, die Wahrscheinlichkeit, dass Terroristen eine solche Methode anwenden würden, sei eher gering. An radioaktives Material zu kommen, ist nicht gerade einfach, noch schwieriger ist es, es aufzubereiten, bei falscher Handhabung ist es einfach selbst verstrahlt zu werden und jeder, der „zufällig“ einen Geigerzähler in der Tasche hat, kann den ganzen Plan verhindern. Versuche eine solche Waffe herzustellen, hat es allerdings schon gegeben.
Im November 1995 wurde im Ismailowoer Park in Moskau ein Container mit Cäsium-137 entdeckt, dorthin gebracht von tschetschenischen Terroristen. Der damalige tschetschenische Präsident, Dzhokhar Dudaev, verkündete damals: „Was wir im Ismailowoer Park der gesamten Weltöffentlichkeit und Moskau präsentiert haben, ist nur ein minimaler Teil von den radioaktiven Stoffen, die wir zur Verfügung haben.“
Und vor kurzem wurde eine solche Waffe sogar auf Staatsniveau ins Gespräch gebracht. Im April 2015 machte in den Massenmedien ein Zitat aus einem Auftritt von Oleh Turtschinow die Runde, in dem er, als er die Möglichkeiten der Ukraine beim Bau einer Atombombe kommentierte, sagte, dass es gar nicht wichtig sei, ob es nun eine „saubere“ oder eine „schmutzige“ Waffe werden würde, Hauptsache - sie wird effektiv. Die Verwendung solcher Waffen durch Staaten würde sie auf eine Stufe mit Terroristen stellen, meint Professor Neuneck. Darüber hinaus würde eine großflächige Verwendung einer „schmutzigen Bombe“, durch höheres Gewicht oder durch höhere radioaktive Werte, auch für die zum Verhängnis werden, die sie benutzen. Daher sollten „Schmutzige Waffen“ auf Staatsniveau wohl eher als ein Mittel der Einschüchterung betrachtet werden und nicht mehr als das. Für ideologisch motivierte Terroristen dürfte das jedoch kein Hindernis darstellen. Hans Küng schrieb bereits 1993 „Wenn Gott selbst ‘mit uns’ ist, mit unserer Religion, Konfession, Nation, unserer Partei, dann ist gegenüber der Gegen-Partei, die dann ja logischerweise des Teufels sein muß, alles erlaubt. Dann darf sogar im Namen Gottes hemmungslos verletzt, verbrannt, zerstört und gemordet werden“
Eine Explosion in einem Verkehrsmittel - Flugzeug, Zug
Der Absturz der russischen Maschine über Sinai war ein Anschlag. Eine selbstgebastelte Bombe wurde im Flugzeug platziert und zur Explosion gebracht. Solche Anschläge verüben Radikale schon seit geraumer Zeit.
21. Dezember 1988. Eine Boeing der Fluglinie Pan American wird von Terroristen durch eine C4-Bombe über Lockerbie zur Explosion gebracht. 270 Menschen sterben.
24. August 2004. Zwei Selbstmordattentäterinnen zünden zeitgleich ihre Sprenggürtel, zwei Zivilflugzeuge, TU-154 und TU-134, stürzten ab. Es sterben 90 Menschen.

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Eine andere, erst vor kurzem ins terroristische Repertoire aufgenommene Methode - Bomben in Zügen.
03. Dezember 2003. Um 07:42 Uhr Ortszeit kommt es im zweiten Waggon eines Regionalzugs mit der Strecke Kislowodsk - Mineraljnie Modi zu einer Explosion. 34 Menschen sterben noch vor Ort, später stieg die Opferzahl auf 47 Menschen, darunter acht Kinder.
11. März 2004. Madrid. Vier Explosionen in Regionalzügen. 191 Tote und 2050 Verletzte.

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07. Juli 2005. Vier Terroristen zünden in London fast zeitgleich ihre Bomben. In drei Zügen der um diese Uhrzeit überfüllten U-Bahn, eine im oberen Stock des Doppeldeckers Nummer 30. 52 Menschen sterben. Fast 800 weitere werden verletzt.
29. März 2010. Zwei Bomben, offenbar gezündet von Selbstmordattentäterinnen an den Stationen Park Kultury im Süden und an der Lubjanka, reissen in der Moskauer Metro mindestens 38 Menschen in den Tod.
Denkt man dabei noch an die nicht explodierten Bomben auf deutschen Bahnhöfen, wird das Bild komplett. Terroranschläge in Zügen, auf Bahnhöfen sind für Attentäter recht einfach auszuführen. Es gibt kaum Kontrollen, dafür Menschenmassen, in denen man leicht untertauchen kann. Damit die Terroristen gut vorbereitet sind, können sie sich vorab eine Karte der Videokameras erstellen, was ihnen die Möglichkeit bietet, fast unbemerkt von der Polizei zu operieren. Solche Anschläge wurden in der Vergangenheit selten von radikalen islamistischen Organisationen verübt. Sie bevorzugten den Einsatz von Selbstmordattentätern, zum Beispiel, der „Schwarzen Witwen“. Der Akt der Selbstsprengung ist dabei eine Art Theateraufführung in der dem Attentäter die Hauptrolle zukommt. Es ist relativ einfach, sich zu solchen Anschlägen zu bekennen, um seinen Einfluß und Bekanntheit zu steigern.
Ein Terroranschlag bei dem der Hauptakteur nicht im Rampenlicht steht, ist etwas völlig anderes. Er mindert die Bedeutung des Anschlags für die Auftraggeber. Zum einen, kann er nicht komplett aufs eigene Konto verbucht werden und zum anderen tauchen oft Trittbrettfahrer auf, die behaupten, es sei ihr Werk gewesen. Der propagandistische Effekt einer solchen „Unternehmung“ ist geringer, daher sind sie relativ selten. Die Explosion der russischen Maschine über Ägypten zeigt, dass der IS effektiv zu solchen Anschlägen zurück kehren kann. Kommt dann zu der Explosion noch ein „Leak" hinzu, dass weitere Attentäter unterwegs sind, erreichen die Terroristen mit Leichtigkeit ihr Ziel. Allgemeine Panik, tausende abgesagte Flüge. Die Regierungen vieler Länder sind damit beschäftigt ihre Landsleute samt Gepäck nach Hause zu holen. Ganze Länder, wie Ägypten, das wirtschaftliche von den Touristen abhängig ist, werden an den Rand des Staatsruins gebracht und damit eine leichtere Beute für radikale Ideologen.
Das kostet Kraft und Ressourcen, auch von den Nachrichtendiensten. Es ist unvermeidbar, dass dadurch andere Bereiche im wahrsten Sinne entblößt und den Terroristen auf dem Präsentierteller serviert werden. Das können lebenswichtige Objekte sein. Atomkraftwerke oder Wasserwerke.
Ziel: Atomkraftwerk und Wasserwerk
Ein Terroranschlag auf ein solches Objekt ist eine schwierige Aufgabe, aber leider keine unmögliche. Allein schon ausgehend vom 9/11, als mehrere Flugzeuge in Geschosse verwandelt wurden und tausende Menschen mit in den Tod rissen. Die theoretische Möglichkeit eines Anschlags auf ein Atomkraftwerk mittels eines Flugzeugs ist vorhanden. Das wird sowohl von den Experten, als auch von den Regierungen anerkannt. Das jüngste Beispiel: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer, stellte eine Studie des Öko-Instituts vor und benannte das Atomkraftwerk Biblis A als "die größte anzunehmende Gefahrenstelle in Europa“.
AKWs, die nach 1973 gebaut wurden, können den Aufprall eines Militärflugzeugs verkraften, das mit einer Geschwindigkeit von 774 km/h auf das Kraftwerk fällt. Aber, obwohl die Geschwindigkeit von Passagierflugzeugen es nicht mit den Militärmaschinen aufnehmen kann, ist ihre Masse um vielfaches höher, was auch eine um einiges höhere Kraft des Aufpralls bedeutet. Darüber hinaus, Verfügen die älteren AKWs über geringere Verteidigungswerte und könnten schon beim Aufprall einer viel kleineren Maschine zerstört werden.
Sollten Terroristen es schaffen eine Passagiermaschine mittlerer Größe in ihre Gewalt zu bringen und sie in ein solches Kraftwerk steuern, erwartet uns ein zweites Tschernobyl, allerdings mit einem weitaus größeren Verseuchungsradius. Die WE-Redaktion wollte wissen, ob und wie solche Objekte geschützt werden. Die Bundeswehr übermittelte unsere Anfrage über die Sicherheit der Objekte an das Innenministerium. Eine Antwort kam nicht.
Der wohl perverseste Anschlag könnte theoretisch verübt werden, wenn Terroristen chemische oder biologische Kampfstoffe in einer Kläranlage zum Einsatz brächten. Einige Ampullen könnten tausende von Menschen treffen, Epidemien und Schockzustände in ganzen Städten herbei führen.

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Anthrax, zum Beispiel, besser bekannt als Milzbrand. Wenn es auf die Haut gerät, setzt die Wirkung sofort ein. Abszesse, Geschwüre, Entzündungen, schwere Durchfälle und fast immer der Übergang in die septische Form, bedeutet - Blutvergiftung. Tödlichkeit - 95%. Man braucht nicht lange nach den Sporen zu suchen. Das amerikanische Militär, zum Beispiel, benutzte Anthrax während der NATO-Übungen in Deutschland in den Jahren 2007, 2009 und 2010. Die BILD-Zeitung berichtete darüber mit Verweis auf den Schriftwechsel zwischen der deutschen Botschaft in Washington und den amerikanischen Militärs.
Die andere reale Gefahr - das Gelangen von chemischen Kampfstoffen in die Hände von Terroristen. Der Kampfstoff „BZ“, z.B., wird durch die Atmungsorgane oder den Verdauungstrakt aufgenommen. Zuerst stellen sich Kopfschmerzen, Verwirrung, Halluzinationen, dann Angstzustände, Konzentrationsstörungen, allgemeine Unruhe im Wechsel mit apathischen Phasen ein. Nach kurzer Zeit ist der Betroffene in einem Zustand völligen Realitätsverlusts. Er hat keinen bewussten Kontakt mehr zu seiner Umwelt. Körperlich sind trockene Schleimhäute, gerötete Haut und Verstopfung sowie starke Pupillenerweiterung zu beobachten.
Bei den Berliner Wasserbetrieben hat man uns beruhigt - die Systeme wären gut geschützt.
„Das Leitsystem unserer Wasserwerke ist von der restlichen IT-Infrastruktur des Unternehmens vollständig getrennt, Zugang zu Räumen, in denen die entsprechende Hardware steht, ist personengebunden und geschützt. Auch unsere Werke sind zugangsgeschützt, vom Werkstor bis zum Eingang zur Leitzentrale“, sagen die Mitarbeiter der Wasserwerke.

Bild:Berliner Wasserbetriebe /WE
Nun, der Mensch lebt bekanntlich von der Hoffnung und eine allgemeine Panik würde nicht weiterhelfen. Allerdings sollten Bürger ihren Politikern diese wichtigen Fragen stellen und ehrliche Antworten bekommen was zu ihrem Schutz unternommen wird.
