Moskau, Foto: WE/AS

Russische Luftfahrtmesse will Sanktionen trotzen

Von Thomas Körbel, dpa.

Moskau (dpa) - Martialisch werden das russische Jagdflugzeug SU-27

und der aufgemotzte ursprünglich sowjetische Kampfflieger MiG-29 SMT
in Szene gesetzt. In Zeiten der schwersten Krise mit dem Westen seit
dem Ende des Kalten Krieges zeigt Russland bei der Luft- und
Raumfahrtmesse MAKS vor den Toren Moskaus Muskeln. Mit der
militärischen Leistungsschau will Russland eine klare Botschaft an
den Westen richten: «Die Sanktionen schaden Moskau nicht.» Die
Strafmaßnahmen wegen der Ukraine-Krise werfen dennoch einen Schatten
auf die russische Schwerindustrie.

Geradezu plakativ verweist die russische Führung darauf, dass die
MAKS-2015 (25. bis 30. August) trotz der harten Wirtschaftssanktionen
die letzte Messe vor zwei Jahren in den Schatten stellen soll.
Industrieminister Denis Manturow erwartet von diesem Dienstag an
Vertreter von 150 ausländischen Unternehmen aus 23 Staaten sowie fast
600 russische Firmen auf dem Flugfeld in Schukowski bei Moskau.

Zwar kommen trotz der Sanktionen auch westliche Gäste, doch die
Stimmung ist verhalten. «Wir haben alle eingeladen, aber angesichts
der bekannten Umstände ist die Zahl der Teilnehmer (aus dem
Westen) gesunken», sagt Dmitri Schugajew vom Rüstungskonzern Rostec.

Neben Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und den USA erwartet
Russland vor allem Aussteller aus Asien - mit China an der Spitze.
Verdreifacht habe sich die Zahl der chinesischen Vertreter, berichtet
die Staatsagentur Tass. Auf der Webseite der Luftfahrtmesse nennen
die Veranstalter insgesamt 11 Gäste aus dem Reich der Mitte - aus
Deutschland werden 15 Unternehmen angekündigt.

Seit Beginn der Ukraine-Krise wirbt Russland offen um Partner im
Osten. Mit der Wirtschafts- und Atommacht China möchte Kremlchef
Wladimir Putin eine enge Handels- und Militärpartnerschaft eingehen
und damit die internationale Dominanz der USA brechen.

Allein der chinesische Boom in Russland ist bislang ausgeblieben. Im
Gegenteil seien die Investitionen aus China seit Jahresbeginn um 20
Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken, berichten
russische Staatsmedien. Grund ist demnach die massive Rubelschwäche.
Die russische Währung befindet sich seit Monaten im Sinkflug im
Vergleich zum Dollar und Euro. In den vergangenen Wochen fiel der
Wechselkurs fast täglich auf ein neues Halbjahrestief.

Die schwere Wirtschaftskrise dürfte bei der schillernden MAKS, einer
der größten Luftfahrtmessen der Welt, jedoch in den Hintergrund
rücken. Moskaus Rüstungsschmieden hoffen auf Milliardenverträge, vor
allem wenn Könige aus dem Nahen Osten in Moskau shoppen gehen. Das
russische Portal Lenta.ru meldet, dass der saudische König Salman bin
Abdelasis al-Saud und Jordaniens Monarch Abdullah II. mit Kremlchef
Putin die MAKS besuchen würden. Eine Bestätigung stand noch aus.

Die gerade von westlichen Sanktionen befreite Nahost-Regionalmacht
Iran schickt Vizepräsident Sorena Sattari zur MAKS. Dabei könnte ein
international kritisierter Liefervertrag für russische S-300
Luftabwehrraketen unterzeichnet werden, sagte ein
Außenministeriumssprecher in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Einen der größten erwarteten Waffendeals könnte Russland selbst fix
machen. Das Verteidigungsministerium kündigte den Kauf von 48
Jagdfliegern vom Typ Suchoi Su-35 an im Wert von umgerechnet etwa 1,3
Milliarden Euro, wie die Wirtschaftszeitung «Wedomosti» berichtet.

Mit Spannung erwartet die Fachwelt auch einen Blick auf den
Hoffnungsträger der zivilen russischen Luftfahrt, den Suchoi
Superjet-100. Doch die erste in Russland entworfene Passagiermaschine
seit dem Zerfall der Sowjetunion leidet unter den Sanktionen des
Westens. Wie aus dem zweiten Quartalsbericht des Flugzeugbauers in
diesem Jahr hervorgeht, könnte ein westliches Lieferverbot für
Baukomponenten die Entwicklung zurückwerfen. Berichten zufolge kommen
40 Prozent der Bauteile aus dem Ausland und sind schwer zu ersetzen.

Krisenstimmung soll aber bei den MAKS-Besuchern auf keinen Fall
aufkommen. Tiefe technische Einblicke sowie spektakuläre Flugschauen
sollen die Besucher einmal mehr begeistern.