Jordanian King Abdullah II visits Russia/dpa

Russisch-türkische Spannungen

Moskau/Istanbul (dpa) - Nach dem Abschuss eines russischen Militärflugzeugs im türkisch-syrischen Grenzgebiet hat sich die ohnehin schon gespannte Lage in der Region nochmals verschärft. Sowohl die Vereinten Nationen als auch die Nato, dessen Mitglied Türkei das Kampfflugzeug abgeschossen hatte, äußerten sich besorgt über eine mögliche Eskalation.

Als Reaktion auf den Vorfall werden alle Luftwaffeneinsätze Russlands gegen die Terrormiliz IS in Syrien ab sofort von eigenen Kampfjets begleitet, wie der Generalstab in Moskau laut des staatlichen Nachrichtenportals «Sputniknews» bekanntgab. Zuvor hätten Bomber keinen derartigen Schutz bekommen. Außerdem wurde der russische Raketenkreuzer «Moskwa» demnach angewiesen, vor der syrischen Mittelmeerküste Position zu beziehen und alle Ziele zu vernichten, die Russlands Luftwaffe in dem Bürgerkriegsland gefährden könnten.

Russlands Nato-Botschafter Alexander Gruschko kritisierte nach der von Ankara beantragten Sondersitzung des Bündnisses am Dienstag, die Türkei sei für ihr Verhalten nicht verurteilt worden. Auch habe Moskau keine Beileidsnote nach dem Tod zweier Piloten erhalten.

Einer von ihnen saß nach russischen Angaben in dem abgeschossenen Bomber, der andere in einem Hubschrauber, der von syrischen Rebellen auf dem Weg zur Rettung der verunglückten Flugzeugbesatzung beschossen wurde. Das Schicksal des zweiten Suchoi-Piloten ist ungeklärt. Für Russlands Streitkräfte sind es die ersten offiziell bestätigten Verluste seit Beginn ihrer Intervention im syrischen Bürgerkrieg im September.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich «äußerst besorgt» nach dem Suchoi-Abschuss. «Der Generalsekretär ruft alle militärisch in der Region verwickelten Parteien auf, alle Maßnahmen darauf abzustimmen, ungewollte Konsequenzen zu vermeiden», sagte sein Sprecher in New York. Das Pentagon teilte mit, der Zwischenfall habe derzeit keine Auswirkungen auf die Aktionen der US-Luftwaffe in Syrien. Französische Kampfjets griffen dort am Dienstagabend gemeinsam mit der US-Luftwaffe erneut IS-Ziele an.

«Der Abschuss ist ein schwerer Rückschlag», sagte der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), der «Huffington Post». Einen Nato-Bündnisfall halte er jedoch «für unwahrscheinlich, weil eine Bewertung des Vorfalls im
Moment unmöglich ist. Um alle Einzelheiten zu kennen, 
müssten beide Seiten Gespräche führen. Doch daran hat zumindest die türkische Seite im Moment kein Interesse.»

Zuvor hatte Vizekanzler Sigmar Gabriel Ankara kritisiert. «Erstmal zeigt der Zwischenfall, dass wir einen Spieler dabei haben, der nach Aussage von verschiedenen Teilen der Region umkalkulierbar ist: Das ist die Türkei und damit nicht die Russen», sagte der SPD-Chef am Dienstag bei einer Konferenz der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Dass die Russen jetzt die Konfrontation auslösen durch die Verletzung des Luftraums, darf einen ja nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die Türkei dort in diesem Konflikt eine schwierige Rolle spielt.» Es sei «denkbar», dass dadurch ein Schaden für die angestrebte Koalition gegen den IS unter Einbeziehung Russlands entstehe.