von Irina Tkachenko, Publizistin
Gerade da - in der Mitte - liegt die Trennlinie zwischen unserer „Wir wollen allen helfen“-Einstellung und der empörten „Müssen wir das alles selbst bezahlen?“- Frage.
Wir müssen uns aber darüber im Klaren sein, dass auch sogenannte 'Boatpeople', die sich in Booten von der afrikanischen Küste nach Europa aufmachen und dabei ertrinken, überwiegend Migranten sind. Das klingt komisch, angesichts der Tragik ihrer Schicksale.
Erst als vor kurzem mehrere tausend Tote zu beklagen waren, sah sich die Politik, ungeachtet aller Definitionen, plötzlich dazu gezwungen, etwas zu unternehmen. Es wurden, as always, massenhaft globale Unternehmungen gestartet: Die EU will Schmugglerschiffe versenken, die Bundeswehr führt Rettungseinsätze bei gekenterten Booten durch. Jetzt sollen die Angekommenen gerechter verteilt werden und die EU plant eine Flüchtlingsquote einzuführen, als ginge es um eine lästige Flugzettelaktion und nicht um tausende Menschenleben.
Wer selbst aktiv werden und im kleinen Rahmen helfen möchte, kann spenden. Sachspenden seien immer willkommen, heisst es auf Anfrage beim Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales. Es wird eine Liste mit Unterkünften in der Umgebung zugeschickt, mit dem Hinweis, dass die Spende persönlich vor Ort abgegeben werden muss. Wer nach Feierabend mit seiner Kiste voll Kleidung bei einer der Adressen ankommt, wird von einem betagten Wächter mürrisch in Empfang genommen und an das Büro weiter geleitet. Dort sitzen dann drei Damen, die darauf bestehen, dass sie leider nichts annehmen, die Kleidung nicht waschen und verteilen können, keinen Lagerraum haben… Und es gibt doch überall in der Gegend Humana-Container, warum wirft man seine Spende nicht einfach da rein? Auf den Einwand hin, dass man die Sachen einfach ohne bürokratischen Aufwand direkt an Menschen weitergeben möchte, die sie brauchen, kommt die Antwort, dass es ja wirklich sehr schade sei, aber leider haben sie jetzt Feierabend.
Die Würde des Menschen ist unantastbar…
Wenn es, natürlich, nicht die der Flüchtlinge oder, noch schlimmer, die der Migranten ist.
Infokasten:
Ein Flüchtling ist eine Person, die ". . . aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will . . ." (Genfer Flüchtlingskonvention von 1951).
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