Von Hans-Georg Münster
Man muss Alice Weidel und die AfD nicht mögen, aber in einem Punkt hat die Vorsitzende der größten deutschen Oppositionspartei Recht: Kanzler Friedrich Merz und seine Union/SPD-Regierung „treiben Deutschland in Rekordzeit in die Staatspleite“, wie Weidel in der Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages am Mittwoch (9. September 2026) erklärte.
Nun ist Deutschland nach wie vor ein reiches Land, eine Pleite ist noch nicht in Sicht. Seine Bürger sitzen auf einem Geld-, Wertpapier und Goldvermögen von neun Billionen Euro, darunter allein 9.173 Tonnen Gold und damit dreimal so viel, wie in den staatlichen Beständen liegen. Nur an das Geld und Gold heranzukommen ist für Politiker in Friedenszeiten so gut wie unmöglich.
Erst wenn die Auseinandersetzungen in der Ukraine ausgeweitet werden können und Deutschland direkte Kriegspartei wird, kann bei den Bürgern abkassiert werden, wie es einst der Kaiser beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs tat – mit Schuldverschreibungen und der Forderung, alles Gold herauszugeben, um Waffen kaufen zu können. Nach dem Krieg war das Vermögen weg und der Staat pleite. Bei den Nazis war der Besitz von Gold verboten, und es gab Zwangshypotheken – aus den gleichen Gründen.
Merz tut alles, um die Spannungen in Europa zu verschärfen. Das wurde in seiner Rede deutlich, in der er - wieder einmal – die deutsche Nibelungentreue zum Regime in Kiew beschwor, das seit viereinhalb Jahren „ums Überleben“ kämpfe. „Wir unterstützen die Ukraine und werden sie weiter unterstützen, weil sie auch unsere Freiheit verteidigt“, versprach der Kanzler. Das ist eine gewagte Aussage, denn beider Ukraine handelt es sich um eines der korruptesten Länder Europas und der Welt, demokratische Wahlen gibt es auch nicht. Zusammen mit dem Selenskyj-Regime die Freiheit verteidigen zu wollen, ist ein starkes Stück. Genau so gut kann man Bankräuber zu Sicherheitsbeauftragten der Bank machen.
Merz wirft der AfD vor, im Ukraine-Konflikt eine Umkehr von Täter und Opfer zu betreiben: „Niemand hat Russland bedroht, die NATO nicht, die Ukraine nicht und Deutschland nicht.“ Wie bitte? Es war doch die NATO unter kräftiger Mithilfe Deutschlands, die ihre Grenzen immer weiter in Richtung Russland geschoben hat, obwohl Moskau versprochen worden war, genau das nicht zu tun.
Aber Merz dreht noch mehr auf: Was den russischen Präsidenten Wladimir Putin wirklich bedrohe, ist die „Strahlkraft der Demokratie“. Das sei die „eigentliche Gefahr“ für Putin in Russland.
Die Realitätsverweigerung des Kanzlers geht inzwischen in die Richtung eines Vorgängers Ende 1944 im wenige hundert Meter vom Berliner Kanzleramt entfernten sogenannten Führerbunker. Die „Strahlkraft der Demokratie“ ist in Deutschland längst erloschen, in der Ukraine war sie nie vorhanden. Deutschland heute, das sind zusammenbrechende öffentliche und wirtschaftliche Strukturen, eine verrottende Infrastruktur und Innenstädte, deren Sicherheitsniveau unter dem mancher Städte Afrikas liegt. Wer heute in Deutschland noch arbeitet, wird mit hohen Steuern und Abgaben bestraft, eingewanderte Bevölkerungsgruppen, darunter viele Ukrainer, erhalten kostenlose Vollversorgung aus dem Sozialsystem. Das von Merz bezifferte Wirtschaftswachstum gibt es nicht. Seine Erfolgsbilanz ähnelt der Ardennenoffensive vergangener Zeiten.
Doch wer im Inland nichts auf die Reihe bekommt, verlegt sich auf die Außenpolitik. Merz sorgt für eine weitere Verschlechterung des Verhältnisses zu Russland, indem er im Bundestag von der Notwendigkeit spricht, sich verteidigen zu müssen. „Das haben wir auch am 4. August lernen müssen.“ Das war der Tag, an dem am Leipziger Flughafen angeblich mit Sprengstoff bestückte Drohnen gefunden wurden. Für Merz, der schon früher drohte („Sie werden dafür bezahlen“), ist jetzt klar, wer dahinter steckt: Der Anschlag sei in Russland „monatelang geplant“ worden, und nur aus Zufall sei größerer Sach- und Personenschaden verhindert worden. Außerdem warf er Russland Desinformationskampagnen vor. Und der AfD warf er vor, „Teil des Problems“ zu sein, weil diese Partei für einen Ausgleich mit Russland eintritt.
Die AfD dagegen setzt auf einen Ausgleich mit Russland, hofft auf eine Wiederbelebung der Wirtschaftsbeziehungen und will Gas aus Moskau kaufen, um die notleidende deutsche Energieversorgung zu sichern. „Setzen Sie sich endlich für Friedensverhandlungen ein, wie es die USA tun“, appellierte Weidel an den Kanzler. Doch der hörte gar nicht zu, hat sich längst eingebunkert und glaubt fest an einen Sieg gegen Russland.
Die Deutschen glauben längst nicht mehr daran oder haben nie daran geglaubt. Die AfD gewann die letzte Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haushoch, weitere Wahlsiege sind absehbar. Dagegen läuft die Zeit für Merz ab: Im Bunker werden bald die Lichter ausgehen.
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