Willy Wimmer, Staatssekretär a.D., am Telefon im Gespräch mit Prof. Dr. Alexander Sosnowski, Chefredakteur World Economy
WE: Wir sind gerade in einer interessanten Situation. Einerseits haben Russland und die USA keine besonders guten Beziehungen, eigentlich sind sie sogar eher an einem Tiefpunkt angelangt. Aber zwischen den Präsidenten Trump und Putin andererseits, scheint es eine Art Verständigung zu geben. Trump rief Putin nach dessen Pressekonferenz an. Putin hat sich gerade bei Trump persönlich für die Informationen bedankt, die zur Vereitlung eines Terroranschlags in Sankt Petersburg geführt haben. Wie kann man das beurteilen, dass die Länder sich in einer Neuauflage des Kalten Krieges zu befinden scheinen, aber die Präsidenten recht gut miteinander können?
Man muss das unter mehreren Gesichtspunkten betrachten. Zum einen ist da der gestrige Tag. Es war natürlich eine spektakuläre Nachricht über die Zusammenarbeit zwischen der CIA und den russischen Diensten, die einen möglichen Anschlag in Sankt Petersburg verhindert hat. Die Nachricht war die Spitzenmeldung bei allen internationalen Nachrichtenkanälen, aber man sah natürlich direkt die politische Kampflinie: bei CNN, diesem Anti-Trump Krawallsender aus Amerika, sucht man diese Nachricht vergebens. Das macht deutlich wo die Kampflinien in der heutigen Zeit verlaufen. Das ist das Erste. Das Zweite ist: die Welt ist über diese Nachrichten froh. Man kann ja vorweihnachtlich sagen, hier wird der Stern von Betlehem als Hoffnungszeichen von zwei Smartphones abgelöst. Das eine hält der amerikanische Präsident in der Hand und das andere der russische Präsident. Und es ist spektakulär, dass der russische Präsident Putin, in seiner berühmten Jahrespressekonferenz den amerikanischen Kollegen - was die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des Präsidenten Trump betrifft - fair beurteilt. Und es ist ebenso spektakulär, wenn der amerikanische Präsident, einen Anruf des russischen Kollegen Putin entgegen nimmt, der sich ausdrücklich bei der CIA bedankt. Vor diesem Hintergrund schöpft die Welt Hoffnung.
Ich glaube, dass auch eine dritte Komponente dabei eine Rolle spielt. Bei den ganzen Problemen mit denen wir es derzeit global zu tun haben, haben die Menschen das merkwürdige Gefühl, dass zwei unterschiedliche Vorstellungen in der Welt sind. Auf der einen Seite sollen die Konflikte militärisch ausgekämpft werden - dafür steht die amerikanische Kriegspartei. Und auf der anderen Seite - sollen diese Konflikte friedlich gelöst werden. Und das geht nur durch eine Zusammenarbeit zwischen Putin und Trump oder Trump und Putin. Und das ist am Ende dieses Jahres sichtbar möglich.
WE: Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob jemand aus dem deutschen Politikbetrieb dazu in der Lage wäre direkt mit Präsident Putin zu sprechen und ihm, zum Beispiel, für die Bekämpfung des Islamischen Staates in Syrien zu danken? Oder mit ihm als einen Partner zu reden? Wäre einer der aktiven deutschen Politiker dazu in der Lage?
Da kann ich mir bei bestem Willen niemanden vorstellen. Die deutsche Politik hat bei der Bekämpfung des islamistischen Terrors in Syrien oder auch dem Irak unter Beweis gestellt, dass sie sich nicht an das Völkerrecht hält und mit denen gemeinsame Sache macht, die ihrerseits gemeinsame Sache mit dem Islamischen Staat gemacht haben. Man muss sich ja nur an die Erkenntnisse des ehemaligen DIA-Chefs Michael Flynn, des amerikanischen Generals, erinnern, der für kurze Zeit Sicherheitsberater von Präsident Trump gewesen ist, dann weiss man ja, wer hinter dem Islamischen Staat steht und stand. Das hat sich für die deutsche Politik nicht geändert.Und zum anderen bildete die Bundeskanzlerin mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Obama ja nun wirklich die Speerspitze der Globalisten - und sie sind es immer noch - die alles dafür unternommen haben Schwierigkeiten mit der Russischen Föderation auszubauen und Russland aus Europa heraus zu drängen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand in Berlin in der Lage wäre so unbefangen auf die Dinge zuzugehen, wie das für den amerikanischen Präsidenten Trump gilt.
WE: Wie sieht da die Zukunft der NATO aus? Es gibt ja Anzeichen dafür, dass es in Europa einige Krähte gibt, die weg von der NATO und hin zu etwas Neuem streben?
Sieht man sich die NATO in ihrem Aggressionsverhalten an, eine wirklich unter Bruch aller Zusagen durchgeführte Aufrüstung an der russischen Westgrenze vorzunehmen, dann muss man, natürlich, daneben die Bemühungen der Europäischen Union im Zusammenhang mit „Pesco“ halten. Das ist keine unabhängige, westeuropäische, auf Verteidigung ausgerichtete Formation. Das ist die NATO unter einem Tarnbegriff. Es ist nichts anderes als die globale Aufrüstung, wie wir sie mit der NATO auch schon gesehen haben, nur jetzt durch eine westeuropäische Komponente ergänzt. Aber, was die Globalisten anbetrifft, ist die heutige Zeit noch von etwas anderem bestimmt. Zu nennen ist die Lahmlegung des amerikanischen Flugzeugträger-Geschwaders mit dem Namen „Hollywood“. Was dort mit dem „Weinstein-Skandal“ und den daraus resultierenden Konsequenzen passiert ist, ist nicht mehr und nicht weniger als die Zerschlagung eines auf die Demokraten von Amerika ausgerichteten, gewaltigen Propagandaapparates. Das erlaubt in der heutigen Zeit Telefonate zwischen den Präsidenten Putin und Trump. Das muss man in aller Deutlichkeit sagen. Das wird in der Öffentlichkeit zwar nicht so wahr genommen, aber bei dem Versuch einen neuen Flugzeugträger mit dem Namen „Pesco“ aufs Wasser zu setzten, muss man sehen, dass in den Vereinigten Staaten der Flugzeugträger „Hollywood“ dabei ist unter die Wasseroberfläche zu versinken. Auf die letzte Komponente achtet niemand. Die Leute denken immer, das wären irgendwelche Skandale, die in der Person des Herrn Weinstein zum Ausdruck kommen. Das ist es zwar auch, aber Hollywood hat eine enorme Bedeutung als Unterstützungsapparat für die Demokratische Partei. Und der ist im Augenblick lahm gelegt. Die ganze Hollywood-Front ist gerade mit sich selbst beschäftigt. Man muss das gesamte Bild sehen und da ist es von zentraler Bedeutung, dass Weinstein gefeuert wurde, weil damit ganz Hollywood gefeuert wurde.
WE: Herr Wimmer, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Bilder: @depositphotos
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