Politisches Telegramm von Dr. Norbert van Handel

Vor Ostern möchten wir noch einen Leserbrief zur Kenntnis bringen, als Reaktion auf ein Interview von den durchaus seriösen „OÖ-Nachrichten“ mit Emil Brix, einem älteren österreichischen Spitzendiplomaten.

Brix hat sich – dafür ist er bekannt – skeptisch für die Neutralität ausgesprochen und durchaus auch einen Nato-Beitritt als möglich genannt.

Als der Unterzeichnete seinerzeit als Delegationsleiter verschiedener österreichischer Missionen bei der OECD in Paris, bei der ECE (UNO) in Genf und bei der internationalen Handelskammer in Brüssel österreichische Interessen vertrat, hat er vielfach von deutschen Diplomaten und Freunden gehört, wie sehr man bedauert hat, dass Adenauer seinerzeit den Vorschlag Chruschtschows, Deutschland neutral zu machen und dafür die Wiedervereinigung zu bekommen, abgelehnt hat.

Wir glauben nach wie vor, dass die Neutralität Deutschlands sinnvoll gewesen wäre, statt heute Milliarden im Zusammenwirken mit einer dekonstruierten EU, ohne ihre 27 Mitglieder zu fragen, in einen Krieg zu investieren, den Länder führen, die weder Mitglied der EU noch der Nato sind.

Natürlich ist die Ukraine ein europäischer Staat, aber ebenso ist Russland zumindest bis zum Ural ein europäischer Staat und langfristig muss Russland ein wesentlich wirtschaftlicher und politisch interessanterer Partner werden, als es derzeit die USA ist.

In diesem Sinne haben wir beiliegenden Leserbrief verfasst, den wir gerne zur Kenntnis bringen:

LESERBRIEF

Emil Brix: „Neutralität ist kein Sicherheitsinstrument“

Dass der Spitzendiplomat Emil Brix die Neutralität nicht sehr schätzt, ist bekannt.

Wenn man allerdings die Verfassung und das Neutralitätsgesetz anschaut und weiß, wie sehr wir zehn Jahre nach dem zweiten Weltkrieg kämpften um wieder frei und souverän zu werden und wie sehr dabei auch die Sowjets zur Bedingung eine selbst gewählte Neutralität machten, versteht man Herrn Brix nicht wirklich:

Natürlich ist die Neutralität kein „Sicherheitsinstrument“, dies aber, weil man durch Jahrzehnte die gleichzeitige Verpflichtung zur Verteidigung des Landes „mit allen Mitteln“ einfach nicht erfüllte.

Die Neutralität ist die rechtliche Grundlage für eine adäquate Landesverteidigung, die aber lange Zeit nicht erfüllt wurde.

Man kann nur die Verteidigungsministerin unterstützen, die alles macht, um das Bundesheer (ähnlich wie die Spannocchi Doctrine seinerzeit) wieder aufzurüsten und somit der Teil der Neutralität ist, der so lange vernachlässigt wurde.

Ein Nato-Beitritt scheint uns überhaupt das dümmste zu sein, was ein neutraler Staat machen kann.

Man sehe sich allein jetzt in der chaotischen globalen Kriegssituation an, wie wenig der Einfluss der Nato geworden ist.

Als alter patriotischer Österreicher wäre es schön, wenn Herr Brix seine Meinung überdenken könnte.“

Mit herzlichen und gesegneten Osterwünschen

Ihr

Dr. Norbert van Handel                             

Bilder: depositphotos  

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