Schon jetzt finden sich in der Presse massenweise Vermutungen und Mutmaßungen, wo das Treffen statt finden könnte. Man sprach bereits über Reykjavik, Paris, Budapest, sogar über Jalta. Obwohl der Ort des Treffens nicht so wichtig ist.
Nichtmal der Inhalt. So glaube ich, zum Beispiel, nicht, dass die beiden Präsidenten sogleich damit anfangen werden gemeinsame Pläne zu schmieden. Trump ist der erste Politiker von Weltformat, der eine einfache Wahrheit verinnerlicht hat: willst du einen Russen zum Schmunzeln bringen, erzähle ihm von deinen Plänen (darin liegt übrigens das Geheimnis des immer zu ironischen Witzen aufgelegten russischen Präsidenten).
Prof. Dr. Dmitri Vydrin, Philosoph und Autor
Einer der beiden schaffte es, ein riesiges Land - das davor auf ewig in die Knie gegangen zu sein schien - wieder hoch zu stemmen. Der andere stoppte den unaufhaltsam schienenden Fall eines anderen riesigen Landes. Und noch interessanter, wie werden die Stimmung, die Aura sein, ganz abseits der Gesprächsinhalte? 
Genau dieser „Flow“ wird nämlich für viele Jahre die Weltpolitik bestimmen. Also haben wir versucht uns dieses (noch) nicht existierende Gespräch vorzustellen und so gut es geht wieder zu geben.
Phantasmagorisches Theaterstück in einem Akt mit zwei Hauptdarstellern, drei Nebendarstellern und dem Rest der Welt.
Hauptrollen:
Donald T., Vladimir P.
Ort:
Oval Office und der Kreml
Nebendarsteller:
Angela M., François H., Theresa M.
Massenszene:
Der Rest der Welt
Der Kreml. Vladimir P. greift zum Telefonhörer:
Dobrij den’!
Oval Office. Donald T. nimmt den Hörer ab:
Hi!
Der Rest der Welt: Lauter Applaus!
Angela M., François H., Theresa M.: Friedhofsstille.
Vladimir P.:
Ehrlich gesagt, alles was „zu viel“ ist, gefällt mir nicht besonders - zu viel Reichtum, zu viel Gewicht, zu viel Ehrlichkeit… Russen neigen eher zur Askese - wie die Amerikaner zum Überfluss. Sie sind ein Mensch des Überflusses, aber irgendwie finde ich sie sympathisch.
Das liegt daran, dass wir einander so ähnlich sind. Aus dem gleichen „Karass“, wie mein Lieblingsautor Vonnegut sagen würde.
Vladimir P.:
Ich habe „Die Katzenwiege“ natürlich gelesen, aber bitte, suchen sie nicht nach einer höflichen Katze im dunklen Zimmer, wie eine alte chinesische Weisheit sagt.
Donald T.:
Kein Wort auf Chinesisch! - hab’ sie schon gefunden! Das liegt daran, dass wir beide rothaarig sind. Nur wenige Menschen verstehen, was es sich mit den Rothaarigen auf sich hat und was sie von den anderen unterscheidet, auch in der Politik. Nur Rothaarige wissen, was sie wollen und was nicht.
Angela M., François H., Theresa M.: Friedhofsstille
Vladimir P.:
Man nennt sie in den USA „Der Böse Weiße Mann“. Stimmst?
Donald T.:
Siehst du? Dabei bin ich ein Rothaariger. Der ruhige, rothaarige Mann. Wie Du auch. Übrigens, lass uns zum „Du“ übergehen. Und Du bist erst jetzt echt rothaarig, davor warst du mal schwarz, mal weiß.
Vladimir P.:
Komisch. Und wie viele sind wir in dem Rothaarigen-Klub?
Donald T.:
Bis jetzt noch nicht so viele, Du, ich, Marine und meine Tochter.
Vladimir P.:
Ach, Marine? Meinst du Mascha Le Pen? Das ist aber reichlich dünn.
Donald T.:
Rothaarige und Slawen können per se keine Freunde haben.
Vladimir P.:
Echt jetzt? Wir sind es aber doch?
Donald T.:
Wolodja, wieso habe ich eine slawische Frau? Slawen kann man nur lieben oder hassen. Wenn der Amerikaner über sich nach denkt, dann denkt er an seine Zukunft. Ein Araber, der über sich nachdenkt, denkt an die Vergangenheit. Ein Europäer - an die Gegenwart. Der Russe aber, denkt an die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das ist in einer Freundschaft nicht auszuhalten.
Der Rest der Welt: Lauter Applaus
Vladimir P.:
Donny, spasibo. Sehr präzise, aber noch besser wäre, wir würden weniger nachdenken und mehr unternehmen. Aber was ist mit deiner bezaubernden Melania?
Donald T.:
Ich liebe sie einfach, sie hat aus mir einen Präsidenten gemacht, aber befreundet bin ich mit meinem Gärtner, der den tollen Rasen verlegt hat. Kurzum, und das sage ich dir von rothaarig zu rothaarig, hör auf um die Freundschaft mit Russland zu kämpfen, kämpfe um die Liebe zu ihr.
Vladimir P.:
Scharf! Dein Name bedeutet übersetzt übrigens „Trumpf“.
Donald T.:
Rothaarige sind immer Trumpf.
Vladimir P.:
Haben sie, sprich wir, irgendein Geheimnis, eine Magie? Hochentwickelte Technologien? Immer muss man beweisen, dass man nicht selbst aus dem Tritt ist, sondern, dass die anderen einfach nicht mithalten können. Russland, zum Beispiel…

Donald T.:
Jap, Kumpel, Du bist ein echter Rothaariger - man wird euch lieben und fürchten. Alle werden nach eurem militärischen Marsch tanzen.
Vladimir P.:
Ich weiß… Ähm… Aber was ist mit den USA?
Donald T.:
Kümmere Du dich mal um Russland und ich werde mich um Amerika kümmern. Es ist mir egal, wer vollgekümmelt wird. Hauptsache nicht Du.
Vladimir P.:
Man kann niemanden voll krümeln, der größer ist. Wenn schon nicht von der Höhe, dann wenigstens von der Größe des Traums her.
Donald T.:
Und genau deswegen, sind wir beide die einzigen auf der Welt, die an ferne Galaxien denken. Do swidanija.
Vladimir P.:
Bye-bye.
Angela M., François H., Theresa M.: Friedhofsstille wird noch stiller.
Donald T. legt auf, bringt seine Frisur wieder in Form, drückt den Knopf der Gegensprechanlage:
„Bringen sie mir einen Big Mac und einen Wodka… Was, es gibt keinen Wodka? Sie sind gefeuert!“
Vladimir P. schaut nachdenklich das Telefon an, drückt den Knopf der Gegensprechanlage:
„Die haben da drüben in den USA gar keinen Respekt mehr vor ihrem Präsidenten. Hört mal, schickt Donald eine gute Flasche Wodka. Einen russischen!“
Der Rest der Welt: Lauter Applaus
Diese Geschichte ist (fast) erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit echten Persönlichkeiten sind zufällig und haben nichts mit den US-Russischen Beziehungen zu tun.
Redakteur der Phantasmagorie: Prof. Dr. Alexander Sosnowski
Bilder: @depositphotos
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