Rom/Mailand (dpa) - Papst Franziskus hat bei einer Privataudienz mit
dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu gemeinsamen
Anstrengungen für eine Lösung des Ukraine-Konflikts aufgerufen.
Franziskus habe in dem etwa 50 Minuten langen Treffen «bekräftigt,
dass eine aufrichtige und große Anstrengung nötig ist, um den Frieden
zu realisieren», teilte der Vatikan am Mittwochabend mit. Zuvor war
Putin mit Italiens Regierungschef Matteo Renzi zusammengetroffen und
hatte wenige Tage nach dem G7-Gipfel eine Zusammenarbeit mit der
Gruppe der sieben führenden Wirtschaftsnationen ausgeschlossen.
Russland sei zu bilateralen Kontakten mit den Mitgliedern bereit,
sagte der Kremlchef bei einem Besuch auf der Expo in Mailand. Früher
habe Russland mit dem Gremium zusammengearbeitet und eine
«alternative Sichtweise» beigetragen. «Unsere Partner haben
entschieden, dass sie diese Alternative nicht mehr brauchen.» Wegen
der Ukraine-Krise war Russland im vergangenen Jahr aus dem G8-Format
ausgeschlossen worden. Beim G7-Treffen in Bayern am Wochenende hatten
die Teilnehmer Russland mit neuen Sanktionen gedroht.
Die Krise in der Ukraine war neben der Situation im Nahen Osten auch
das Hauptthema bei der zweiten Privataudienz für Putin bei Papst
Franziskus. Der Argentinier bat laut Vatikan-Sprecher Federico
Lombardi darum, dass sich in der Ukraine «alle Parteien einbringen,
um die Beschlüsse von Minsk umzusetzen». Er schenkte Putin eine
Medaille mit einem Friedensengel und lud nach Vatikan-Angaben zur
«Errichtung einer Welt der Solidarität und des Friedens» ein.
Mit einer Verspätung von mehr als einer Stunde war Putin im Vatikan
eingetroffen. Franziskus begrüßte ihn nach Angaben der italienischen
Nachrichtenagentur Ansa mit einem «Willkommen» auf Deutsch - einer
Sprache also, die auch Putin beherrscht. Das Oberhaupt der
katholischen Kirche erklärte bei dem Treffen auch, es sei nötig, die
schlimme humanitäre Situation in der Ukraine anzugehen. Seit April
2014 liefern sich in der Ostukraine Regierungstruppen und
prorussische Separatisten blutige Kämpfe. Nach UN-Schätzungen wurden
dabei mehr als 6400 Menschen getötet.
Putin traf anschließend den italienischen Staatspräsidenten Sergio
Mattarella und zeigte sich zufrieden mit seinem Besuch in Italien.
«Es war ein sehr interessanter und inhaltsreicher Tag», sagte er nach
Angaben der Agentur Interfax. «Wir haben gut gearbeitet mit dem
Regierungschef und es gab ein gutes Treffen mit dem Papst.» Später
sollte der Kremlchef noch seinen engen Freund, den ehemaligen
italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, treffen.
Die Beziehungen zwischen Italien und Russland gelten als weniger
angespannt als zwischen Putin und anderen EU-Ländern und den USA.
Jedoch sei der Handel zwischen den Ländern 2014 um 10 Prozent und im
ersten Quartal 2015 um 25 Prozent eingebrochen, sagte Putin. Russland
werde auch so andere Partner finden, doch müssten vorteilhafte
Kontakte nicht unbedingt abgebrochen werden. «Früher oder später
werden die Einschränkungen enden, mit denen wir heute zu tun haben.»
Renzi erklärte, man sei sich mit Russland einig, dass das Minsker
Friedensabkommen umgesetzt werden müsse. Der Friedensplan für das
Kriegsgebiet Donbass von Mitte Februar - auch Minsk II genannt -
sollte zur Lösung des Ukraine-Konflikts beitragen. Allerdings ist
weder die Waffenruhe noch der Abzug von schwerer Militärtechnik
umgesetzt. «Russland und Italien treten für eine vollständige
Umsetzung der Minsker Vereinbarungen ein», sagte Putin. Eine
Alternative zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes gebe es nicht.
