New York (dpa) - Die «New York Times» kritisiert am Dienstag die
Einigung der EU im Schuldenstreit als schädlich für Griechenland:
«Am Ende, nachdem er jede mögliche Taktik ausprobiert hatte, schmiss
Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras das Handtuch und nahm die
bisher härtesten Forderungen der Gläubiger hin, um lebensrettende
Maßnahmen für Griechenland zu verlängern und das Land in der Eurozone
zu halten. Das wird wohl eine sofortige Katastrophe abwenden; es gibt
jedoch wenig Grund zu feiern, denn die Einigung wird wenig tun, um
die langsam voranschreitende Katastrophe der griechischen Wirtschaft
anzugehen, noch sie zu reparieren. (...)
Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich am meisten für die
europäische Einheit einsetzen sollte, erklärte nach der Einigung,
diese habe mehr Vorteile als Nachteile. Eins der Vorteile ist, dass
man damit etwas Zeit kauft. Doch wenn diese Zeit nicht genutzt wird,
um darüber zu reden, wie man die griechischen Schulden wirklich
abbauen kann und die erstarrte Wirtschaft zu neuem Leben erweckt,
wird es nicht lange dauern, bis die Führung der Eurozone abermals in
eine quälende Debatte darüber geraten wird, was zu tun ist.
Deutschland und seine Verbündeten haben harte Verhandlungen geführt.
Aber dadurch, dass sie Griechenland zum Einlenken gezwungen haben,
haben sie weder die Krise der Währungsunion gelöst noch das
europäische Projekt vorangetrieben.»