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Mutiert die Liberale Marktwirtschaft in der EU zu einer Planwirtschaft? Teil 2

Red.:  Welche Risiken bedrohen die EU ganz akut? 

M.L: Was sicher für deutsche Unternehmen in den nächsten Jahrzehnten ein großes Problem sein wird, ist Facharbeitermangel. Wir haben eine demographische Situation, in der die jüngeren, es immer weniger Jüngere gibt und die Zahl der gut ausgebildeten jüngeren Leute abnimmt. Das ist für viele deutsche Unternehmen insbesondere im Süden und Südwesten der Republik schon jetzt ein Problem. Es gibt nicht ausreichend gut ausgebildeten Nachwuchs und gleichzeitig eine sehr schwierige Debatte in Deutschland um Zuwanderung und um die Situation, wie sich Deutschland in den nächsten Jahren verändern muss und verändern wird. 

Ich glaube, dass ist eine gesellschaftliche und politische Debatte, die dringend geführt werden muss und zwar nicht immer nur unter dem Aspekt Flüchtlinge und andere schwierige Situationen, sondern durchaus auch unter dem Aspekt wie sichern wir unsere Sozialsysteme, wie sichern wir überhaupt unseren Staatsaufbau, wie sichern wir, dass unsere Wirtschaft auch in Zukunft florieren kann. 

Innovationskraft kommt eben auch von jungen Leuten und nicht so sehr von alten Leuten. Deswegen ist es so wichtig, dass nach wie vor junge Leute dort sind, gut ausgebildete junge Leute eben da sind. 

Wir müssen sicherstellen, dass der Euroraum erhalten bleibt, dass es keinen Zweifel gibt am Erhalt des Euroraums und das gleichzeitig in allen Mitgliedern des Euroraums nach vernünftigen Maßstäben gewirtschaftet wird, dass nicht Einzelne die Regeln überziehen und staatliche Verschuldung über die Maßen wieder generieren. Da muss es Infrastruktur geben, die entwickelt wird, da muss es Know-how geben, das entwickelt wird, da müssen rechtliche Fragen geklärt werden, es ist sehr wichtig, dass Europa hier mehr Geschwindigkeit aufnimmt, besser wird und versucht an dem dranzubleiben, was die Amerikaner uns vormachen.

Red.:  PeGiDa, Griechenland - warum soll Deutschland für Griechenland bezahlen?

M.L: Die Griechen haben zum einen jahrzehntelang unsere Produkte gekauft und sie haben mit zu unserem Wohlstand beigetragen. Da haben wir nie gemeckert. Über jeden Mercedes oder jede Bosch-Maschine, die in Griechenland verkauft wurden, haben wir uns gefreut und dafür haben auch Bosch und Mercedes hier Steuern bezahlt und die Leute, die sie hergestellt haben, haben ihre Lohnsteuer bezahlt. Also das haben wir immer gerne gemacht. Und da muss man auch ehrlich sagen, dass wir seit 30 Jahren wissen, dass die Griechen einen sehr maroden Staatsaufbau haben. Dass wir seit 30 Jahren wissen, dass sie eben dazu tendieren in die Töpfe in Brüssel zu greifen, wenn ihnen die Möglichkeit gegeben wird und, dass die deutschen Regierungen das auch immer wieder mitgemacht haben, zugeschaut haben, auch toleriert haben, manchmal zähneknirschend, manchmal auch nicht. Also wir können nicht so tun, als sind wir plötzlich überrascht darüber, dass dort in Griechenland die Dinge nicht so funktionieren, wie in Baden Würtenberg, sondern, dass die Sachen dort anders laufen. 

Wir brauchen einen Raum, der wettbewerbsfähig ist und da müssen sich Staaten, die nicht in der Lage sind sich ausreichend selbst zu organisieren auch die Größe haben zu sagen, okay, dann lassen wir uns helfen. Und da muss man eben sehen, was sind die Hilfen, die man leisten kann, dann muss man auch über seinen Stolz springen, dass ist immer leicht von Anderen zu verlangen, aber die Situation kann durchaus auch auf Deutschland einmal zukommen. Man muss über seinen Stolz springen können, man muss sagen, es gelten Regeln, die Regeln sind einzuhalten und wichtig und wesentlich ist, dass wir wettbewerbsfähig bleiben. 

Red.: Ist das gerechtfertigt, wenn Europa von Griechenland verlangt keine finanzielle Hilfe von Russland anzunehmen?

M.L: Ich glaube, dass das derzeit etwas aufgebauscht ist. Das ist selbstverständlich ein gutes Recht von Griechenland in Moskau über den Gaspreis zu verhandeln. Die Griechen zahlen einen zu hohen Gaspreis, wesentlich höher als andere und es ist richtig diesen Gaspreis zu korrigieren. Genauso ist es natürlich im Interesse Griechenlands zu sagen, dass griechisches Obst und griechische Landwirtschaftliche Produkte wieder nach Russland verkauft werden sollten. Das ist ein völlig legitimes Anliegen Griechenlands. Trotzdem muss man auch sagen, dass auch Herr Tsipras sicher weiss, dass der Außenhandel Griechenlands mit Russland nur 3-4 % des griechischen Außenhandels ausmacht, also nicht wirklich signifikant ist.

Red.: Macht die deutsche Regierung in dieser Hinsicht etwas falsch?

M.L: Meines Wissens hat die deutsche Regierung das Vorgehen Griechenlands nicht kommentiert, außer Herrn Gabriel, der gemeint hat, er muss da irgendwelche Dinge in die Öffentlichkeit blasen. Ich fand das nicht sehr schlau. Man zieht nicht in der Art und Weise über Kollegen in anderen Regierungen in der Europäischen Union her, sondern man sagt klipp und klar die Dinge hinter verschlossenen Türen.