Femida Selimova

Migrant für 1.EURO

von Femida Selimova, Autorin

Wenn sie in Moskau oder St.Petersburg ein Taxi bestellen, einen Handwerker rufen oder einen Straßenkehrer treffen, können Sie sicher sein - es wird ein Gastarbeiter sein -  „Tadschik“. Das wird wahrscheinlich sogar zutreffen, weil die Masseneinwanderung der Gastarbeiter nach Russland vor allem aus Tadschikistan statt findet. Aber auch Bürger aus Usbekistan, Turkmenistan - den ärmsten Staaten Mittelasiens, sind überwiegend in der Hauptstadt als Gastarbeiter tätig. Hinter dem Ural führen die Chinesen ihre Arbeiteroffensive durch. Und seit es in der Ukraine gewaltig kracht, sind tausende Flüchtlinge auf der Suche nach Arbeit in Russland. Nach Angaben des Russischen Föderalen Migrationsdienstes sind seit Anfang 2015 mehr als 11,5 Millionen „Gäste“ nach Russland gekommen. 

Patentierte Migration

Seit Januar 2015 gelten in Russland neue Regeln. Die Quoten für Migranten, die in vielen Ländern der Welt die Migration regulieren, wurden abgeschafft. Grund dafür war, nach Meinung der Experten, die steigende Korruption unter den Beamten, die für die Regelung der Migration verantwortlich waren. Jetzt wird, statt der Arbeitserlaubnisse und Quoten, ein Patent eingeführt. 

Das Patent erlaubt Migranten aus visumfreien Nachbarstaaten: Aserbaidschan, Ukraine, Kirgisistan, Moldawien, Tadschikistan und Usbekistan in Russland zu arbeiten. Anzumerken ist, dass solche Patente zuvor nur diejenigen Arbeitnehmer erhielten, die eine Anstellung bei Privatpersonen fanden. 

Es wird erwartet, dass die Einführung eines gebührenpflichtigen Patents zwei Millionen Migranten aus dem Schattendasein führen wird. Das Patent soll eine Geltungsdauer zwischen einem und zwölf Monaten erhalten.

Wer ist der Migrant?

Laut einer Umfrage des Zentrums für Ethnopolitische und Regionale Studien, die in acht Regionen durchgeführt wurde, ist der durchschnittliche russische Gastarbeiter - männlich und zwischen 32-33 Jahren alt. Er hat kaum soziale Bindungen, kennt seine Rechte ganz schlecht und ist bereit jede Arbeit aufzunehmen. Er stammt aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens, darunter Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan. Am häufigsten kommt er aus einer ländlichen Gegend, hat keine berufliche Qualifikation und sehr schlechte Russisch-Kenntnisse. Im Durchschnitt verdient er 20-25 Tausend Rubel pro Monat. In Moskau und St. Petersburg verdienen Gastarbeiter mehr - bis zu 40.000 Rubel pro Monat.

Nach offiziellen Angaben sind Arbeitsmigranten meistens in der Baubranche tätig - bis zu 40 % aller Gastarbeiter, 30% - im Handel. Fast 3 Millionen Menschen halten sich jedoch illegal in Russland auf und sind meistens in der Schattenwirtschaft tätig.

Ab dem 1. August sollen ukrainische Bürger, die in Russland leben wollen, entweder ein Patent für die Arbeit erwerben, eine befristete Aufenthaltsgenehmigung oder innerhalb von 120 Tagen Asyl beantragen. Diese Regeln werden Ukrainer, die aus den Donetzker oder Lugansker Regionen geflüchtet sind, kaum betreffen. Bis Mitte des Jahres befanden sich in Russland 2,6 Millionen ukrainischer Bürger.

In vielen russischen Städten, wo oft viele illegale Migranten ganze Bezirke besiedeln,  kommt es manchmal zu Auseinandersetzungen mit Einheimischen. Meistens auf der alltäglichen Ebene. Aber oft kriegen solche Zusammenstoße eine fremdenfeindliche Färbung und enden mit Massenschlägereien. Wiederholt wurden Migranten auch zu Opfern krimineller nationalistischer Gruppen, die meistens aus radikalen Jugendlichen bestehen. Aber auch Einheimische werden gelegentlich von ausländischen Banden drangsaliert. Zum Beispiel, hat eine organisierte kriminelle Gruppe, bestehend aus illegalen Migranten aus Zentralasien, eine ganze Reihe von brutalen Raubmorden an Autofahrern begangen.

INFOBOX

Ein Patent + Nebenkosten könnte bis zu 40000 Rubel kosten. Dazu kommt die Krankenversicherung für etwa 1600 Rubel, ein ärztliches Attest.

Auch eine Sprachprüfung muss her - russische Sprache, Geschichte und Grundlagen der russischen Gesetzgebung – jeweils 5.000 Rubel.

Um ein Patent zu erhalten muss man einiges zusammen kratzen:

• Eine Anmeldung auf ein Patent für einen ausländischen Staatsbürger;

• Reisepass samt notarieller Übersetzung;

• Migrations-Karte, die Arbeit soll als Zweck des Aufenthalts in Russland angegeben werden;

• medizinische Versicherung, die den Migranten eine medizinische Notfallversorgung garantiert;

• Medizinisches-Zertifikat, das das Fehlen von bestimmten Krankheiten bestätigt (Drogenabhängigkeit und andere Krankheiten aus der Set-Liste), ebenso das Fehlen einer HIV-Infektion;

• Die Testergebnisse in Russischer Sprache, Russischer Geschichte und den Grundlagen der Gesetzgebung der Russischen Föderation;

• Eine Bescheinigung über die Zahlung von Geldbußen, wenn Fristen für die Bereitstellung der notwendigen Unterlagen für die Registrierung eines Patents überschritten worden sind

• Dokument über die Migrationsregistrierung;

• Quittung der Entrichtung der Steuer für das Patent;

• Steuer - Identifikationsnummer

Autorin: Femida Selimova berichtet aus Machatschkala und Moskau für WE

Quellen:

<link http: www.fms.gov.ru>www.fms.gov.ru

<link http: finance.rambler.ru news analytics>finance.rambler.ru/news/analytics/135289840.html

<link http: www.rosbalt.ru moscow>www.rosbalt.ru/moscow/2015/07/22/1421432.html

www.panarmenian.net/rus/news/195135/