Seit Dezember 2007 wohne ich unweit von Tutzing am Starnberger See und komme mehrmals wöchentlich an einem Haus vorbei, das offenbar schicksalhaft mit unserer Familie zu tun hat. Geht man von der Tutzinger Hauptstraße Richtung See, kann an dem Haus vorbei gehen, in dem der General Erich von Ludendorff gelebt hat und, wo unser Großvater mütterlicherseits - Fregattenkapitän Karl Richarz - im Sommer 1926 zum zweiten Mal geheiratet hatte und zwar die Tochter Ludendorffs.
ROLAND R. ROPERS, Sprach- & Kulturphilosoph. Kolumnist WORLD ECONOMY
Ich bin der älteste von insgesamt sechs Söhnen unserer Eltern Walter und Margret Ropers (geb. Richarz), die im gesegneten Alter von 87 und 93 Jahren im Jahr 2010 gestorben sind. Mein Urgroßvater war der visionäre Lederfabrikant Leonhard Richarz (1857 – 1932).
In meinem Nachbarort Pähl bin ich nun auf geradezu erschreckende Dokumente gestoßen, die aber auch endlich Aufschluss geben über Geheimnisse, die in unserer Familie streng gehütet wurden. In unserem Hause befand sich eine Fotogalerie von hochrangigen Militärs, deren Gesichter während unserer Kindheit und Jugend in unser Unterbewusstsein eingedrungen waren – da ich schon in jungen Jahren eine Aversion gegen z.T. sehr heroische Kriegsschilderungen hatte, erinnere ich mich heute nur noch an folgende Namen: Großadmiral Erich Raeder, Großadmiral Karl Dönitz, Großadmiral Wilhelm Canaris, Vizeadmiral Graf Maximilian von Spee, General Erich Ludendorff, General Ludwig Wolff, Fregattenkapitän Karl Richarz, Kapitän z. See Richard Prüssen u.a.m.
Wir sind unseren Nachkommen aus Liebe verpflichtet, dass unsere Herkunftsfamilien nicht weiterhin mit falschem Glanz heroisiert werden – mit den Geheimnissen muss endgültig Schluss sein. Es ist völlig unzweifelhaft, dass in unserer Familie sehr Wichtiges verschwiegen worden ist. Die Zahl der sechs Millionen unter Adolf Hitler umgebrachten Juden wurde stets bezweifelt. 
Uns wurde Erich Ludendorff nur im Zusammenhang mit der „Schlacht von Tannenberg“ als Kriegsheld präsentiert. Wir haben nie erfahren, dass er zusammen mit Adolf Hitler am 9. November 1923 in München einen Putsch machte, um an die Macht zu kommen.
Ludendorff und Hitler überwarfen sich allerdings. Erich Ludendorff ging viel mit seinem Enkel Walter am Starnberger See spazieren.
Vermittelt durch Gottfried Feder, dem antisemitischen und rechtsradikalen Wirtschaftstheoretiker, traf Mathilde Ludendorff 1923 Erich Ludendorff, der seit August 1920 in München zu einer Galionsfigur der radikalen Rechten geworden war und mit Adolf Hitler in Verbindung stand. Er fand in den Ideen der „Philosophin“, wie er sie stets nannte, die Begründung der von ihm behaupteten dämonischen Verschwörung gegen Deutschland. Im Kreis der militanten rechtsradikalen Republikgegner um Erich Ludendorff, hoffte Mathilde Ludendorff, die Rolle einer philosophisch-religiösen Vordenkerin spielen zu können. 1926 heiratete die „Philosophin" den „Feldherrn", der 1927 aus der Kirche austrat und im Anschluss an die erst jetzt publizierte Satzung des „Tannenbergbundes" im selben Jahr auch seine „Kampfziele“ formulierte, in denen eine Art Aktionsprogramm des „Hauses Ludendorff“ zu sehen ist.
Wie der General, entdeckte Mathilde Ludendorff zu dieser Zeit in der Freimaurerei einen weiteren Gegner und erklärte einige große Gestalten der deutschen Geistesgeschichte zu Opfern der jüdisch-freimaurerischen Mordintrigen (Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller, 1928). Beide entfalteten darüber hinaus eine rege Vortragstätigkeit.
Erich Ludendorff schrieb in den 1930-er Jahren über seine Frau, die sich gerade ihre „Lichtlehre“ und ihre „Schachtlehre“ ausgedacht hatte: „Die Philosophie Mathilde Ludendorffs wurde Gotterkenntnis.
Konfession: „Gotterkenntnis“ wurde 1937 von Adolf Hitler genehmigt, in der Hauptstraße Nr. 74 in Tutzing befand sich „Die Hochschule für Gotterkenntnis“. „Die gesamte Weltgeschichte ist ein Synagogen-Komplott!“ - predigte Mathilde Ludendorff, die Gründerin der Konfession.Wie ihr Gemahl, der inzwischen sogar an eine „Weltverschwörung“ der tibetanischen Lama-Kirche glaubte und behauptete, Stalin sei ein Beauftragter des Dalai Lama, verstieg sich Mathilde Ludendorff zu der absurden Idee, der Freimaurer Goethe habe Mörder gedungen, um Schiller umzubringen. Sie „enthüllte“, „Rom-Juda“ sei für den Ersten Weltkrieg und für die Kapitulation 1918 verantwortlich. Die Ludendorffs fanden Gehör – nicht bei den neuen Machthabern, wohl aber bei Spintisierern und Eigenbrötlern, die danach dürsteten, wie ihre neuen Wahrsager „Gotterkenner“ zu werden.
Noch ehe der General („Mein Name besitzt weltgeschichtlichen Klang“) 1937 starb, hatte er sich mit Hitler wieder ausgesöhnt. Nun übernahm seine Frau die Rolle der „Schöpfungs“- Norne und erreichte es immerhin, dass ihre Sekte den übrigen nichtchristlichen Gesellschaften offiziell gleichgestellt wurde. Im Kampf gegen die Juden und „Romlinge“ zumindest fanden sie sich: Nazis und Ludendorffianer.
Das trug der approbierten Nervenheilkundigen 1951 ein Verfahren vor der Münchner Spruchkammer ein. Mathilde Ludendorff, die 1939 in ihrer Schrift „Und Du liebe Jugend“ geschrieben hatte: „Deutsches Gotterkennen, das den Sinn des Menschenlebens enthüllt, kann den Deutschen mit seinem Volke in einer unlöslichen Volks- und Schicksalsgemeinschaft verwurzeln und Rasse erhalten. Das wollen wir Antisemiten ...“, wurde „wegen außerordentlicher Begünstigung des Nazismus“ in die Gruppe der „Belasteten“ eingestuft.
Das schreckte indessen weder sie noch ihre Anhänger. Die Ludendorffianer ließen nicht von ihr, schlossen sich in dem „Bund für Gotterkenntnis (L) e.V.“ zusammen (das „L“ steht für Ludendorff), verschlangen weiter die Bücher und 1955 wurde eine „Hochschule für Gotterkenntnis“ eingerichtet.
Erst nachdem im Januar 1959 in der Zeitschrift „Der Quell“ unter dem Pseudonym Felix Wietholdt ein antisemitischer Artikel aus der Feder des früheren Parteipropagandisten der NSDAP Johannes v. Leers (der damals in Kairo lebte) erschienen war, kam es zu juristischen Maßnahmen. 1961 wurde der „Bund für Gotterkenntnis" wegen verfassungsfeindlicher Betätigung aufgelöst, der Verlag „Hohe Warte“ geschlossen, die Zeitschrift „Der Quell“ verboten.
Mathilde Ludendorff proklamierte einen Drei-Fronten-Krieg: gegen Freimaurer, gegen Juden, gegen Jesuiten. Diese Proklamation ist offenkundig nur mit jenem Geisteszustand zu erklären, dem der Biograph des Hauses Ludendorff, Winfried Martini, schon 1948/49 unter den Ludendorffianern begegnete. Martini hatte den Anhängern der Schauerin einige "besonders saftige Stellen“ antisemitischen Inhalts aus den Schriften der Ludendorff vorgelegt, erhielt aber gleichwohl stets die stereotype Antwort, "Frau Ludendorff habe nie etwas gegen die Juden geäußert".
Martini gesteht in seinem Buch "Die Legende vom Hause Ludendorff", es sei ihm nicht gelungen, auszumachen, ob Mathilde Ludendorff selbst an ihre Lehre glaubte oder nicht und kommt zu dem Schluß: "Entweder ist Frau Ludendorff eine infame und schamlose Lügnerin oder sie leidet an psychischen Defekten und an einer hochgradigen Urteilsschwäche, die angesichts ihrer formalen Bildung nur pathologisch verstanden werden können. Ein Drittes gibt es nicht."
Bilder: @Roland R.Ropers / <link http: de.metapedia.org wiki>de.metapedia.org/wiki/Ludendorff,_Mathilde / depositphotos
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