von Philipp Hermes (<link http: bhm-penlaw.com>BHM Penlaw, Partner)
Die gemäßigten Bestechlichkeiten wie in Strukturförderungen von Ländern und Regionen nehmen weniger Raum ein und die kleinen, die salonfähigen Korruptionen, sind nicht einmal mehr eine Pressemeldung wert. Was ist los in unserer Gesellschaft, dass die einen Schmiergeld zahlen und die anderen Schmiergeld annehmen und durch dieses kleine Tauschgeschäft um ein Votum, einen Zuschlag, einen Auftrag Grundfeste unseres Selbstverständnisses erschüttert werden – oder eben auch nicht erschüttert werden.
Der Missbrauch einer Vertrauensstellung zur Vorteilsverschaffung war zu alten Zeiten sozialnormativ nicht verwerflich. Die Herrschenden nahmen Kredite auf, um eine Kaiserwahl zu beeinflussen oder die polnische Königskrone nach Dresden zu tragen. Die Vereinskasse der FIFA wird den Bedarf an Schmiergelder wahrscheinlich decken können. Die anderen sparen sich die Schmiergeldzahlungen an die Prüfungskommission einer medizinischen Fakultät in Osteuropa vom Munde ab, um das Zeugnis trotz guter Noten auch wirklich erhalten zu können. Und manch ein vermögender Vater eines mäßig begabten Abiturienten stellt der Privatschule noch zeitig vor der Abschlussprüfung eine Tischtennisplatte auf den Pausenhof - ein Spross ohne Abitur ist undenkbar in manchen Milieus.
Die einen wollen geschmiert aus viel noch mehr machen; die anderen drehen die Münze, um aus wenig ein klein wenig mehr zu machen. Für den „kleinen Mann von der Straße“ mag man gewisse Sympathien aufbringen, lässt doch das System als solches keinen anderen Ausweg zum eigenen Glück in Wohlstand und Erfolg als die Schmiergeldzahlung an den Kommissionsvorsitzenden. Und hier fließen immerhin Gelder. Von denjenigen, die nicht genug zum Ansparen haben, braucht an dieser Stelle nicht gesprochen zu werden. Schlimm genug. Und dann sind da noch die kleineren Korruptionen in unserem Alltag. Im Dunstkreis von Karnevalsvereinen, Schützenfesten und Parteitagen werden diese ohne Aufschrei quittiert.
Damals wie heute ist Korruption die Wirklichkeit gewordenen Macht, denn nur Mächtige können sich den Luxus von Korruption leisten – und bereits beim Verdacht einer möglichen Vorteilsnahme tief stürzen, wie ein vormaliger Bundespräsident unrühmlich demonstrierte. Je näher wir selbst uns in die Wechselwirkung von Macht und Mächtigen einlassen und unseren Horizont abstecken, desto liberaler urteilen wir über die Vorteilsnahme. Und so kommt, dass die kleinen Salonbestechungen keine Meldung wert sind: wenn der Vorteil nur verlockend genug ist, ist uns allen das Hemd näher als die Hose. Der Aufschrei scheint auch dem Neid geschuldet zu sein, dass manche eben noch machtvoller einen Vorteil gewähren können.
