Export Deutschland. Archiv Foto: Ingo Wagner/dpa

Konsum und Exporte lassen deutsche Wirtschaft solide wachsen

Wiesbaden (dpa) - Starke Exporte und konsumfreudige Verbraucher haben
die deutsche Wirtschaft im Frühjahr angetrieben. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorquartal um 0,4
Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden
mitteilte. Damit kommt Europas größte Volkswirtschaft nach einem
leichten Dämpfer zu Jahresbeginn wieder etwas besser in Fahrt.

Positive Impulse kamen nach Angaben der Behörde vor allem vom
Außenbeitrag: Die Exporte stiegen nach vorläufigen Berechnungen viel
stärker als die Importe. Die Exportnation Deutschland profitiert seit
Monaten vom schwachen Euro. Das macht Waren «Made in Germany»
außerhalb der Eurozone günstiger. Die deutsche Exportwirtschaft legte
trotz eines leichten Dämpfers im Juni das stärkste erste Halbjahr
seit 2011 hin und ist für das Gesamtjahr auf Rekordkurs.

Zudem begünstigt der niedrige Ölpreis viele Unternehmen - und stärkt
zugleich die Kaufkraft der Verbraucher. Denn sie können tendenziell
günstiger tanken und heizen und haben deshalb mehr Geld für andere
Dinge übrig. Das schiebt den Konsum als Konjunkturtreiber an. Die
privaten Konsumausgaben und die Konsumausgaben des Staates
entwickelten sich nach Angaben des Bundesamtes weiter positiv.

Zum Jahresauftakt war der deutsche Konjunkturmotor etwas ins Stottern
geraten: Das reale BIP stieg nach starken drei Monaten zum Jahresende
2014 in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres nur um
vergleichsweise geringe 0,3 Prozent. Damals bremste der Außenbeitrag
- die Differenz der Entwicklung von Exporten und Importen: Zwar
wurden im ersten Quartal mehr Waren und Dienstleistungen exportiert
als Ende 2014. Doch die Einfuhren nach Deutschland stiegen in dem
Zeitraum noch sehr viel kräftiger.

Gebremst wurde das Wachstum im zweiten Quartal durch schwache
Bruttoinvestitionen: Insbesondere in Bauten wurde weniger investiert
als in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres.

Auch die Entwicklungen in China dürften nach Einschätzungen von
Volkswirten nicht spurlos an Deutschland vorbeigehen: Die zweitgrößte
Volkswirtschaft der Welt wächst so langsam wie seit 1990 nicht mehr.
Die jüngsten Turbulenzen an den Börsen im Reich der Mitte sorgten für
zusätzliche Verunsicherung. China ist Deutschlands wichtigster
Handelspartner in Asien. Nun droht auch noch mehr Konkurrenz für die
hiesige Industrie: Mit einer drastischen Abwertung der Landeswährung
Yuan (Renminbi) versucht Peking, die eigenen Ausfuhren anzukurbeln.