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Kluge Leute waren damals wie heute unbequem

Es ist geradezu tragisch, beobachten zu müssen, mit welchen Mitteln unsere angeblich fortgeschrittene Medizin und Naturwissenschaft, den Alterungsprozess des Menschen aufzuhalten und mit den unglaublichsten Heilsversprechen eine ewige Jugend in Aussicht zu stellen versucht.

„Es ist unser Irrtum, dass wir den Tod in der Zukunft erwarten. Er ist zum großen Teil schon vorüber. Was von unserem Leben hinter uns liegt, hat der Tod.“

Lucius Annaeus Seneca. (um 4 v. Chr. – 65 n. Chr.)

Denn die Hinderung des Menschen am „altern“ ist ein manipulativer Eingriff in seine Würde und in seine Entwicklung auf dem Weg zur Erkenntnis und Weisheit. Das wird von den Pharma-Giganten tatkräftig unterstützt und mit Life Science betitelt. Diese Täuschung, nur um Geld zu verdienen, wird eines Tages teuer bezahlt werden müssen. Und die moderne Genmanipulation ist in diesem Zusammenhang der größte verbrecherische Eingriff in den naturgegebenen Schöpfungsprozess.

Es gibt keine „restitutio ad integrum“, eine Wiederherstellung dessen, was einmal war, sondern nur eine „transformatio ad divinum“, eine ständige Verwandlung zum Göttlichen hin.

Jung und alt sind letztlich keine Gegensätze, sondern lediglich Ausdruck eines ständigen Wachstums- und Veränderungsprozesses, der im streng philosophischen und kosmischen Sinne ohne Anfang und Ende ist, sondern ewig fortschreitet.

Konfuzius (551 – 478 v. Chr.) sagte: „Wer am Morgen vom Weg hört, kann am Abend in Ruhe sterben.“

ROLAND R. ROPERS, Sprach- & Kulturphilosoph. Kolumnist WORLD ECONOMY

Zunächst sei bemerkt, dass unser oft negativ besetztes Wort „senil“ auf das lateinische Wort „senex“ zurückgeht und dieses wiederum hat seinen Ursprung in Seneca, dem berühmten römischen Philosophen, Staatsmann und Dichter. Lucius Annaeus Seneca wurde im spanischen Córdoba geboren und erhielt in Rom eine gründliche Ausbildung in Rhetorik und Philosophie. Er war engster Berater von KaiserNero. Von dem Wort Seneca stammt demzufolge auch unser Wort „Senior“, der Ältere. 

Das Altern (engl.: aging) ist streng genommen ein sehr positiv zu bewertendes Geschehen, denn es geht um ständige Veränderung, um ein Reifwerden (Matura), nicht aber, um ein auf den Tod hin zielgerichtetes Dasein.

Seneca selbst, dem wir das Wort „senil“ (alt) zu verdanken haben, schreibt deutlich über den Irrtum unserer Todes-Vorstellung.

Alle Verjüngungsmittel sind nicht dazu geeignet, den eigentlichen Alterungsprozess aufzuhalten. Wir haben den Mut verloren, unser wahres Gesicht zu zeigen und laufen, durch modernste Kosmetika entstellt und verkleistert, maskiert durchs Leben. Jeder möchte aufgrund seiner fatalen Ansichten, das Altern verhindern und versperrt sich damit den Weg zu Wissen, Reife, Transformation, zur Befreiung vom Raupen-Dasein zum Schmetterling. Das englische Verb to alter“ sagt uns sehr deutlich, was wir zu tun haben: sich wandeln, sich verändern.

Viele kennen sicherlich das Buch Senecas „Vom glücklichen Leben“. Seneca selbst war keineswegs glücklich. Von Kindheit an sehr kränklich. Seine Versuche, Kaiser Nero zur Vernunft zu bringen, blieben erfolglos. Er wurde zur Selbsttötung gezwungen, die erst beim dritten Mal gelang (Aufschneiden der Pulsadern, Giftgetränk und schließlich Erstickung im Dampfbad). 

Kluge Leute waren eben damals wie heute unbequem. Auch das Gladiatoren-Spektakel „Brot und Spiele“ erleben wir tagtäglich – es wird immer absurder und von den Politikern unterstützt. Allerdings können die Sklaven heute auch Millionäre werden – der Menschenhandel im Fußballgeschäft hat unvorstellbare Dimensionen angenommen. Eine Neubesinnung auf die eigentlichen Werte des Lebens ist dringend notwendig.

Bilder: @Roland R.Ropers / depositphotos

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