Kiel (dpa) - Die Geldgeber Griechenlands haben nach einer Analyse des
Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) die Verschleppung von
grundlegenden Reformen viel zu lange toleriert. «Keine griechische
Regierung der vergangenen Jahre hat ohne Druck und Kontrollen den
Reformprozess oder die Haushaltssanierung vorangetrieben», sagte
IfW-Experte Klaus Schrader am Dienstag in Kiel. «Erst die
kompromisslose Haltung der neuen griechischen Regierung hat die
mangelnde Kooperationsbereitschaft der griechischen Regierung auf
dramatische Weise transparent gemacht.» Durch die Verschleppung des
Reformprozesses sei die Wende zu einer positiven
Wirtschaftsentwicklung in weite Ferne gerückt.
Haupthindernis für Reformerfolge sei die völlige Überforderung der
griechischen Staatsverwaltung bei der Durchführung komplexer
Reformen, heißt es in der Studie. «Sie bedarf in noch größerem Umfang
als bisher externer Expertenhilfe», sagte Schrader. Nötig seien ein
intensiverer Wettbewerb auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten,
die Flexibilisierung und Öffnung der Arbeitsmärkte, die Vereinfachung
des Steuersystems und eine finanzielle Entlastung des Staates bei
Renten und Pensionen. Griechenland sei auf rohstoff- und
arbeitsintensive Produkte ausgerichtet und stehe damit im
Preiswettbewerb mit Schwellen- und Entwicklungsländern.
Die Kieler Experten befürworten einen Schuldenschnitt, um die
griechischen Schulden wieder tragfähig zu machen: Entweder innerhalb
des Euro mit umfangreichen und nachprüfbaren Reformauflagen oder mit
einem geordneten Austritt aus der Eurozone und einem finanziell
abgefederten Übergang.