Katastrophale Fehlbeurteilungen

In den Jahren nach Stalins Tod 1953 lancierte der neue sowjetische Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow die Idee der "friedlichen Koexistenz". Er griff damit einen Gedanken des ehemaligen sowjetischen Außenministers Georgi Tschitscherin wieder auf, der unter dieser Maxime in den Zwanzigerjahren die Annäherung der Sowjetunion an die westeuropäischen Staaten eingeleitet und den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund vorbereitet hatte (1). Chruschtschow beabsichtige damit aber nicht, den ewigen Frieden auszurufen, sondern gab den Entschluss bekannt, den aus ideologischer Sicht unvermeidbaren Klassenkampf mit den NATO-Staaten mit anderen als militärischen Mitteln auszutragen. Der Krieg der Geheimdienste und die Stellvertreterkriege außerhalb Europas tobten derweil ungehindert weiter. Die "friedliche Koexistenz" als reine Propagandaschau abzutun, ist deshalb ebenso falsch, wie eine direkte Linie zur militärischen Operationsplanung in Mitteleuropa zu ziehen, wie dies ein Bericht des wissenschaftlichen Diensts des Deutschen Bundestags im Jahr 2015 versuchte (2). Es ist bezeichnend, dass gerade diese Untersuchung der Militärdoktrin der Sowjetunion und jener der Russischen Föderation seit den Siebzigerjahren Jahren keine einzige russischsprachige Quelle verwendet, den Namen des ehemaligen sowjetischen Generalstabschefs Nikolai Ogarkov konsequent falsch schreibt und von der Roten Armee spricht, die doch schon seit 1946 Sowjetarmee hieß. 

Zwischen der Militärdoktrin und der Operationsplanung liegt unter anderem die militärische Lagebeurteilung. Auf der Basis seiner Lagebeurteilung kam der sowjetische Generalstab nach 1955 zum Schluss, dass angesichts der militärischen Stärke der neu gegründeten Warschauer Vertragsorganisation (WVO) ein Krieg zwischen dem Westen und dem sozialistischen Block nicht mehr unvermeidlich sei (3). Gemeinsam seien die Verbündeten stark genug, um der NATO Paroli bieten zu können. Das unterscheidet die damalige Lage von der heutigen, in welcher die NATO Russland und seinen Verbündeten in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) konventionell massiv überlegen ist (4). 

Die operative Planung der WVO für einen Kriegsfall in Mitteleuropa bezog sich auf den schlimmsten denkbaren Fall, dass die NATO aus irgendwelchen Gründen die friedliche Koexistenz zu beenden wünschte. Die WVO rechnete immer mit der Annahme, dass der im konventionellen Bereich zahlenmäßig unterlegene Westen eine Aggression mit Kernwaffen eröffnen würde. Der Schweizer Militärhistoriker Rudolf Fuhrer stellte nach Sichtung der Operationsplanungen und Übungsszenarien in den Archiven der ehemaligen WVO-Staaten fest, dass die Ausgangslage immer so formuliert gewesen sei, dass ein umfassender Kernwaffenschlag gegen die DDR und die ČSSR erfolgt sei und möglichst rasch ein Gegenschlag gegen die NATO geführt werden müsse (5). Aus den Erfahrungen der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs bzw. des Großen Vaterländischen Kriegs war die Forderung sowjetischer Doktrin entstanden, wonach nach der Abwehr einer Aggression die Kampfhandlungen so lange weiterzuführen seien, bis dem Gegner Fähigkeit und Motivation zur Fortführung des Kriegs abhandengekommen sind. 

Im Unterschied zu Stalin war Nikita Chruschtschow von der praktischen Nutzbarkeit von Kernwaffen überzeugt und beauftragte dementsprechend die Generalstabschefs der Sowjetarmee, Marschall Matwei Sacharow und Marschall Sergei Birjusow (6) mit der Modernisierung und der Verkleinerung des Heeres. Chruschtschow mag sich durch den Ausgang der Kuba-Krise, als deren Sieger er sich betrachtete, in seiner Ansicht bestätigt gefühlt haben. Die entscheidende Komponente in einem Krieg gegen den Westen sollte künftig der Gegenschlag mit Kernwaffen darstellen, der unmittelbar auf den nuklearen Erstschlag der NATO erfolgen musste. In dieser Phase würden die Heerestruppen eine Grenzschlacht schlagen (7). Das Ziel des Gegenangriffs am Boden musste es danach sein, Westdeutschland als Aufmarschraum für nukleare und konventionelle Kräfte der NATO auszuschalten. Mit anderen Worten: Hätte die NATO die WVO-Staaten angegriffen, dann hätte die Sowjetarmee Westdeutschland verwüstet. 

NATO Vorneverteidigung und Kernwaffen

Der Glaube an die Nutzbarkeit von Kernschlägen herrschte auch im Westen. In der Endphase seiner Amtszeit beauftragte US-Präsident Eisenhower die Revision der Operationspläne der US-Streitkräfte und ihre Zusammenfassung zu einem einheitlichen Operationsplan, dem Single Integrated Operational Plan SIOP (8). 

Eisenhowers Nachfolger John F. Kennedy war nicht zufrieden mit der einzigen Handlungsoption, welche der SIOP-62 ihm ließ, nämlich den weltweiten Kernwaffenkrieg auszulösen. Er forderte eine ganze Palette weiterer Optionen, was schließlich zum Konzept der "Flexible Response" führte (9). Wenn ein US-Präsident infolge der konventionellen Schwäche der NATO bereits wenige Tage nach Kriegsausbruch gezwungen geworden wäre, den Einsatz von Kernwaffen anzuordnen, dann wäre diese Konzeption allerdings faktisch unterlaufen worden. Es blieb nämlich umstritten, ob es gelingen würde, einen mit taktisch-operativen Kernwaffen geführten Krieg zu begrenzen und eine Eskalation zu einem weltweiten Atomkrieg zu vermeiden (10). 

Während die WVO einen nuklearen Erstschlag der NATO und eine Offensive nach Ostdeutschland und die Tschechoslowakei hinein erwartete, fühlte sich die NATO lediglich stark genug, um die Verteidigung am Eiserenen Vorhang, das heißt an der deutsch-deutschen Grenze aufzunehmen. Als Hauptverteidigungslinie wurde die Weser-Lech-Linie definiert. Von einer Offensive in die DDR oder ČSSR hinein war keine Rede. Allerdings erwog die NATO die Verlegung ihrer Atom-Artillerie derart weit nach Osten, dass diese Ziele in Ostdeutschland und der Tschechoslowakei zerschlagen konnte (11). Höhepunkt des Glaubens an den Nutzen von Kernwaffen war die Einführung des leichten Geschützes "Davy Crockett" in der US-Armee, mit welcher eine Gruppe von 5 Soldaten eine Kernwaffe über eine Distanz von 2 bis 4 km verschießen konnte (12). Darüber hinaus spielten Atom-Minen in der Verteidigungsplanung auf westdeutschem Boden damals eine bedeutende Rolle. 

Auch auf Seiten der WVO behielten Kernwaffen in den Operationsplänen ihre Bedeutung. Gemäß geltenden Einsatzverfahren sollten konventionelle Kräfte nach einem Kernwaffenschlag das entstandene Chaos ausnutzen und möglichst rasch vorstoßen. Die extrem optimistischen Annahmen bezüglich der Vormarschgeschwindigkeit der Bodentruppen, wie sie in Operationsplänen und Übungsszenarien zu finden sind, sind nur durch Kernwaffenschläge zu erklären. Mit 100 km pro Tag ist diese drei bis vier Mal höher, als die heutigen Planungsannahmen (13). Dass die Militärs in der WVO solch optimistischen Szenarien selbst skeptisch gegenüberstanden, zeigte der tschechische Historiker Peter Luňák in seiner Untersuchung über den Operationsplan der tschechoslowakischen Volksarmee aus dem Jahr 1964. Gerade dieser Operationsplan, welchen der Schweizer Militärhistoriker Rudolf Fuhrer nicht als Übungsszenario, sondern als Teil eines bislang unentdeckt gebliebenen "Masterplans" des sowjetischen Generalstabs sieht, zeugt vom Glauben an die Nutzbarkeit von Kernwaffen in einem Krieg in Mitteleuropa. 

Nervosität am Eisernen Vorhang

Eine von mehreren Maßnahmen, mit denen die Führung der Sowjetarmee die NATO von der Aussichtslosigkeit eines Angriffs zu überzeugen versuchte, war die permanent hohe Bereitschaft der Truppen: Zu jedem Zeitpunkt hatten 85% der Truppen in der DDR und der ČSSR in den Garnisonen verfügbar zu sein (14). Die Führung der Sowjetarmee begriff offenbar lange nicht, dass diese permanente hohe Bereitschaft im Westen als Bedrohung angesehen wurde, oder ignorierte entsprechende westliche Befürchtungen. Die NATO auf der anderen Seite unterstellte der Sowjetunion während der gesamten Dauer des Kalten Kriegs die Absicht, ihren Machtbereich mittels eines nuklear geführten Kriegs auf alle Länder Europas ausdehnen zu wollen. 

Mit der enhanced Forward Presence der NATO entstand an der Westgrenze der Republik Belarus eine Situation, die immer mehr jener an der innerdeutschen Grenze während des Kalten Kriegs gleicht (15). Nachdem vor wenigen Wochen auf dem litauischen Truppenübungsplatz Pabradė, gerade einmal 8 km von der belarussischen Grenze entfernt, ein neues Lager erbaut wurde, das die dauernde Stationierung eines US-amerikanischen Panzerbataillons erlaubt, kommt in den nächsten Wochen ein weiteres NATO-Panzerbataillon dazu (16). Die Zertifizierungsübung "IRON WOLF II-2021" des gemischten deutsch-niederländischen Panzerbataillons 414 soll nämlich nicht auf dem eigentlichen Standort des Bataillons in Rukla, sondern von Mitte bis Ende Oktober auf dem Truppenübungsplatz Pabradė stattfinden (17). Das Ziel der Übung ist "Combat readiness". Eine derart grenznahe Stationierung verlangt aber die Präsenz von Aufklärungs- und Sicherungselementen bis an die Staatsgrenze. Ein Verzicht darauf wäre aus militärischer Sicht fahrlässig. Das wird seinerseits die Republik Belarus zur Stationierung einer Bataillons-Kampfgruppe zwingen, die den Grenzraum überwachen und zumindest hinhalten kämpfen kann. Die Zeiten, als im Kalten Krieg im sogenannten "Fulda-Gap" permanent Alarmelemente eines US-Panzerregiments in Bereitschaft standen, kehren nun in Litauen wohl wieder zurück (18). Ein Phänomen ist jedoch neu: In den letzten Wochen und Monaten kam eine große Anzahl Flüchtlinge dazu, die es aus Belarus in Richtung der litauischen Hauptstadt Vilnius zieht, deren Stadtrand gerade einmal 30 km von Pabradė entfernt liegt (19). Das hatte es an der deutsch-deutschen Grenze nicht gegeben. 
Polen möchte zusätzlich zu seinen vier eigenen Panzerdivisionen eine US-amerikanische Division auf seinem Territorium stationieren (20). Die Hauptstadt Warschau liegt im Osten und an einem der bedeutendsten Geländehindernisse des Landes, nämlich der Weichsel. Diese Lage wird bei erhöhten Spannungen die Verlegung all dieser Truppen nach Osten und damit in den Grenzraum zu Belarus notwendig machen. Im Verlauf einer Krise ist für eine Eskalation somit von vornherein gesorgt.

Wenn auch der Glaube an die Nützlichkeit von Kernwaffen in Landoperationen heute nicht mehr so ungebrochen ist, wie im Kalten Krieg, und konventionelle Waffen heute operativ-taktische Kernwaffen ein Stück weit zu ersetzen vermögen, so gibt die Entwicklung der letzten Jahre trotzdem Anlass zur Sorge. Die Instrumente zur Überprüfung militärischer Aktivitäten, die teilweise auf die Zeit des Kalten Kriegs zurückgehen, sind in den letzten Jahren abgeschafft oder ausgehöhlt worden. Daran hatten die USA entscheidenden Anteil, aber auch Deutschland war daran nicht ganz unschuldig, indem es sich im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine führend am Missbrauch des sogenannten Wiener Dokuments beteiligte (21). Dass die NATO parallel zu den Beratungen über die enhanced Forward Presence das existierende Verifikationsregime aushöhlte, ist schwer zu verstehen. 

Die Fehlbeurteilung der jeweiligen Absichten des Gegners beschwor im Kalten Krieg die Gefahr der nuklearen Verwüstung Mitteleuropas herauf. Diese Gefahr wird in Belarus, Polen und im Baltikum erneut entstehen, wenn Propaganda und Angstmache den nüchternen Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse verdrängen. Es bleibt zu hoffen, dass die besonnenen Köpfe die Oberhand behalten. Aber Hoffnung ist nicht Teil militärischer Lagebeurteilung; ein effektives System der Verifikation der militärischen Aktivitäten jenseits von Länder- und Bündnisgrenzen hingegen schon. 

In diesen Zeiten hört man an NATO-Kongressen immer wieder "The bear is roaring again" – der Bär brüllt wieder – wenn die Rede von Russland ist. Kürzer lässt sich die eklatante Fehlbeurteilung Russlands nicht ausdrücken. Wenn zum Bild des aggressiven Raubtiers dann noch der Verweis auf die Krallen des Bären in Form von Waffensystemen und Truppen kommt, dann fühlen sich ältere Kameraden an die Propaganda des Kalten Kriegs erinnert. Das Bild stimmt heute ebenso wenig wie damals. 

 

 

Anmerkungen: 

  1. Zum Begriff siehe: Wolfgang Leonhard: Koexistenz, eine Form des Klassenkampfes, in: Die Zeit, 5. Februar 1960, online unter https://www.zeit.de/1960/06/koexistenz-eine-form-des-klassenkampfes/komplettansicht. Zur Außenpolitik der Sowjetunion siehe Rainer Blasius: Des Teufels Botschafter. In London erlebte Iwan Maiski von 1932 bis 1943 fünf Premierminister und drei Könige, traf sich mit Schriftstellergrößen wie George Bernard Shaw und H.G. Wells, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. September 2016, S. 8. Zu Litwinow siehe http://bse.sci-lib.com/article070721.html. Vgl. Gerd Brenner: Zweifrontenkrieg um Russlands Ressourcen, in: World Economy, 04.05.2020, online unter https://www.world-economy.eu/nachrichten/detail/zweifrontenkrieg-um-russlands-ressourcen/
  2. Siehe Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestags: Die Militärdoktrinen der Sowjetunion und der Russischen Föderation seit den 1970er Jahren, Bedrohungsszenarien und Sprache im Vergleich, Ausarbeitung WD 2 - 3000 - 052/15, 26. März 2015, online unter https://www.bundestag.de/resource/blob/412840/2d4ad1e108ccf499692bad325c8c6d48/WD-2-052-15-pdf-data.pdf, besonders S. 7f. 
  3. Im Westen als Warschauer Pakt WaPa bezeichnet. Siehe Wissenschaftliche Dienste: Militärdoktrinen, a.a.O., S. 5. 
  4. Gar keine Zweifel gibt es im Bereich der Verteidigungsausgaben, bei welchen alleine die USA weit vor allen anderen Ländern liegen: https://sipri.org/sites/default/files/2021-04/fs_2104_milex_0.pdf. Siehe auch Global Power Index, besonders der Vergleich USA – Russland: https://www.globalfirepower.com/countries-comparison-detail.php?country1=united-states-of-america&country2=russia. Die militärische Zusammenarbeit besonders mit China im Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) ist eine strategische Partnerschaft und kein militärisches Bündnis und wird auf absehbare Zeit wohl auch kein solches werden. Konkrete Auswirkungen dieser strategischen Partnerschaft sind nicht zu erwarten, denn es ist kaum anzunehmen, dass China Russland in einem Krieg in Osteuropa militärisch unterstützen würde. 
  5. Siehe         Hans-Rudolf Fuhrer, Alle Roten Pfeile kamen aus Osten – zu Recht?“, in Military Power Review der Schweizer Armee, Nr. 2/2012, S. 50, online unter https://www.files.ethz.ch/isn/155690/MPR_2-12%20web.pdf
  6. Siehe https://warheroes.ru/hero/hero.asp?Hero_id=717 und https://warheroes.ru/hero/hero.asp?Hero_id=684
  7. Die Operationspläne namentlich der 5. Armee der NVA sind detailliert aufgearbeitet durch Siegfried Lautsch: Geheime Planungen der Nationalen Volksarmee der Deutschen Demokratischen Republik in den 1980er-Jahren, ÖMZ, online unter https://www.oemz-online.at/display/ZLIintranet/Geheime+Planungen+der+Nationalen+Volksarmee+der+Deutschen+Demokratischen+Republik+in+den+1980er-Jahren.  Ders.: Zur Planung realer Angriffs- und Verteidigungsoperationen im Warschauer Pakt, dargestellt am Beispiel der operativen Planung der 5. Armee der Nationalen Volksarmee der DDR im Kalten Krieg (1983 bis 1986), in: MILITARY POWER REVUE der Schweizer Armee – Nr. 2/2011, S. 20-33, online unter https://www.files.ethz.ch/isn/134495/Gesamtausgabe%20MPR_2_11.pdf. Ders.: Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen, operatives Denken im Selbstverständnis der NVA der DDR in den 1980er Jahren am Beispiel der Operativen Planungen des Militärbezirks V, Zeitzeugenbericht und militärwissenschaftlicher Beitrag, online unter https://www.bmvg.de/resource/blob/5109028/c3b586e64e740fc20dcb7f5f5ebac093/zeitzeugenbericht-lautsch-kurz-data.pdf. Dazu auch: Jakob Saß, Wie die NVA die Bundesrepublik erobern wollte, in: Die Welt, 28.08.2013, online unter https://www.welt.de/geschichte/article119445108/Wie-die-NVA-die-Bundesrepublik-erobern-wollte.html
  8. Für eine Übersicht siehe: HQ Strategic Air Command, History and Research Division: History of the Joint Strategic Target Planning Staff, Background and Preparation of SIOP-62, online unter https://nsarchive2.gwu.edu/nukevault/ebb236/SIOP-62%20history.pdf. Vgl. William Burr: The Creation of SIOP-62, more Evidence on the Origins of Overkill, in: National Security Archive Electronic Briefing Book No. 130, online unter https://nsarchive2.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB130/index.htm. Scott D. Sagan: SIOP-62: The Nuclear War Plan Briefing to President Kennedy, in: International Security, Vol. 12, No. 1 (Summer, 1987), S. 22-51, online unter https://www.belfercenter.org/sites/default/files/legacy/files/CMC50/ScottSaganSIOP62TheNuclearWarPlanBriefingtoPresidentKennedyInternationalSecurity.pdf
  9. Dazu kam die Doktrin der "2½ Kriege" (Two-and-a-half-wars), die besagte, dass die USA in der Lage sein müssten, gleichzeitig zwei regionale Kriege zu führen, sowie zusätzlich einen Kleinkrieg. Vgl. Fred Kaplan: The Doctrine Gap, Reality vs. the Pentagon’s new strategy, bei: Slate, 06.07.2005, online unter https://slate.com/news-and-politics/2005/07/reality-vs-the-pentagon-s-new-strategy.html
  10. Unter Kenendys Nachfolgern Lyndon B. Johnson, Richard Nixon und Gerald Ford wurden verschiedene Handlungsoptionen für den Einsatz des strategischen Kernwaffen-Arsenals der USA ausgearbeitet. Ob die differenzierten Planungen mit verschiedenen Zielkategorien und der Beibehaltung von Reserven von Seiten der Sowjetunion als solche erkannt oder einfach nur als massive Vergeltung interpretiert worden wären, bleibt umstritten. Insbesondere US-Präsident Jimmy Carter forderte aber, dass Kernwaffen ein integraler Bestandteil der Verteidigungsplanung generell werden. Das spricht dafür, dass auch er Zweifel an der Begrenzbarkeit eines Kriegs in Mitteleuropa hatte. Vgl. Francis J. Gavin: The Myth of Flexible Response: United States Strategy in Europe during the 1960s, in: The International History Review, Vol. 23, No. 4 (Dec., 2001), S. 847-875, online unter https://www.belfercenter.org/sites/default/files/legacy/files/CMC50/FrancisGavinTheMythOfFlexibleResponseUnitedStatesStrategyInEuropeDuringThe1960sInternationalHistoryReview.pdf. Für eine kurze Übersicht siehe Tobias Meyer: Flexible Response, online unter https://www.grin.com/document/100675
  11. Siehe Helmut R. Hammerich, Süddeutschland als Eckpfeiler der Verteidigung Europas, zu den NATO-Operationsplanungen während des Kalten Krieges, in: MILITARY POWER REVUE der Schweizer Armee, Nr. 2 /2011, online unter http://www.vorharz.net/media/historie/helmut_hammerich.pdf und https://www.files.ethz.ch/isn/134495/Gesamtausgabe%20MPR_2_11.pdf
  12. Für eine Übersicht siehe http://nuclearweaponarchive.org/Usa/Weapons/Allbombs.html. Spezifisch zur "Davy Crockett" siehe https://web.archive.org/web/20061027175600/http://www.guntruck.com/DavyCrockett.html; die britischen Pendants dazu hießen Wee Gwen und Low-Yield Tony http://www.nuclear-weapons.info/vw.htm#Wee%20Gwen.
  13. Vgl. Parallel History Project on NATO and the Warsaw Pact (PHP), Taking Lyon on the Ninth Day? The 1964 Warsaw Pact Plan for a Nuclear War in Europe and Related Documents, PHP Publications Series, Washington D.C., Zurich, 2000, online unter https://www.files.ethz.ch/isn/108642/warplan_dossier.pdf, namentlich die Aufsätze von Vojtech Mastny: Planning for the Unplannable, ebd. S. 2-8 und Petr Luňák: The Warsaw Pact War Plan of 1964, ebd. S. 9-23. 
  14. Siehe die offiziellen Informationen der NATO dazu: https://shape.nato.int/efp und https://www.nato.int/cps/en/natohq/topics_136388.htm
  15. Siehe "ständige Gefechtsbereitschaft" bei der Nationalen Volksarmee: http://www.flak11.de/ALARM.htm. Vgl. Wissenschaftliche Dienste: Militärdoktrinen, a.a.O., S.10. 
  16. Derzeit ist das 3. Bataillon des 66. Panzerregiments aus Fort Riley, Kansas, in Pabradė stationiert. Siehe https://de.euronews.com/2021/09/01/camp-herkus-eingeweiht-us-soldaten-direkt-an-grenze-zu-belarus und https://pt-br.facebook.com/366AR/posts/1380723828656981/
  17. Siehe "Ein Stück Bergen in Litauen", in Celle heute, 30.08.21, online unter https://celleheute.de/ein-stueck-bergen-litauen
  18. Der Autor hat solche Alarmelemente eines Panzerkavallerieregiments (Armoured Cavalry Regiment) in den Achtzigerjahren in der BRD selbst gesehen.
  19. Siehe Cedric Rehman: Im Herrgottswinkel, in: Der Freitag, die Wochenzeitung, 36/2021, online unter https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/im-herrgottswinkel: "Die Regierung ist jetzt schon überfordert und versucht verzweifelt, Migranten loszuwerden".
  20. Siehe https://augengeradeaus.net/2018/05/polen-will-us-panzerdivision-und-bietet-zwei-milliarden-dollar/
  21. Das Wiener Dokument ermöglicht kurzfristige Inspektionen von militärischen Aktivitäten im Raum der OSZE. Die aktuell gültige Version findet sich unter https://www.osce.org/de/fsc/86599. Zu den Vertrauens- und Sicherheitsbildenden Massnahmen gehörten auch der Vertrag über den offenen Himmel (open-skies-treaty), der von den USA gekündigt wurde. Die Organisation einer permanenten NATO-Präsenz in der Ukraine durch die NATO stellt einen Missbrauch des Wiener Dokuments dar, wie auch nachrichtendienstliche Aktivitäten von NATO-Offizieren im Rahmen der OSZE, die der Verfasser selbst miterlebte. 

 

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