ILLUSTRATION - Eine fast abgelaufene Sanduhr wird am 17.02.2015 in Sieversdorf (Brandenburg) vor eine Griechenlandflagge gehalten. Foto: Patrick Pleul/dpa

Juncker sucht mit Tsipras Einigung über Reformprogramm

Sind Athen und die Gläubiger nur noch einen Atemzug vom Ziel
entfernt? Dies glaubt zumindest ein Teil der griechischen Presse. In
wenigen Tagen wird Griechenland zahlungsunfähig sein. Eine Lösung
muss hier und jetzt gefunden werden.

Athen (dpa) - Das Ende des griechischen Schuldendramas rückt allen
Anzeichen nach näher. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras
reist am Mittwoch nach Brüssel, um mit EU-Kommissionspräsident
Jean-Claude Juncker über den Weg aus der Finanzkrise zu sprechen. Der
Besuch findet auf Einladung Junckers statt, wie die Regierung in
Athen am späten Dienstagabend mitteilte.

«Es geht ums Ganze», titelte das Athener Boulevardblatt «Ethnos» am
Mittwoch. Denn viel Zeit bleibt Athen nicht mehr. Die Kassen sind
leer. Ohne weitere Hilfen könnte Griechenland in wenigen Tagen
zahlungsunfähig sein. Allein im Juni muss Athen knapp 1,6 Milliarden
Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen. 

In der Nacht zum Dienstag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und
Frankreichs Staatschef François Hollande mit EU-Kommissionspräsident
Jean-Claude Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde sowie dem
EZB-Präsidenten Mario Draghi in Berlin einen Kompromiss ausgelotet.
Details ihres «allerletzten Angebots» wurden nicht genannt.

Juncker wird nun nach Einschätzung von Regierungskreisen in Athen
versuchen, die griechischen Reformvorschläge mit den Vorstellungen
der Geldgeber zusammenzuführen. «Einen Atemzug vor dem Ziel», titelte
die regierungsnahe Zeitung «Efimerida ton Syntakton» am Mittwoch.

Tsipras soll nach griechischen Medienberichten bereits ein ganzes
Stück von seinen Wahlversprechen abgerückt sein. Unter anderem lehnt
 er Privatisierungen nicht mehr ab. Eine umstrittene Immobiliensteuer
soll entgegen seinen Wahlversprechen bleiben. Zudem soll es eine
umfangreiche Mehrwertsteuerreform mit mehr als einer Milliarde Euro
Mehrbelastungen für die Bürger geben. Den Athener Kompromissvorschlag
charakterisierte Tsipras als «schwierig» für das Volk.