Moskau (dpa) - Kremlchef Wladimir Putin hat emigrierte Juden zur Rückkehr nach Russland eingeladen. Wer aus der damaligen Sowjetunion ausgereist sei, könne gerne wiederkommen, sagte er bei einem Treffen mit Vertretern jüdischer Organisationen in Moskau. Das gleiche gelte für Juden, die sich in Westeuropa «nicht mehr sicher fühlen». Auch sie seien in Russland willkommen, sagte er der Tageszeitung «Kommersant» (Mittwoch) zufolge.
Putin widersprach bei dem Treffen aber dem Präsidenten des Europäischen Jüdischen Kongresses, Moshe Kantor. Dieser bezeichnete die Situation der Juden in Europa als «schlechteste seit dem Zweiten Weltkrieg». Als ein Beispiel nannte Kantor Frankreich.
Putin sagte, die Formulierung sei etwas zu stark. Allerdings habe auch er gehört, dass sich mancherorts Juden nicht mehr auf die Straße trauen. Ein Forschungszentrum in Tel Aviv hatte für 2014 in Frankreich 164 antisemitische Gewalttaten erfasst - mehr als in jedem anderen Land.
Mit demonstrativer Unterstützung Putins war 2012 in Moskau ein modernes Museum für die zu Sowjetzeiten lange unterdrückten Juden eröffnet worden. Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 sind viele russische Juden vor allem nach Deutschland und Israel emigriert.
