von Olga Granlöf, Schweden
Soziologin, Expertin für Migrationspolitik und den sozialen Staat,
In Schweden hungert niemand und jeder kann gut und viel Essen. Aber das Geld hat nicht immer den gleichen Wert. 100 Euro auf dem Gemüsemarkt und 100 Euro in einem teueren Supermarkt kosten unterschiedlich viel.
Familien mit überdurchschnittlichem Einkommen kaufen mehrmals im Monat in den Markthallen ein. Solche „Volks“- Märkte finden sich aber nur in großen Städten.
Beim Einkauf auf dem Markt spielt der Status des Kunden eine wichtige Rolle. Es ist in Schweden nicht üblich die eigene „Vermögensklasse“ stolz vor sich her zu tragen. Aber bei einem Abendessen mit Freunden wird gern erwähnt, dass das teuere Rinderfilet auf dem Markt in der City gekauft wurde.
Wer den Gürtel enger schnallen muss, wählt eher Geschäfte am Stadtrand - dort ist es günstiger. Bei den jungen und progressiven Bürgern dagegen, fallen Einkünfte bei der Auswahl der Einkaufsmöglichkeit nicht sonderlich ins Gewicht. Die Hauptsache bei der Auswahl ist hier die Bio-Qualität. Beim Blick auf eine schöne, rote, aber spanische Tomate, wird der blassen und teureren - dafür schwedischen - Tomate stets der Vorzug gegeben. Sie ist zwar nicht sonderlich hübsch, aber immerhin ökologisch sinnvoll und regional gezüchtet und wurde nicht mehrere Tausend Kilometer von Schweden entfernt produziert.
Für 100 Euro in einem Supermarkt am Stadtrand (wie ICA oder Coop) kann man in Schweden kaufen:
- 10 L Milch
- 10 L guten Obstsaft
- 2 Kg gutes Hackfleisch
- 10 Kg Apfelsinen
- 5 Kg Äpfel
- 6 Kg Bananen
- 4 Kg Tomaten
- 5 Kg Grünen Salat
- Wenn die Lebensmittel mit einem Bio-Label versehen sind, dann wird der Einkauf um 10 Euro teurer.
- In einem teueren Supermarkt würde eine ähnliche Auswahl um die 300 Euro kosten.
Am billigsten fällt der Einkauf auf dem Gemüsemarkt aus. Beim türkischen Gemüsehändler kosten die Auberginen 1 Euro/Kg, im schwedischen Supermarkt fast dreimal so viel.
