Berlin (dpa) - Nicht nur der Bundestag ist Opfer einer Cyber-Attacke
geworden - auch die Landesparlamente kämpfen regelmäßig mit
Hacker-Angriffen. Allerdings sind diese bei weitem nicht so massiv,
wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. IT-Experten in
den Ländern gehen unterschiedliche Wege, um die Systeme zu schützen.
Auf das Computernetzwerk des Landtags von NORDRHEIN-WESTFALEN werden
nach Angaben eines Sprechers fast jeden Tag Angriffe gestartet. Dazu
zählen allerdings auch Spam-Mails. Im August 2014 fand ein
Virenscanner auf einem Landtagsrechner der Piratenfraktion eine
Spähsoftware. Dabei handelte es sich nach Angaben eines Sprechers der
Piraten um ein Programm, das Passwörter herunterladen kann.
In NIEDERSACHSEN registriert das Innenministerium eine Zunahme
gezielter und professionalisierter Angriffe auf das Netz der
Landesverwaltung, wie eine Sprecherin sagte. Die Verwaltung hatte
erst im vorigen Herbst auf mehreren tausend Rechnern mit der
Installation neuer Browser-Versionen von Mozilla (Firefox) und Google
(Chrome) eine akute Sicherheitslücke geschlossen. Sie hätte es
Angreifern potenziell ermöglicht, sichere Verbindungen mit anderen
Websites vorzutäuschen.
Der Landtag im SAARLAND war in der Vergangenheit bereits Ziel
zahlreicher Hacker-Attacken, wie Landtagspräsident Hans Ley
mitteilte. Mit stets aktueller Sicherheitssoftware seien sie bisher
immer rechtzeitig erkannt und erfolgreich abgewehrt worden. Auch
würden die Mitarbeiter der Verwaltung regelmäßig sensibilisiert.
Auch auf den BAYERISCHEN Landtag gab es bereits Angriffe. «Jede
größere Organisation ist laufend kleineren Attacken aus dem Netz
ausgesetzt, so auch wir», sagte ein Sprecher. «Das war bislang nicht
problematisch, darf aber keinesfalls unterschätzt werden.» Die
IT-Systeme des Landtags seien über die Sicherheitsinfrastruktur des
bayerischen Behördennetzes geschützt.
Dass Angreifer enorme Schäden verursachen können, musste die
Landesregierung von SACHSEN-ANHALT 2013 mit ihrem Portal
www.sachsen-anhalt.de erleben. Ein Hacker legte die Seite damals
zeitweise lahm. Auch die Landtags-Webseite baut auf dieser Plattform
auf. Durch eine Sicherheitslücke war ein schädlicher Code in
die Datenbank eingeschleust worden - wochenlang gab es daraufhin
Ausfälle. Dahinter steckte ein Schüler aus Hamburg.
Der Landtag in HESSEN sieht sich gegen Angriffe durch Hacker gut
gerüstet. Zu den Schutzmechanismen des Computersystems gehörten
mehrstufige Firewalls und professioneller Virenschutz, teilte das
zuständige Innenministerium in Wiesbaden mit. Für die Kosten der
übergreifenden IT-Sicherheit hat Hessen im vergangenen Jahr rund neun
Millionen Euro ausgegeben.
Beim BERLINER Abgeordnetenhaus wurden bislang keine Hacker-Angriffe
registriert. Alle sicherheitsrelevanten Daten seien ohnehin auf
Rechnern, die nicht an das Internet oder Hausnetzwerk angeschlossen
seien, erklärte eine Sprecherin. Das gelte beispielsweise für die
Unterlagen von Untersuchungsausschüssen.
Das BREMER Landesparlament schätzt die Gefahr eines Hackerangriffs
gering ein. Bisher seien keine gezielten Angriffe auf die
IT-Infrastruktur der Bürgerschaft registriert worden, sagte ein
Sprecher.
Der Landtag von MECKLENBURG-VORPOMMERN war nach Angaben eines
Sprechers bisher kein Ziel eines solch massiven Cyber-Angriffs. Die
Daten-Netze des Parlaments seien mehrfach unterteilt, um bei
Manipulationsversuchen nicht komplett ausgeliefert zu sein. Zudem sei
eine zusätzliche Firewall im landeseigenen Datenverarbeitungszentrum
vorgeschaltet.
