G7-Gipfel Foto: Michael Kappeler dpa

G7, Obama, Bier und Einmischen der Politik

von David S. Wulff, Politologe, Valencia.

Die Großen der Weltpolitik sind nun alle zusammen gekommen, schreiben die Medien. Russland ist wieder nicht dabei. Seit 2014 tagen die führenden Industrienationen wieder im G7 Format. Der Ausschluss Russlands ist aber umstritten. Während EU-Ratspräsident Donald Tusk für eine mögliche Verschärfung der EU-Sanktionen wirbt, sprechen sich viele Politiker und Experten für eine baldige Wiederkehr Russlands in den Kreis der Mächtigen aus. Frank Walter Steinmeier warnt vor irreparablen Schäden, welche die Abwesenheit Russlands verursachen könnte.

"Wir brauchen Russland dringend bei der Lösung von festgefahrenen Konflikten in unserer europäischen Nachbarschaft, wie in Syrien, im Irak, in Libyen und beim iranischen Atomprogramm", - wird Steinmeier vom Spiegel zitiert.

Russland bleibt unterdessen unbeeindruckt und beharrt auf der eigenen Position.  «Das, was wir tun, ist bloß eine Antwort auf die Bedrohungen, die an unsere Adresse gerichtet sind», sagte Putin in einem Interview der italienischen Zeitung «Corriere della Sera».

Einige Experten bemängeln grundsätzlich die wirtschaftliche Legitimität der G7. Es wird diskutiert, warum sich dynamisch entwickelnde industrielle Länder, wie Indien oder Brasilien, nicht dabei sind, Kanada dagegen, das auf keinen Fall zu den Top 10 Industrienationen gehört, am Tisch Platz nimmt. Die Stimmen, die die Rückkehr zur G20 fordern, werden immer lauter.

Unterdessen leiden die Staatskassen beim Bund und dem Freistaat Bayern. In 24 Stunden Stunden werden mehr als 130 Millionen € ausgegeben. Mehrheitlich wird Bayern aufkommen, lediglich etwa ein Drittel aller Ausgaben übernimmt der Bund. Mehrere tausend Polizisten - fast 17 Tausend - werden die Staatschefs absichern. Bald werden sich die Gäste zusammen setzen, ihre Gespräche beginnen.

Für Präsident Barack Obama scheint der Gipfel aber in erster Linie ein sehr angenehmer sonniger Tag zu sein, an dem man alle Sorgen vergessen - hinter dem Teich zurück lassen kann.

„Ich habe nur eine letzte Bitte an Angela: Der Tag ist heute so schön, an einem so schönen Tag sollten wir sämtliche Arbeitssitzungen des Gipfeltreffens doch hier, auf diesem schönen Marktplatz, bei einem Glas Bier verbringen“, - sagte Barak Obama bei seinem Eintreffen in München.

 

Foto: EU-Ratspräsident Donald Tusk, Japans Ministerpräsident Shinzo Abe, Kanadas Premierminister Stephen Harper, US-Präsident Barack Obama, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Francois Hollande, Großbritanniens Premierminister David Cameron, Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker stehen am 07.06.2015 in Elmau (Bayern) zum Gruppenfoto zusammen. Foto: Michael Kappeler dpa