Fünf Gründe, warum die britische Wahl für Deutschland wichtig ist. Von Teresa Dapp, dpa

Zugegeben: Im Wahlkampf in Großbritannien ging es
wenig um den Rest der Welt. Außenpolitik, Verteidigung und Europa
waren Themen, die fast alle Parteien mieden. Das heißt aber nicht,
dass es dem Rest der Welt - insbesondere Deutschland - egal sein
kann, ob das Vereinigte Königreich nach der Wahl am 7. Mai vom
konservativen David Cameron oder von Labour-Mann Ed Miliband regiert
wird. Auch der Aufstieg kleinerer Parteien kann viel bewegen. Deshalb
ist der Wahlausgang für Deutschland wichtig:

EU-REFERENDUM: Cameron hat den Briten bis Ende 2017 eine Abstimmung
darüber versprochen, ob sie in der EU bleiben wollen. Davor will er
in Brüssel «Reformen» im britischen Interesse verhandeln - was das
konkret hieße, ist nicht ganz klar. Völlig offen ist auch, wie die
traditionell EU-skeptischen Briten sich entscheiden würden.
Bundeskanzlerin Angela Merkel will das Königreich in der EU halten:
Bei vielen Themen, etwa beim Freihandelsabkommen TTIP von EU und USA
oder der Haushaltpolitik, liegt man auf einer Linie. Unter Miliband
gäbe es - jedenfalls in der kommenden Legislaturperiode - kein
Referendum, er will stattdessen Großbritanniens Rolle in Brüssel
stärken.

HANDEL: Großbritannien ist für Deutschland dem Auswärtigen Amt
zufolge der fünftwichtigste Handelspartner. Nimmt man die
Dienstleistungen dazu, ist es sogar der viertwichtigste. Mehr als
2500 deutsche Unternehmen haben Niederlassungen in Großbritannien.
Deutschland hat also ein Interesse daran, dass es der britischen
Wirtschaft gut geht und die Briten konsumfreudig sind - und damit
auch an einer stabilen Regierung. Die könnte schwierig zu bilden
sein, wenn die Wahl unklare Mehrheiten und starke kleinere Parteien
mit eigenen Interessen hervorbringt. Und danach sieht es aus.

WELTPOLITIK: Die Briten haben einen von fünf ständigen Sitzen im
UN-Sicherheitsrat und beteiligen sich - bisher - mehr als Deutschland
an Militäreinsätzen, zuletzt etwa gegen die Terrorgruppe Islamischer
Staat (IS) im Irak. Wenn die kleineren Parteien mehr zu sagen haben,
könnte sich das ändern: «Das macht es schwerer für die Regierung,
über Auslandseinsätze zu entscheiden», sagt Robin Niblett, Direktor
der auf internationale Beziehungen spezialisierten Denkfabrik Chatham
House. «Wir könnten ein bisschen wie Deutschland werden.»

ATOMWAFFEN: Nur Frankreich und Großbritannien verfügen in der EU über
Atomwaffen. Trident, wie das britische Programm heißt, ist Thema im
Wahlkampf. Labour und Konservative wollen beide die vier U-Boote
erneuern, auf denen die Waffen lagern, es ist ein Milliardenprojekt.
Die kleinen Parteien wünschen sich dagegen günstigere Lösungen
(Liberaldemokraten, EU-feindliche Ukip) oder wollen atomare Abrüstung
(Schottlands Nationalpartei SNP, Grüne). Ob sie sich durchsetzen
könnten, ist allerdings fraglich.

FINANZPLATZ: Die Finanzwelt schaut aufmerksam auf London und damit
eines ihrer weltweit wichtigsten Zentren. Unklare
Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl dürften die Märkte verunsichern.
Käme Ukip auch nur in die Nähe der Macht, «hätten die Märkte
Herzrasen und Firmen müssten das schlimmste befürchten», warnen
Ökonomen vom Bankhaus Berenberg - groß wäre die Angst vor einem
vorgezogenen EU-Referendum.