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Flirten mit Feuer wird keinen Frieden bringen

Jan Tscherny, Autor, Politologe

Das Zitat oben stammt von einem der radikalen ukrainischen Nationalisten, der seine Mitstreiter darin unterrichtet den Straßenkampf bei einem Majdan zu führen, eine Waffe zu benutzen und die Gegner zu töten. Ich würde einen bereits vor einem Jahr von den ukrainischen Sicherheitsdiensten eliminierten Kämpfer nicht zitieren, wenn seine „Ratschläge“ und „Regeln“ nicht wieder angefangen hätten so massenhaft in den Sozialen Netzwerken aufzutauchen. 

Es ist signifikant, dass sich die „Ratschläge“ zum 2. Mai - dem Jahrestag der furchtbaren Tragödie im Haus der Gewerkschaften in Odessa vom 2. Mai 2014 - sichtlich häuften. An diesem Tag haben radikale Anhänger des neuen Regimes etwa 60 Majdan-Gegner verfolgt, die sich darauf hin im Haus der Gewerkschaften verschanzt haben. Im Laufe der weiteren Auseinandersetzungen wurde das Haus in Brand gesteckt, nur wenige konnten entkommen. 48 Menschen wurden bei lebendigem Leibe verbrannt. 

Könnten diese neuen Postings Anleitungen für neue Kämpfe auf den Straßen der vielgelittenen Ukraine sein? 

Vielleicht deshalb, weil sich in der ukrainischen Gesellschaft wieder Unmut breit macht und auf die Straßen über zu schwappen droht?

Besonders pervers fand ich eine eine Art Anleitung, gepostet von radikalen ukrainischen Aktivisten bei Facebook, die das erste mal vor ca. einem Jahr ihren Weg in die Sozialen Netzwerke gefunden hat. Der Autor war Chef der Aufklärung des radikal-militanten ukrainischen Verbands (auch Partei)  „Rechter Sektor“ - Oleh Muschzil, ebenfalls bekannt als Sergey Amirow, der in den Sozialen Netzwerken unterm dem Pseudonym der „Förster“ schrieb. Er betrieb aktive Propaganda für bewaffnete Aktionen auf den Majdanen, bis die Machthaber in Kiew beschlossen den militanten Prediger fest zu setzen und ihn im Laufe der Verhaftung erschossen haben. 

Das deutsche Establishment sympathisiert mit der „Majdan-Bewegung“, was ausgehend von der historischen Erfahrung des Landes durchaus nachvollziehbar ist. 

Interessant wäre aber ein Gedankenspiel darüber, was uns auf den deutschen Straßen erwarten würde, wenn die Linksautonomen oder eben die Rechten, die guten Ratschläge des Försters bei ihren Auseinandersetzungen mit der Polizei in Kreuzberg oder Hamburg einsetzen würden? Opfer wären unvermeidbar.

Ich bin deshalb der Meinung, es wäre eine gute Idee, die deutsche Öffentlichkeit mit den Inhalten der Anleitung des Försters für den Straßenkampf vertraut zu machen.

Hier sind deshalb einige Auszüge davon, übersetzt aus dem Ukrainischen.

Anleitung 

zu Durchführung von Straßenschlachten bei verschiednen Majdanen

„Einige Ratschläge zur Durchführung von Protestaktionen“

Geht immer von der Möglichkeit einer Konfrontation mit den Sicherheitskräften aus. …Es gibt einige Faktoren, die untrennbar mit einander verbunden sind:

Die Machthabenden werden vor einer erbitterten Gegenwehr gewarnt.

Einrichtung einer Kommandozentrale.

Die Armee unterscheidet sich von einem bewaffneten Haufen durch die Disziplin und stramme Kommandostrukturen. Es muss ein erfahrender Kommandeur eingesetzt werden, der alle militärischen Aktionen koordiniert. Er ist kein Redner und auch kein Agitator, sondern ein Befehlshaber, seine einzige Aufgabe ist es die Kämpfer zu befehligen und die Sicherheit der Aktionen zu gewährleisten. Er muss allen Kämpfern vorgestellt werden, alle müssen wissen, wie er aussieht (oder, falls der Kommandeur und die Kämpfer Balaklawa (Skimasken) tragen, müssen auf der Kleidung oder am Ärmel Erkennungsnummern zu finden sein). Während der Durchführung der Aktion müssen die Befehle des Kommandeurs sofort und genau ausgeführt werden. Wer einen Befehl verweigert, wird von der Beteiligung an der Aktion ausgeschlossen. Die anderen Kämpfer sollten darüber in Kenntnis gesetzt werden.

Militärischer Schutz der Aktion

Ein solcher Wachschutz wird aus Leuten zusammen gestellt, die zu einer harten Gegenwehr fähig und auch BEREIT (so vom Autor geschrieben) sind. 

Was ist unter dem Wort „hart“ zu verstehen? …

…Mit harter Gegenwehr meine ich eine Antwort an die Provokateure, die eine Gefahr für ihr Leib und Leben darstellt. 

Wie ist das im Rahmen einer „friedlichen Aktion“ zu bewerkstelligen? 

Ganz einfach - Heugabeln, scharfangespitzte Spaten und Äxte. Sehr nützlich sind legale Rauchbomben.

Offiziell wird das alles nicht als Waffe angesehen und kann ohne Probleme zu einer Aktion mitgebracht werden. Dabei sind alle Gegenstände höhst effektiv sowohl gegen unbewaffnete Gegner als auch gegen verschiedene „Tituschki“ oder „Berkut“.

Alles was man machen muss, ist zu lernen mit diesen Waffen zu kämpfen und zwar entsprechend der Taktik des Krieges mit dem Einsatz von "Kalten Waffen“. Man muss dazu bereit sein, dass nach den „Tituschki“ (unbewaffnet) der bewaffnete „Müll“ (Jargon für Polizei) kommt. Darum muss man vorbereitete Cocktails parat haben und sofort zum Angriff übergehen, ohne Furcht davor die Polizisten ins Jenseits zu entsenden

Die Bereitschaft der Protestierenden dazu in die heiße Phase überzugehen, hindert die Machthaber meistens daran Sicherheitsstrukturen einzusetzen, vor allem, wenn sie sich an den „Brennenden Majdan“ zurück erinnern. 

Wir sehen die Bestätigung dafür immer wieder dann, wenn die Kämpfer des Ukrainischen Freiwilligen-Korps - die bereit und fähig sind ihre Gegner zu töten - an den Aktionen beteiligt sind…“ 

Verschließt die ukrainische Regierung auch weiterhin die Augen davor, dass radikale Kräfte im Land bereit sind die Menschen zu einer Wiederholung des Majdans und der Geschehnisse von Odessa zu treiben, dann kommen auf die Ukraine weitere schwere Zeiten und neue Opfer zu. 

Auch die deutsche Politik muss endlich verstehen, dass Kiew nicht dauernd nur dafür gekopftätschelt werden sollte, dass ein Teil der Ukraine nicht nach Russland, sondern nach Europa strebte. 

Flirten mit Feuer wird keinen Frieden bringen.

Bilder: @depositphotos/ screenchoot 

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