ARCHIV - Von einem Hubschrauber aus wurde im Januar 1991 diese ‹bersicht des Atomkraftwerks Tschernobyl aufgenommen. Eine schwere Explosion zerstörte am 26.04.1986 den Reaktorblock II des Kernkraftwerks.Foto: dpa

Finanzierung von neuer Tschernobyl-Schutzhülle vorerst gesichert

«Das Problem ist vom Tisch»: Nach einer Geberkonferenz für den Bau
eines neuen Schutzmantels um die Atomruine in Tschernobyl äußern sich
die Beteiligten zufrieden. Noch ist allerdings nicht genug Geld
zusammengekommen. Und die Zeit drängt.

London (dpa) - Der Neubau einer Schutzhülle um den explodierten
Atomreaktor im ukrainischen Tschernobyl ist vorerst finanziert. Bei
einer Geberkonferenz in der britischen Hauptstadt London kamen am
Mittwoch zwar nur 530 der notwendigen 615 Millionen Euro zusammen.
Die Verantwortlichen sind aber zuversichtlich,
dass die Finanzierungslücke bald komplett geschlossen wird. «Das
Problem ist vom Tisch», sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im
Bundesumweltministerium, im Anschluss an das Treffen. «Es ist jetzt
absolut klar, dass die Arbeit in Tschernobyl weitergehen kann.» 

Unter anderem hätten Russland und China Mittel zugesagt, ohne einen
konkreten Betrag zu nennen, sagte Flasbarth, der als Vertreter
der G7-Staaten sprach. Die sieben führenden westlichen
Industrienationen geben 95 Millionen Euro, 70 kommen von der
EU-Kommission. Wie bereits zugesagt, übernimmt die Europäische Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit 350 Millionen Euro den
größten Teil. Weitere 15 Millionen Euro kommen von zahlreichen
Ländern, darunter Dänemark, Österreich, Kuwait und Brasilien. 

Der neue, über 100 Meter hohe und rund 2,1 Milliarden Euro teure
Sarkophag soll die bisherige, einsturzgefährdete Schutzhülle aus
Beton ersetzen. Nachdem am 26. April 1986 der Druckröhrenreaktor
wegen einer Technikpanne explodiert war, hatten Soldaten eilig
Tausende Tonnen Beton in die Ruine geschüttet. Feuchtigkeit und ein
leichtes Erdbeben setzen dem Provisorium zu. 

Bereits 1997 hatten die G7-Staaten deshalb den Aufbau eines Fonds
vereinbart, um einen Neubau zu finanzieren. Er soll im November 2017
fertig werden und die Umgebung rund 100 Jahre lang vor Strahlung
schützen. An dem Projekt sind rund 40 Länder auf unterschiedliche
Weise beteiligt. 

Am Vortag war in der Nähe des Atomkraftwerks aus bisher ungeklärten
Gründen ein Waldbrand ausgebrochen. Das Feuer sei aber «beinahe
gelöscht», sagte der ukrainische Umweltminister Ihor Schewtschenko,
der ebenfalls an der Londoner Konferenz teilnahm. «Alles dort ist
sicher und unter Kontrolle.» Der Wind wehe vom Atomkraftwerk weg, es
werde keine erhöhte Strahlung gemessen.