EU-Kommission will Wachstumsprognose für Griechenland senken

Berlin (dpa) - Die EU-Kommission will die Wachstumsprognose für
Griechenland für 2015 senken. «Im Winter haben wir 2,5 Prozent
Wachstum in Griechenland für dieses Jahr erwartet. Unsere
Frühjahrsprognose für Griechenland wird pessimistischer ausfallen»,
sagte der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, dem
Handelsblatt (Montag).

Anfang  Februar sei Brüssel bei der Prognose noch davon ausgegangen,
«dass es weitergeht mit Reformen und Haushaltsdisziplin», hatte
EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici damals gesagt. Nun sei ein
erfolgreicher Abschluss des laufenden Rettungsprogramms für
Griechenland unsicher geworden, hieß es dem «Handelsblatt» zufolge im
Umfeld von Dombrovskis.

Mit Sorge blickt Dombrovskis auf die finanzielle Lage Griechenlands.
«Natürlich wissen wir, dass die Liquiditätssituation in Griechenland
immer schwieriger wird», sagte er der Zeitung.

Die Verhandlungen über ein griechisches Reformpaket sollen nach
Streit in den vergangenen Wochen beschleunigt werden. «Es wird eine
Abmachung in den nächsten Wochen geben», hatte der österreichische
Finanzminister Hans Jörg Schelling am Wochenende gesagt. Angesichts
der dramatisch zugespitzten Finanzlage in Griechenland sind aber
Gedankenspiele über einen «Plan B», der auch einen Euro-Austritt
(«Grexit») umfassen könnte, nicht mehr tabu.

Nach dem ursprünglichen Zeitplan sollte ein umfassendes Reformpaket
Griechenlands bereits Ende April vereinbart sein. Die Europartner
lassen diese Frist verstreichen und setzen darauf, nun spätestens bis
Ende Juni einen Kompromiss zu finden.