Alexander Sosnowski / WE

Eine Vergewaltigung des (Rechts)Staats

Alexander Sosnowski, Journalist, Schriftsteller

Ich habe keine Ahnung, was ein Mann empfinden muss, vor dessen Augen gerade eine Gruppe von betrunkenen „Nordafrikanern“ oder „Arabern“, wie die Presse sie schon fast verschämt nennt, seiner Frau die Strumpfhosen runter reisst, in den Slip fasst, ihre Brust betatscht. In einer anderen Zeit, in anderen Ländern, war das für Männer ein Grund ihre Waffen zu ergreifen oder aber, sie verteidigten die eigene oder die Unversehrtheit ihrer Frauen mit bloßen Händen. In Köln scheint es in dieser Nacht keine Männer gegeben zu haben.

Foto: Hauptbahnhof Köln / DPA

Die „Ritter“ flüchteten in die Polizeireviere, wo sie sich dann mutig darüber beschwerten, dass „diese bösen Jungs“ sich nicht an die in Deutschland üblichen Verhaltensregeln halten würden. Die Männer mit Waffen - im Allgemeinen auch als die Polizei bekannt - rangen sich nach einer halben Stunde absoluten Chaos dann doch dazu durch sich einzumischen und ganze acht Verdächtige fest zu nehmen. Die Kämpfer für die Rechte der unterdrückten Verbrecher können allerdings beruhigt sein, aus Mangel an irgendwelchen Beweisen wurden alle bereits wieder in die Freiheit entlassen. Es ist nicht ganz klar, welche Beweise genau die Justiz braucht, denn immerhin liegen der Polizei nach eigenen Angaben bereits mehr als 80 Anzeigen von betroffenen Frauen vor. Es gibt eine Unmenge von Fotos und Videoaufnahmen, auch in den sozialen Netzwerken.
Die städtische Verwaltung brauchte dann auch nur vier Tage bis sie mit allem Nachdruck die Unerträglichkeit und die Null-Toleranz-Politik gegenüber solchen Vorfällen kund tat. "Nach massiven Übergriffen auf zahlreiche Frauen in der Silvesternacht rund um den Kölner Hauptbahnhof will Oberbürgermeisterin Henriette Reker entschlossen gegensteuern, teilt die dpa mit.

Foto: PK OB Henriette Reker /DPA

„Die Oberbürgermeisterin kann und wird nicht akzeptieren, dass sich hier ein rechtsfreier Raum bildet“, sagte Stadtsprecher Gregor Timmer der dpa am Dienstag, kurz vor einem Krisentreffen mit der Kölner Polizei und der Bundespolizei. 
Die Politiker aus den vorderen Reihen, aus den Fraktionen oder der Regierungskoalition haben es gar vorgezogen überhaupt nicht über diese skandalösen Ereignisse zu sprechen. Es gibt aber durchaus einiges an Fragen, die nach Antworten verlangen:
- Warum wurden von etwa 1.000 Beteiligten nur acht verhaftet?

- Sind der Polizei Namen, Adressen der restlichen Beteiligten der „Köllner Schlacht“ bekannt?

- Welchen Status besitzen die Verdächtigen - sind es deutsche Staatsbürger, Flüchtlinge, illegale Migranten?

- Sollten es Flüchtlinge oder illegale Migranten sein, wie sind sie ins Land gekommen?

- Wurden ihre Identitäten überprüft, haben sie womöglich eine kriminelle Vergangenheit?


Selbstverständlich, wird, auf Grund der aktuell herrschenden Nervosität im Bezug auf jede der oben geäußerten Aussagen in Richtung Flüchtlinge, sofort das Label „Rechtsradikal“ gezückt. Man würde ja nur einen „bedauerlichen Einzelfall“ dazu benutzen alle Flüchtlinge zu diskreditieren. Damit die Versuchung das Geschehen auf einen schlichten Disput zwischen zwei Seiten zu reduzieren gar nicht erst aufkommt, braucht man präzise, aufschlussreiche und vor allem zeitnahe Informationen, zur Verfügung gestellt von der Stadtverwaltung und auch der Bundesregierung.
In diesem Fall, würde ein kurzes Statement von Angela Merkel, in dem sie die Dinge beim Namen nennt, unnötige Spekulationen unterbinden und die Ordnung wieder herstellen können.

Drei Minuten Text von der Deutschen Bundeskanzlerin sind nun online.

Foto: Angela Merkel / DPA

Wäre es bitte möglich sie mit arabischen Untertiteln zu versehen?