«Die Welt» (Berlin) zu NSA-Affäre

Angela Merkel steht im Streit über die Geheimdienstzusammenarbeit mit
den USA wieder einmal in schlechtem Licht da. Die vom Kanzleramt
lancierte Idee, dass ein «Beauftragter» anstelle von
Bundestagsabgeordneten die NSA-Spähliste prüfen soll, findet
Washington offenbar gar nicht gut. Das muss allerdings auch nicht
verwundern. Ein Parlament, das Abgeordnete einer Partei an die Spitze
von IT- und Geheimdienstkontrollausschüssen rollieren lässt, die in
erklärter Illoyalität zur Bündnis- und Sicherheitspolitik ihres
Landes steht, darf sich im Grunde über gar nichts wundern. Das wird
sich allerdings so lange nicht ändern, wie Politik- und
Parlamentsbetrieb in Deutschland noch immer Züge eines
postkommunistischen Transformationslandes tragen.