Twin blasts kill at least 30 in Turkish capital ahead of peace ra/dpa

Die Türkei und der Terror

Istanbul (dpa) - Gewalt und Terroranschläge haben in den vergangenen Monaten in der Türkei deutlich zugenommen. Verschiedene Gruppen unterschiedlicher ideologischer Ausrichtung kämpfen gegen den Staat. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat angekündigt, den Terror zu bekämpfen, «bis unser Volk in Frieden lebt». Ein Überblick:

- Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK: Der Konflikt mit der PKK dauert seit mehr als 30 Jahren an und kostete bislang rund 40 000 Menschen das Leben. Erdogan stieß 2012 einen Friedensprozess mit der PKK an, der inzwischen aber auf Eis liegt. Eine von der PKK im Jahr 2013 ausgerufene Waffenruhe kollabierte im Juli, als PKK-Anhänger zwei türkische Polizisten im Schlaf erschossen. Seitdem geht die Armee am Boden und aus der Luft gegen die PKK in der Südosttürkei und im Nordirak vor. Die PKK verübt Anschläge auf Sicherheitskräfte.

1984 begann die PKK ihren gewaltsam Kampf für einen unabhängigen kurdischen Staat. Inzwischen ist sie nach eigenen Angaben von dieser Maximalforderung abgerückt. PKK-Führer Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 auf der türkischen Gefängnisinsel Imrali in Haft. Die Türkei, die EU und die USA stufen die PKK als Terrororganisation ein. Der syrische Ableger der PKK - die PYD - steht allerdings weder in der EU noch in den USA auf den Listen der Terrororganisationen, was die Türkei kritisiert. Die USA unterstützen die PYD mit Waffen im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

- Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS): Der IS wird von den türkischen Behörden unter anderem für die verheerenden Anschläge im südtürkischen Suruc mit 34 Toten im Juli und in der Hauptstadt Ankara im Oktober verantwortlich gemacht. Der Anschlag in Ankara kostete mehr als 100 Menschen das Leben und war damit der schwerste in der Geschichte der türkischen Republik. Der IS hat sich zu keinem der Anschläge bekannt. Die türkische Polizei geht mit Razzien gegen IS-Anhänger in der Türkei vor. Allerdings zeigen die Sicherheitskräfte gegen die PKK deutlich mehr Engagement.

Präsident Erdogan sah sich lange der Kritik ausgesetzt, den IS gewähren zu lassen, der über die Türkei Kämpfer nach Syrien brachte. Erdogan wies das stets zurück. Bei den Gefechten um Kobane verweigerte die Türkei

über Wochen hinweg selbst indirekte Unterstützung für die PYD, die die nordsyrische Grenzstadt gegen den IS verteidigte. Auch die Nutzung der Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge der USA gegen den IS erlaubte die Türkei erst nach langem Zögern. Seit Juli fliegt die türkische Luftwaffe selber Angriffe auf den IS in Syrien - allerdings deutlich weniger als gegen die PKK.

- Die linksextreme Untergrundorganisation DHKP-C: Die «Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front» will den Staat zerschlagen und ein sozialistisches System einführen. Sie ist eine Nachfolgeorganisation der verbotenen Gruppe Devrimci Sol. Die DHKP-C steht in der Türkei, der EU und den USA auf der Terrorliste. In der Türkei verübt sie immer wieder Anschläge. Im März nahmen ihre Anhänger einen Staatsanwalt in Istanbul als Geisel. Der Staatsanwalt und die Geiselnehmer starben. Im August eröffneten DHKP-C-Anhängerinnen das Feuer auf das US- Konsulat in Istanbul. Bereits 2013 verübte die Gruppe einen Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara. Damals riss der Attentäter einen Wachmann mit in den Tod.