Es werden Neujahrsgrüße ausgetauscht und auch Geschenke. Die Juden empfangen ihr Neujahrsfest durch Trompeten- oder Posaunenschall, auch wenn es meistens auf September oder Oktober fällt. Die Perser feierten den Tag des Jahresanfangs als Festtag, an welchem man sich mit Eiern beschenkte. Den Chinesischen Kalender beherrschen hingegen Drachen und Feuer.
Irina Tkachenko, Autorin bei World Economy
Mystik und Symbolik
In den meisten Kulturen gilt der Tag, an dem das Alte Jahr von dem Neuen abgelöst wird, als mystisch. Auch die grundsätzlichen Bräuche sind gleich. Die alten Germanen wollten mit Krach und Feuer die bösen Geister vertreiben, die Chinesen schrecken mit den gleichen Mitteln ein menschenfressendes Monster ab. Das Neue Jahr soll mit viel Lärm und Licht empfangen werden, so dass die bösen Kreaturen abgeschreckt und die Guten angelockt würden.

Ein Abschnitt ist fast vorbei, der Neue hat noch nicht angefangen, man steht an der Schwelle. Um an dieser Stelle einen weiteren kleinen Abstecher in die Welt der Mystik zu unternehmen: Diese Schwelle gilt als ein, energetisch gesehen, sehr gefährlicher Ort. Genau dort finden, laut verschiedenen Aberglauben, die größten Widerstände zwischen Gut und Böse statt, auch allerhand Zauberwesen leben dort. Beim Überqueren der (Tür)Schwelle, muss jeder an ihnen vorbei. Ist man dabei zu langsam, am Gähnen oder Essen, können diese Wesen an einem Menschen haften bleiben und ihm Schaden zufügen. Bei vielen Christen ist es deswegen üblich sich vor dem Überqueren der Schwelle zu bekreuzigen. Und in jüdischen Haushalten finden sich an den meisten Türschwellen sogenannte „Mesusot“. Sie sollen unter anderem symbolisieren, dass Gott über das Haus oder Zimmer wacht.
Auch ist der Jahresausklang eine besondere Zeit, um in die Zukunft zu schauen. Das geschieht, zum Beispiel, beim Würfeln, wo alles dem Zufall überlassen und das Ergebnis genauso ungewiss ist, wie die Zukunft selbst. Auch Bleigießen ist eine beliebter Zeitvertreib. Genaueres kann man beim Pendeln erfahren. Je nach Bewegungsrichtung werden darin unterschiedliche Bedeutungen gesehen. Dreht sich das Pendel auf eine gestellte Frage hin im Uhrzeigersinn, so lautet die Antwort "Ja", dreht es sich in entgegengesetzter Richtung, so lautet die Antwort "Nein", schwingt es nur hin und her, dann ist die Antwort ungewiss.
In Russland gehen die Feierlichkeiten zu Silvester (mit dem 1. Januar als Neujahrstag) auf den Erlass des Zaren Peter I. zurück. Zuvor galt der 1. September als der Beginn des neuen Jahres. Im Erlass des Zaren hieß es, man solle einander zum Neujahr beglückwünschen, auf allen Höfen aus kleinen Kanonen oder Gewehren Schüsse abgeben und mehrere Raketen abschießen. In der Nacht sollte ebenfalls Feuer aus Holzscheiten angezündet werden. Der Zar schoss als Erster eine Rakete ab und sie verkündete dem Volk, dass ein neues Jahr angebrochen war. Die Tradition des Neujahrsbaums, bzw. der geschmückten Tannenzweige etablierte sich in Russland ebenfalls erst seit Peter I.
„Wie du das Neue Jahr empfängst, so wirst du es auch verbringen!“ - lautet ein beliebtes russisches Sprichwort. Es werden in der Silvesternacht für gewöhnlich Freunde und Familie eingeladen, um ein gemeinsames und geselliges Fest zu feiern. Auch ein festlich und sehr üppig gedeckter Tisch gehört dazu, denn es heisst, dann würden die Teller und Töpfe das ganze folgende Jahr über gut gefüllt sein.
In der russisch-orthodoxen Tradition, war das der Abend, an dem junge Mädchen und Frauen, verschiedene magische Rituale vollzogen haben, damit sich ihnen ihr zukünftiger Ehemann offenbart. Einige (bis heute) sehr bekannte Rituale werden mit der Zuhilfenahme von Spiegeln vollzogen. So heisst es, zum Beispiel, wenn eine junge Frau sich in der Silvesternacht um Schlag Mitternacht vor den Spiegel setzt, drei Kerzen anzündet, einen Apfel isst und sich dabei die Haare bürstet, wird sich ihr, nach dem zwölften Schlag, ihr zukünftiger Ehemann offenbaren. Wenn sie sich aber mit dem Rücken zum Spiegel dreht und dann schnell wieder hinschaut, dann wird sie den Teufel erblicken.
Einige moderne Hellseher empfehlen diese Prozedur auch Politikern, die wieder kandidieren möchten, zum Beispiel, für eine Bundestagswahl. Vielleicht erblicken sie im Spiegel den Schatten von Dr. Faust und werden doch noch die richtige Entscheidung treffen können.
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Quelle: „Darstellung des Maskenballs in Achmatovas „Poem ohne Held“ als Chronotopos nach Bachtin“, I. Tkachenko
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