Jan Tscherny, Journalist, Politologe
Die Ukrainer erwachten heute in einem anderen Land - nach der Veröffentlichung der „Panama Papers“ ist klar geworden, dass der Korruption in der Ukraine niemals wirklich der Kampf angesagt wurde. Mehr noch, das Staatsoberhaupt - der Präsident - versteckt seine Geschäfte in eine Offshore-Firma und „vergaß“ das in seiner Steuererklärung zu erwähnen.
Nun wird das ganze Chaos um den Posten des Generalstaatsanwalts klar und auch die Schneckengeschwindigkeit mit der Antikorruptionsgesetze verabschiedet wurden. Wer soll sich denn auch ernsthaft damit beschäftigen, wenn Petr Poroschenko mit einer Hand Gesetzesvorlagen gegen die Korruption unterschreibt und mit der anderen seine Einnahmen in einer Briefkastenfirma deponiert?

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Und die Moral der Geschicht’: Der Majdan brachte den ukrainischen Bürgern keine Befreiung von der Korruption, den Lügen und dem Betrug, sondern schuf eine neue Kaste von offensichtlichen und versteckten korrupten Oligarchen, zu denen man ab jetzt wohl auch den Präsidenten zählen muss.
Die wichtigsten Schlüsse müssen jetzt aber Europa und die USA ziehen - sollten sie den jetzigen Machthabern wirklich vertrauen und die Taschen der korrupten Beamten auch weiterhin mit Dollars füllen? Denn nun gibt es gar keine Garantie mehr, dass die Kredite des IWF, der EU u.a. wirklich der ukrainischen Wirtschaft zugute kommen und nicht auf die geheimen Konten der Staatsdiener im „PanamaLand“ wandern.
