„Die Idee, ein Europa der zwei Geschwindigkeiten zu schaffen, ist nicht neu“

„Die Idee, ein Europa der zwei Geschwindigkeiten zu schaffen, ist nicht neu“

Von den Vorschlägen des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder bis hin zu modernen Ideen der heutigen Ökonomen. Diese Idee wurde jedoch niemals als Möglichkeit in Betracht gezogen, eine zentrale Europäische Union der südöstlichen Länder Europas zu schaffen. Den ursprünglichen Vorschlag veröffentlichte - nicht ohne eine gewisse Ironie - der bekannte österreichische Politiker, Abgeordneter, Dr. Norbert Van Handel, erst kürzlich in einem politischen Telegramm auf unserer Website. Er schlug vor, die Hauptstadt der Europäischen Union von Brüssel nach Wien zu verlegen. Trotz der Ironie dieses Vorschlags hat er eine tiefergehende Bedeutung, da sich die Europäische Union eindeutig in einem Driftzustand befindet. Einerseits driften die europäischen Länder voneinander ab, haben ihre eigenen Vorstellungen von Werten, von der Wirtschaft und der Zukunft der Europäischen Union. Andererseits lässt die offensichtliche Distanz zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und den Interessen Europas die Europäer über ihre eigene Zukunft nachdenken, kommentierte Dr. Norbert Van Handel in einem Interview mit unserer Redaktion ausführlich.
Dr. Norbert van Handel:„Die Idee, die dahinter steckt - und die natürlich momentan völlig unrealistisch ist - ist, dass, was immer man sagt, die Ost- und Südosteuropäischen Länder von Brüssel miserabel behandelt werden. Und daher war die alte Überlegung, dass man eine Gruppe innerhalb der EU gründet für die mitteleuropäischen Länder, während die neue Überlegung war, dass man eine West-EU - von mir aus - in Brüssel lässt und eine Ost-EU in ein osteuropäisches Land verlagert. Da könnte man an Wien denken oder Budapest, oder Prag. Die gemeinsame Headline wäre - Frieden in Europa und die vier großen Freiheiten: Warenverkehr, Personenverkehr, Dienstleistungsverkehr, Finanzverkehr. Das wäre das Gemeinsame. Darüber hinaus sollten beide Gruppierungen das machen, was sie für richtig halten, wobei vor allem Osteuropa auch sehr stark, meines Erachtens nach, mit Russland und China zusammenarbeiten sollte.
Das war die Grundüberlegung und interessanterweise waren die Antworten darauf durchaus positiv. Die einen haben gesagt, ja gut, Hauptstadt Wien, die anderen haben gesagt nein, Prag wäre besser, die dritten haben gesagt - Hauptstadt Budapest. Das sind Details, aber generell ist die Idee, zumindest mir gegenüber, auf guten Boden gefallen“.

Bleibt die Frage, welches der europäischen Länder bereit ist, sich dieser Idee anzuschließen oder sie zumindest zu diskutieren? In einer Zeit, in der die Giganten der Europäischen Union - Frankreich und Deutschland mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, ist es an der Zeit, dass die kleineren Länder über ihre nationalen Interessen nachdenken.
Dr. Norbert van Handel weiter:
„Die Visegràd Länder - Schwerpunkt Ungarn - dazu Slowenien, Kroatien und teilweise Oberitalien, wenn es geht, weil die Lega könnte man durchaus für diese Idee gewinnen. Vielleicht nicht momentan, aber langfristig. Das könnte dann auch später, wenn die Politik wieder vernünftiger geworden ist, Länder wie Bayern oder Sachsen interessieren. Aber im Wesentlichen - Visegràd, plus Kroatien, Slowenien und Österreich.“
Es gibt jedoch genügend politische Kräfte, die bereit sind, sich diesem Plan entgegenzustellen. Darüber hinaus wird immer häufiger von der Notwendigkeit gesprochen, das Nordatlantikbündnis zu modernisieren, eine eigene Armee zu schaffen und die faktische militärische Konfrontation zwischen Europa und Russland zu verstärken.
Diese Pläne haben ihre eigenen Autoren meint Dr. Norbert van Handel: „Frau von der Leyen, die wirklich nicht besonders gescheit ist, muss ich sagen, da bleibe ich auch dabei, hat gestern angekündigt in ihrer Rede für Europa, sie möchte wieder einen Gipfel haben zwischen den europäischen Verteidigungsmöglichkeiten und der NATO. Meines Erachtens nach eine besonders dumme Idee. Das ist genauso, wie wenn zwei Unternehmer gemeinsam in Konkurs gehen, sich dann umarmen und sagen, jetzt machen wir die nächste Insolvenz. Nein, so darf es nicht sein. Sondern, ich glaube, dass man möglicherweise die Süd-Ost-Europäischen Länder für eine Verteidigungsallianz kriegen kann, die West-Europäischen Länder kann ich mir nicht vorstellen, die streiten sich dann immer um das Kommando und das ist nicht interessant. Ich glaube, jedes Land muss endlich wieder mal so mutig und so selbstverständlich sein sich selbst mit etwa 2,53% des Brutto-National-Produkts zu verteidigen.“

Bilder: Depositphotos
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